So genial sieht es aus, wenn jemand in der Salzwüste BMX fährt

Aus Jux sagte der BMX-Profi Daniel Dhers zu Kumpels, er werde sich irgendwann Rampen in einer Salzwüste bauen. Jetzt hat er’s durchgezogen.

In die Pedale treten, im richtigen Moment abspringen, das Gleichgewicht zu Boden und in der Luft halten, Beine und Arme koordinieren: BMX fahren ist anstrengend. Aber es wird erst so richtig anstrengend, wenn man es 3.600 Meter über dem Meeresspiegel macht.

Die Salar de Uyuni in Bolivien ist die größte Salzpfanne der Erde. Man nennt die Steinwüste, in der sie liegt, umgangssprachlich Salvador-Dalí-Wüste, weil die Szenerie so surreal wirkt. Die Luft dort ist so dünn, dass selbst normales Atmen schwer fällt.

© Camilo Rozo
Daniel neben seinem treuen Gefährt. © Camilo Rozo

Daniel Dhers aus Holly Springs, seit rund zehn Jahren als professioneller BMX-Fahrer unterwegs, wollte es trotzdem wissen und dort einen Park mit Salzrampen errichten, auf dem er seine Tricks machen kann – und wenn es nur ein einziges Mal ist.

„Ich habe das vor vier oder fünf Jahren eher aus Jux mal so rausgehauen, nachdem wir aus Dakar zurückkamen. Die Idee blieb mir irgendwie trotzdem im Kopf. Also habe ich entschieden, zu recherchieren und loszulegen“, sagt Daniel zu ze.tt.

Die Mittel dazu hatte er; der 31-Jährige steht derzeit bei Red Bull unter Vertrag. Das Unternehmen spart bekanntlich nicht, wenn seine Sportler verrückte Projekte verwirklichen wollen. „Als wir uns das Areal angeschaut hatten, stand die Entscheidung fest – vor allem, weil die Wüste so wunderschön ist.“ Zufälligerweise liege sie in Südamerika, wie Daniel sagt: „Ich versuche immer, da Projekte zu starten, weil ich ja selbst ursprünglich aus Venezuela bin.“

In die USA zog es Daniel, weil er dort stärkeren Anschluss an die Szene finden konnte. Mittlerweile gehört er zu den erfolgreichsten und meist ausgezeichneten BMX-Sportlern aller Zeiten. 2014 veröffentlichte er den „Daniel Dhers Action Sports Complex“, einen riesigen Sportbereich mit Skatepark, BMX- und Mountain-Bike-Tracks, drinnen sowie draußen an seinem Wohnort. 

Was die wenigsten wissen: Der Sport hat sich mit von Fahrer*innen organisierten Wettbewerbsserien etabliert. Er wird von einer Industrie getragen, die sich weitgehend vom konventionellen Fahrradmarkt abgeschottet hat und von Fahrer*innen selbst betrieben wird.

Das Fahren in der Salzwüste beschreibt Daniel als einzigartige Erfahrung. „Das war einfach irre. Die Höhe war wahrscheinlich der krasseste Faktor, die hat es schwer gemacht zu atmen und zu denken.“ Er ist der bislang erste Mensch, der den Sport in dieser extremen Lage ausübte.

Die Rampen seien außerdem sehr instabil gewesen. Um das Salz griffiger zu machen, entwickelte John Saxton, ein in der Szene bekannter Parkdesigner, eine spezielle klebende Flüssigkeit. „Die Rampen hatten ziemlich viele kleine Fehler. Ich musste den Raddruck ein paar Mal ändern und dann das beste hoffen.“ Beim Bau haben laut Pressemitteilung Einheimische aus der naheliegenden bolivischen Stadt Colchani mitgeholfen.

Das Beste an seinem Trip sind die Bilder, die dabei entstanden sind, sagt Daniel: „Es kam nicht auf irgendeinen richtigen Winkel an, das Areal ist so einzigartig, dass jedes Foto großartig wurde.“ Die Planung, der Bau der Rampen und das Fahren sei so anstrengend gewesen, dass es wohl eine einmalige Sache bleiben werde.

Was aus dem Park in der Salzwüste wird? Daniel hat beschlossen ihn so lange stehen zu lassen, wie er stehen bleibt. „Mal sehen, was passiert, wenn der erste Regen einsetzt.“

Einige befreundete BMX-Sportler haben angekündigt, in Kürze ebenfalls nach Bolivien zu reisen. Daniel fänd’s gut: „Wäre doch ziemlich sweet, auch andere Menschen dort fahren zu sehen.“

Finden wir auch – vor allem wenn dann genau so geniales Bildmaterial entsteht wie dieses: