So müssten wir aussehen, um Autounfälle überleben zu können

Schwerer Kopf, dicker Hals, hufenähnliche Füße – die Skulptur „Graham“ zeigt, wie unser Körper aussehen müsste, damit wir auf den Straßen sicher wären.

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Sagt hallo zu Graham! © TAC

Die australische Verkehrssicherheitsbehörde Transport Accident Commission (TAC) stellte am Donnerstag ihre neue Kampagne zur Straßensicherheit vor. Sie wird wohl vielen Leuten in Erinnerung bleiben.

Patricia Piccinini, eine Künstlerin aus Melbourne, kreierte in Zusammenarbeit mit führenden Unfallchirurgen und Unfallermittlern dafür eine menschenähnliche Figur mit seltsamen Unförmigkeiten. Ziel war es, den menschlichen Körper so hinzukriegen, dass er bei einem Autounfall überleben würde. Das groteske Ergebnis ist „Graham“. Hallo Graham.

Unser Körper ist bei einem Unfall viel stärkeren Kräften (kinetischer Energie) ausgesetzt, als er aushalten kann. Also verletzen wir uns. Um das zu vermeiden, müssten wir uns körperlich stark verändern. Und mehr so wie Graham sein:

  • Mit starken, hufenähnlichen Füßen kann er bei einer brenzligen Situation schnell aus dem Weg springen. Ein zusätzliches Gelenk gibt ihm mehr Flexibilität, um als Autofahrer bei einem Unfall Bein- und Knieverletzungen zu mindern.
  • Grahams Kniegelenke ist mit zusätzlichen Sehnen verstärkt, er kann sie damit in alle Richtungen drehen. Sollte er auf der Straße von einem Auto angefahren werden, würde er nicht so starke Verletzungen davontragen.
  • Für mehr Schutz sind seine Rippen verstärkt. Seine Brust ist groß wie ein Fass und zwischen den Rippen mit Luftsäcken ausgestattet, die wie ein Airbag wirken. Bei einem Unfall absorbieren sie die Aufprallskraft. Mit einer zusätzlichen Lederhautschicht um die Luftsäcke werden das Herz und andere wichtige Organe geschützt.
  • Grahams Haut ist am ganzen Körper dicker und stärker. Sie wirkt als Schild gegen Schürfwunden, vor allem an Bereichen, die instinktiv zum Schutz bei einem Fall ausgestreckt werden, wie Arme, Ellbogen und Hände.
  • Um Aufprallverletzungen am Gesicht zu vermindern, ist Grahams sehr flach gehalten. Seine Nase und Ohren sind nach innen versetzt und von einem großen Schädel und Hals geschützt. Zusätzliches Fettgewebe schützt vorstehende Bereiche wie die Wangenknochen und absorbieren die Kraft bei einem Aufprall.
  • Einen Hals hat Graham nicht. Damit ist er zwar weniger mobil, aber bei einem Unfall widerstandsfähiger. Der Brustkorb ist verlängert und reicht bis zum Schädel, was wiederum zum Schutz des Halses bei schnellen, plötzlichen Bewegungen beiträgt.
  • Sein riesiger Schädel gleicht einem Helm und ist mit Knautschzonen ausgestattet, um Stöße früher und besser zu absorbieren. Er verlangsamt das Momentum seines Kopfes bei einem Aufprall und schützt damit das Gehirn.
  • Sein Gehirn ist mit zusätzlicher Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und Bindegewebssträngen stabilisiert.
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Die Künstlerin Piccinini arbeitet mit Silikon, Glasfaser, Harz und menschlichen Haaren, um Graham so real wie möglich aussehen zu lassen: „In den Augen steckt viel Arbeit. Denn darüber bauen die Betrachter eine emotionale Verbindung mit ihm auf.“ Die TAC möchte mit der Kampagne die Verletzlichkeit des Menschen im Verkehr betonen.

Eine der häufigsten Folgen bei Autounfällen mit hoher Geschwindigkeit sind Verletzungen des Halses, der Halswirbelsäule und Bänderzerrungen im Kopfbereich. Sie entstehen, wenn der Kopf bei einem Aufprall nach vorne und anschließend nach hinten schnalzt.

„Graham wurde nach natürlich vorkommenden Mechanismen im menschlichen Körper bei einem Unfall kreiert“, erklärte Christian Kenfield, Unfallchirurg am Royal Melbourne Krankenhaus, der ABC. Daher lag der Fokus auch auf der Stabilisierung des Kopfes.

Ein interaktiver Graham kann auch online in 360 Grad betrachtet werden, wo Nutzer*innen unter seine Haut schauen und genauere Infos bekommen können. Bis 8. August sitzt Graham zum Begutachten in der Staatsbücherei in Victoria, bevor er auf Tour durch ganz Australien geht.

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