So kämpfte diese 20-Jährige darum, mit Hidschab Basketball spielen zu dürfen

Der Weltbasketballverband hat entschieden, das Hidschab-Verbot im Mai aufzuheben. Vorher sind dadurch viele Profikarrieren verhindert worden – zum Beispiel die von Yara Nabawi.

Yaras Karriere als Basketballprofi wurde jahrelang dadurch verhindert, dass Kopftücher verboten waren. Yara Nabawi/Facebook

Mit fünf Jahren hat Yara Nabawi angefangen, Basketball zu spielen. Seitdem träumt sie davon, Profispielerin zu werden. Yara ist in Houston im US-Staat Texas geboren und in Alexandria in Ägypten aufgewachsen. Sie wollte die erste ägyptische Frau sein, die in der US-amerikanischen Frauenliga WNBA spielt. Für ihre Liebe zum Basketball gab sie als Jugendliche alles. Sie trainierte bis zur Erschöpfung und nahm an vielen Wettbewerben teil.

Inzwischen ist Yara 20 Jahre alt und studiert in Bonn. Ihren Traum einer Basketballkarriere konnte sie bis heute nicht verwirklichen. Eine absurde Regel der International Basketball Federation (FIBA) versperrte ihr immer wieder den Weg: Um an Spielen teilzunehmen, hätte sie ihr Kopftuch ablegen müssen. Doch das wollte sie nicht.

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Vor sechs Jahren bekam Yara das Angebot in der ägyptischen Frauennationalmannschaft für die U16-Auswahl zu spielen. Yara war damals erst 14, aber sie war groß für ihr Alter und hatte Talent. Es war eine Riesenchance. Doch auch der ägyptische Verband stellte eine Bedingung: keinen Hidschab.

Yara verstand nicht, warum es diese Regel für internationale Spiele überhaupt gibt. Bei den Meisterschaften innerhalb Ägyptens durfte sie ja auch mit Hidschab spielen. „Es hat für mich überhaupt keinen Sinn gemacht“, erzählt Yara. „Warum sollte euch mein Kopftuch stören? Und ich dachte: Nein, das mach ich nicht für euch.“ Sie war frustriert und wollte das Basketballspielen hinschmeißen.

Nur ein Haarband ist erlaubt

Das Kopftuchverbot beruht auf Artikel 4.4.2 der offiziellen FIBA-Basketballregeln. Darin steht, dass Spieler*innen keine Objekte tragen dürfen, die andere Spieler*innen verletzen könnten. Es folgt eine Aufzählung der verbotenen Kleidungsstücke, darunter harte und scharfe Gegenstände, Schmuck und jegliche Kopfbedeckungen. Einzig ein maximal fünf Zentimeter breites Haarband ist erlaubt.

Yara findet die Begründung lächerlich. Es sei noch nie vorgekommen, dass irgendjemand durch ihr Kopftuch verletzt wurde. „Wenn es jemanden stören sollte, dann mich selbst“, findet sie. „Ich trage mehr Stoff als andere, aber das ist schließlich meine Entscheidung.“ Niemand in ihrer Familie zwinge sie dazu, ein Kopftuch zu tragen und sie wolle niemanden damit beeinflussen. Es zu tragen, ist ihre eigene freie Entscheidung. Doch die wird von der FIBA nicht akzeptiert.

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Ihr damaliger Trainer überzeugte sie, nicht aufzugeben. Er glaubte fest daran, dass die FIBA den Hidschab bald erlauben würde. Leider irrte er sich. Zu Yaras 16. und 18. Geburtstag fragte das nationale Team wieder an, doch das Kopftuchverbot bestand weiterhin. Yara sagte erneut ab.

Hidschab als Teil der Identität

Nach ihrem Abitur an einer deutschen Schule in Alexandria zog Yara nach Dresden, um Biologie zu studieren. Dort bewarb sie sich bei einer Uni-Mannschaft und wurde aufgenommen. Doch wegen ihres Hidschabs durfte sie auch dort nur am Training teilnehmen, bei den Spielen wurde sie ausgeschlossen. Der Deutsche Basketball Bund (DBB) ist als Mitglied der FIBA verpflichtet, deren Regeln zu übernehmen. „Mein Trainer fand die Regel doof und die meisten meiner Mitspielerinnen wussten bis dahin gar nichts davon“, erzählt Yara.

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Es abzulegen, kam auch zu dem Zeitpunkt nicht in Frage. Yara empfindet den Hidschab als Teil ihrer Identität. Das Kopftuch ablegen zu müssen würde für sie bedeuten, einen Teil ihrer Identität zu verlieren. „Es gibt außerdem so viele NBA-Spieler, die ein Kreuz als Tattoo auf ihrem Arm haben und niemand hat was dagegen“, regt sich Yara auf. Sie schrieb mehrere E-Mails an die FIBA, doch nie bekam sie eine Antwort.

