Als Kunstbanause in die Galerie? So geht’s!

Du hast längst alle Exponate angeschaut und bist durch den Museumsshop gestöbert. Außerdem warst du auf der Toilette. Zweimal. Deine Begleitung ist beim ersten Bild. Es kann sein, dass dir Kunst nichts sagt. Das kannst du tun.

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Die Venus von Botticelli. Na, tut sich was? © AFP / JUSTIN TALLIS/AFP/Getty Images

Normalerweise gehst du nicht ins Museum oder in Galerien. Nun bist du aber da und weißt nicht, wie du dich verhalten sollst. Einen Zugang zu Kunst zu finden, ist nicht immer leicht. Es kann sich aber lohnen. Eine Anleitung.

Was ziehe ich an?

Du musst wissen: Künstler*innen sind jeglichen Trends voraus. Das ist auch der Grund, warum sie immer ein wenig seltsam aussehen. Du kannst also nichts falsch machen.

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Wie sehr muss ich mich auf die Künstler*innen vorbereiten?

Hier gilt, wie für alles: Du darfst machen, was du willst. Es ist schön, unbedarft an die Dinge ranzugehen. Wer vorher zu viel gelesen hat, verstellt sich oft den Blick. Seh ich auch das, was ich gerade gelesen habe? Besser ist: Sei neugierig wie ein Kind! Die Texte zu einer Ausstellung sind nur eine Brücke, die oft gar nicht gebraucht wird.

Was mach ich denn nun, wenn ich vor einem Bild stehe?

Guck es dir an. Punkt. Versuch dir, das Bild selbst zu beschreiben. Beobachte, was du siehst. Nimm dir selbst die Last, alles verstehen zu müssen. Überlege dir: Würde ich das Bild kaufen? So bleibst du kritisch. Je länger du vor einem Bild stehst, umso mehr siehst du auch.

Soll ich die Bildtitel lesen?

Die meisten Künstler*innen wollen keine Bildtitel – die Institutionen wollen das. Daher ist es vermutlich auch nicht schlimm, wenn du die Titel nicht liest. Allerdings leiten Bildtitel auch die Assoziation. Also wenn, dann so: Bild anschauen und dazu assoziieren, erst dann den Titel anschauen und gucken, ob er dir eine neue Ebene eröffnet. Und nicht traurig sein, wenn der Titel nix verrät.

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Wann kann ich sagen: Das ist Kunst!

Je mehr ein Bild auf Dauer zu sagen hat, desto besser ist es auch. Wenn du ein Bild erst einmal gut findest, aber immer wieder das Gleiche darauf siehst, das gleiche Gefühl dazu hast, dann ist es keine Kunst. Sondern Illustration. Kunst ist, wenn du immer wieder etwas Neues entdeckst, das Bild also immer wieder neu zu dir spricht.

Muss ich denn immer was erkennen?

Jedenfalls nichts Konkretes. Gefühlsmäßig aber sehr gern! Allerdings gibt es immer Dinge, die einem gar nichts sagen. Halte dich nicht an Dingen auf, die dich nicht interessieren, sondern geh zu den Bildern, die dich reinziehen.

Welche angeberischen Sprüche ziehen immer?

Zwei Dinge, die Galerist*innen gerne sagen: „Das transzendiert für mich (nicht.)“ und: „Das ist ja subtil.“

Und wenn einfach kein Bild zu mir spricht?

Egal. Kunst ist nur ein Angebot, das du auch reinen Gewissens ablehnen kannst. Allerdings: Über Kunst meckern, entlarvt dich als Anfänger*in.

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Bei der Erstellung dieser Anleitung war Anka Ziefer beteiligt. Sie leitet die G2-Kunsthalle in Leipzig, eine private gemeinnützige Einrichtung, in der zeitgenössische Kunst ausgestellt und junge, zeitgenössische Künstler*innen gefördert werden.