So feierst du auf dem Festival, ohne die Umwelt zu zerstören

Festivals sind genial. Aber sie haben einen ökologischen Fußabdruck, der dem einer Kleinstadt gleichkommt. Mit diesen einfachen Tipps feiert ihr nachhaltiger.

© Stephan Flad | Melt!

Feiern und dabei der Umwelt so wenig wie möglich schaden? Das ist möglich! © Stephan FladMelt!

Festivals sind immer auch auch eine ziemliche Umweltsauerei: Der Veranstalter des Hurricane hat errechnet, dass jeder Besucher durchschnittlich 15 Kilo Müll zurücklässt und bis zu 40 Kilogramm CO2 pro Tag verursacht. Diese 10 Tipps helfen, umweltfreundlicher zu feiern:

1. Achtet aufs Siegel

Bei vielen Veranstaltern hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden: Festivals wie das Openair St. Gallen, der Chiemsee Summer oder das Paléo Festival Nyon setzen nicht nur auf Müllpfand, sondern nutzen auch Ökostrom, regionales Catering sowie Komposttoiletten, die eure Häufchen in Humus verwandeln. Wie ernst Organisatoren es mit dem Engagement für Nachhaltigkeit nehmen, könnt ihr an Siegeln erkennen, die von Initiativen wie Sounds for Nature, Green Operations Europe oder Green Music vergeben werden.

2. Umweltschutz beginnt zuhause

Bevor ihr für mehrere Tage das Haus verlasst, könnt ihr alle elektronischen Geräte ausschalten und nicht im Stand-By Modus weiterlaufen lassen.

[Außerdem auf ze.tt: Diese Typen triffst du auf jedem Festival]

3. An- und Abreise

Rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen bei einem Festival entstehen durch An- und Abreise. Dicke Luft könnt ihr vermeiden, indem ihr Fahrgemeinschaften bildet oder den öffentlichen Nahverkehr und Regionalbahnen nutzt. An größeren Bahnhöfen findet ihr garantiert andere Festivalgänger, mit denen ihr euch ein Länderticket teilen könnt. Das Melt! chartert seit Jahren einen C02-sparenden Hotelzug. Mitfahrer können direkt im Zug übernachten und brauchen weder Zelt noch Isomatte mitzuschleppen. Ebenfalls gut: Festivals wie das Appletree Garden, Orange Blossom oder MS Dockville organisieren eine Fahrradanreise und bieten eine extra Garderobe an. Dort könnt ihr euer Fahrrad abgeben und sicher sein, dass es nicht geklaut wird.

4. Ökologisch ist, wer vorbereitet ist

Abfall lässt sich nicht vermeiden, aber reduzieren: Mitgebrachtes Essen könnt ihr in Frischhalteboxen statt in Alufolie einpacken. Lebensmittel wie Nüsse, Äpfel, Karotten, aber auch Hummus, Müsli-Riegel oder Reiswaffeln kommen ohne Kühlung aus. Einweg-Plastikbesteck kann durch „richtiges“ Besteck oder Campinggeschirr ersetzt werden. Die Bambus-Variante ist stilsicher, leicht wie Kunststoff und garantiert umweltfreundlich. Auch für Getränke lohnt sich eine Mehrweg-Flasche zum Auffüllen. Gleiches gilt für dünne Regenponchos und Müllbeutel-Gaffatape-Kreationen: Investiert lieber ein paar Euro mehr in eine Regenjacke und nutzt sie nächstes Jahr wieder – oder kauft euch einen kompostierbaren Poncho aus Kartoffelstärke.

[Außerdem auf ze.tt: Sieben Gerichte, die nur auf einem Festival schmecken]

5. Love your tent – nimm’s wieder mit

Der Öko-Think-Tank Thema1 schätzt, dass nach einem Festival ein Viertel aller Zelte zurückbleibt. Zugegeben, nach drei Tagen Feierei, schlechtem Schlaf und lauwarmem Bier fühlt man sich nicht mehr so toll. Trotzdem: Seid lieb zu eurem Zelt und nehmt es wieder mit. Alternativ könnt ihr euch die biologisch abbaubare Version besorgen, die zersetzt sich nach 120 Tagen in der Kompostieranlage selbst. Wem das immer noch zu anstrengend ist, kann sich mit Freunden ein Mietzelt buchen. Stichwort: „Mein Zelt steht schon.“ Netter Nebeneffekt: Ihr habt keinen Stress beim Aufbauen und sichert euch einen strategisch günstigen Platz.

6. Spende deinen Pfand

Immer mehr Festivals kooperieren mit der Initiative Viva con Agua. Der Verein nimmt Spenden in Form von Bechern und Pfandflaschen entgegen. Der Erlös geht an WASH-Projekte der Welthungerhilfe. Haltet einfach Ausschau nach der blauen Flagge, dort findet ihr die Becherjäger.

[Außerdem auf ze.tt: Warum wir unsere Post-Festival-Depression zulassen sollten]

7. Outdoor-Seife

Das sieht vielleicht nicht jeder so, aber auch auf Festivals gehört Körperhygiene dazu. Damit die Chemikalien nicht im Boden versickern, empfiehlt sich biologisch abbaubares Duschgel. Das ist oft universell einsetzbar und kann zur Not auch als Shampoo, Spülmittel oder sogar als Zahnpasta verwendet werden (am besten das mit Eukalyptus nehmen). Natürlich in Kombination mit einer schicken Bambus-Zahnbürste.

8. Lebensmittel retten

Bringt nur so viele Lebensmittel mit, wie ihr wirklich verbraucht. Wenn doch etwas übrig bleibt: Auf größeren Festivals wie dem Chiemsee Summer, Highfield oder M’era Luna gibt es Foodsharing-Projekte, über die man nicht mehr benötigte Lebensmittel weitergeben kann. Auf einigen Festivals kann man sein Essen auch direkt an einen lokalen Tafelladen spenden.

[Außerdem auf ze.tt: Woran du erkennst, dass du zu alt für Festivals bist]

9. Regionale und faire Produkte kaufen

Wer seine Verpflegung auf dem Festival kauft, kann sich für Essensstände entscheiden, die Gerichte aus regionalen und ökologischen Produkten und/oder fairem Handel anbieten. Auch am Merchandising-Stand könnt ihr nach Pullover und Fair-Trade-Shirts aus Biobaumwolle fragen.

10. Solarenergie nutzen

Smartphone-Akkus halten bekanntlich keine drei Tage. Damit ihr euer Handy nicht über eine Autobatterie laden müsst, empfiehlt sich ein Solarladegerät. Funktioniert natürlich nur bei gutem Wetter effektiv. Deshalb gibt es auf Festivals wie dem Sonne Mond und Sterne oder dem Hurricane inzwischen auch mobile Ladestationen, die mit Ökostrom betrieben werden.