Yara wurde aktiv

Ihr wurde klar, dass sie aktiv etwas unternehmen musste. „Es waren schon vier Jahre vergangen und nichts hatte sich geändert. Wenn ich wollte, dass sich irgendwas bewegt, dann sollte ich mich nicht auf andere Leute verlassen.“ Vor mehr als einem Jahr startete sie eine Petition, in der sie fordert:

„Ich habe genug von der Antwort ,Nein‘. Ich bin es leid, zurückgehalten zu werden, wenn es um die aktive Teilnahme an dem Spiel geht, das ich so sehr liebe. Ich möchte endlich auf internationalem Niveau spielen dürfen.“

"Some people want it to happen, some wish it would happen, others make it happen." ~M.J.Sign here and help in making…

Posted by Yara Nabawi on Monday, August 29, 2016

Mit ihrer Petition schloss sie sich einer großen Bewegung auf Change.org gegen das Hidschab-Verbot im Basketball an, die insgesamt 24 Petitionen aus der ganzen Welt umfasst. Basketballerinnen aus den USA, Indonesien, Schweden, Großbritannien und der Türkei sind dabei. Sie alle fühlen sich vom Kopftuchverbot diskriminiert und verlangen von der FIBA, alle Kopfbedeckungen, die aus religiösen Gründen getragen werden, zu erlauben. Also zum Beispiel auch Turbane und Kippas. Gemeinsam haben sie inzwischen rund 132.000 Unterstützer*innen. Mit dem Hashtag #FIBAAllowHijab werben sie kontinuierlich für ihre Kampagne.

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Durch den weltweiten Druck stimmte die FIBA im Jahr 2014 einer zweijährigen Pilotphase zu. Während dieser Zeit durften nationale Verbände Kopfbedeckungen erlauben. Der Weltfußballverband FIFA durchlief von 2012 bis 2014 eine ähnliche Testphase und hob danach das Kopftuchverbot auf. Daher war die Hoffnung groß, dass FIBA nachzöge. Ende Januar gab der Weltbasketballverband dann bekannt, dass er bis Mai einen Vorschlag erarbeiten will, der Athlet*innen mehr Freiheiten bei Kopfbedeckungen geben soll. Die Kleidungsstücke dürften jedoch nicht das Sicherheitsrisiko erhöhen. Es blieb also unsicher, ob der Hidschab erlaubt werden würde.

Hilfe von Nike

Kurz vor dem Weltfrauentag postete die Eiskunstläuferin Zahra Lari aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Instagram das folgende Bild:

Es zeigt sie im neuen Sport-Hidschab von Nike, der nächstes Jahr auf den Markt kommen soll. Der sogenannte Pro Hijab wurde zusammen mit muslimischen Athlet*innen entwickelt, die sich eine leichte und atmungsaktive Kopfbedeckung gewünscht haben. Interessant dabei ist, dass Nike erst Ende Februar eine Partnerschaft mit FIBA eingegangen war. Der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike wurde damit zum offiziellen Ausrüster des Weltbasketballverbands und besitzt bis 2027 Sponsorenrechte für sämtliche Wettbewerbe, darunter auch die Weltmeisterschaften der Damen.

Der Grundsatz von Nike sei, so eine Pressesprecherin, noch mehr Mädchen und Frauen zum Sport zu ermutigen – über jede religiöse und politische Grenze hinweg. „Wir wollen die weibliche Zielgruppe inspirieren, in Bewegung zu bleiben, ihre Träume zu verwirklichen, ihren Weg zu finden, sich nicht davon abbringen zu lassen und mit Klischees und Vorurteilen zu brechen.“ Konkrete Fragen, zum Beispiel ob Nike versucht hat, FIBA davon zu überzeugen, das Hidschab-Verbot aufzuheben, beantwortete die Pressesprecherin nicht.

Nike ist mit seinem Sport-Hidschab kein Pionier. Ähnliche Produkte wurden zum Beispiel schon von Firmen wie Oiselle oder Hummel entwickelt. Dennoch setzt Nike damit ein Zeichen. Yara fand es cool, dass Nike Frauen auf diese Weise unterstützte. Sie hatte sich das PR-Video zur Kollektion angesehen. „Das zeigt wirklich die ganzen Hindernisse, mit denen man kämpfen muss“:

Verbot wird aufgehoben

Jetzt steht die Pilotphase abgeschlossen und FIBA wird das Kopftuchverbot aufheben. Ingo Weiss, Mitglied des FIBA-Vorstands und Präsident vom DBB, erläutert in einer E-Mail: „Ende Januar dieses Jahres hat das Central Board (Vorstand) der FIBA beschlossen, den Hidschab als Kopfbedeckung im Basketball zu erlauben. Beim FIBA-Kongress Anfang Mai 2017 in Hongkong wird dies dann endgültig in die Statuten aufgenommen.“

Es ist ein spätes Happy End für Yara. Seit ein paar Monaten spielt sie kein Basketball mehr, so viel Zeit und Kraft ins Training zu stecken, um dann doch nicht bei Turnieren mitspielen zu dürfen, hatte für sie irgendwann keinen Sinn mehr gemacht. Dass der Hidschab im Mai offiziell erlaubt wird, motiviert sie allerdings, ihren alten Traum wieder zu verfolgen. Inzwischen lebt sie in Bonn. Sie will sich auf jeden Fall bei einem Team in ihrer Nähe bewerben.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, für das U16-Team müsse man über 16 Jahre alt sein. Wir haben das korrigiert.