So reagiert die Welt auf die Wahl in Deutschland

„Politischer Schock“, „Merkel geschwächt“, „Der stabile Anker wackelt“. Hier kommen Reaktionen der internationalen Presse und aus den sozialen Medien zur Bundestagswahl.

Proteste gegen die AfD in Frankfurt. © Andreas Arnold/dpa

Der Ausgang der Bundestagswahl beschäftigt auch im außerhalb Deutschlands viele Menschen. Vor allem der Einzug der AfD in den Bundestag besorgt einige. Wir haben Reaktionen aus internationaler Presse und den sozialen Medien zusammengetragen.

Wachsende Fragmentierung

Der englische Guardian schreibt etwa: „Der Aufstieg der AfD ist ohne Zweifel besorgniserregend. Und es ist ein Zeichen wachsender politischer Fragmentierung. Es bringt in Deutschlands föderale Politik ein Element von Gift und Polarisierung, das jedem, der einer liberalen Demokratie anhängt, nur zu denken geben muss.“

Reif im Vergleich zu den USA

Die Staatschef*innen schweigen

Zumindest auf Twitter haben sich bislang weder Donald Trump, Theresa May, Wladimir Putin oder Justin Trudeau zum Ausgang der Wahl gemeldet. Einzig Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich. „Ich habe Angela Merkel angerufen, um ihr zu gratulieren“, schrieb Macron. „Wir werden unsere Zusammenarbeit, die unentbehrlich für Europa und unsere Länder ist, entschlossen fortführen.“

Wird Deutschland weiterhin der Anker Europas sein?

Die liberal-konservative Corriere della Sera aus Italien macht sich Sorgen um die Stabilität Europas: „Instabil. So hat sich Deutschland, wider Erwarten, gestern Abend enthüllt. Das Land, das im vergangenen Krisenjahrzehnt der Anker war, der Europa vor dem Abdriften bewahrt hat, das Land, von dem man bis vor ein paar Tagen nicht glaubte, dass es Überraschungen bereithält, hat gewählt: und hat das traditionelle politische System auf den Kopf gestellt. Es ist ein Jahreszeitenwechsel in der Politik Deutschlands. Ein Ergebnis, das ein politisches Erdbeben in Deutschland ausgelöst hat, das keine Wellen der Gleichgültigkeit durch ganz Europa senden wird. Es ist ein ’normaleres‘ Deutschland, mit Problemen, die andere auch haben. Das ist ein Problem für alle. Der Anker ist weniger stark.“

Kein Problem

Die Moskauer Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta sieht wenig Grund zur Beunruhigung. Sie schreibt: „Die westlichen Partner Berlins, vor allem die USA, Israel und auch die arabischen Staaten sind offenkundig schockiert angesichts der Rhetorik und Losungen der AfD. Doch die Befürchtungen mancher Experten, dass sich die Partei weiter radikalisieren könnte, sind unbegründet: In Deutschland wird jeder aufkommende Extremismus und Nationalismus streng überwacht.“

Ein Problem

So gelassen wie die Moskauer Staatszeitung zeigen sich längst nicht alle:

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