Prepping: So bereitest du dich auf den Weltuntergang vor

Vorbereitung auf den Weltuntergang, das entspricht dem apokalyptischen Zeitgeist. Aber ist das wirklich sinnvoll? Und muss man dafür Unmengen an Geld ausgeben? 

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Das Ende der Ziviilisation © Pixabay / CC0

Tut Buße, denn das Ende ist nah!“ Den Spruch kenne ich aus Fußgängerzonen und von den komischen Leuten, die manchmal an der Tür klingeln und über Gott sprechen wollen. Meistens lache ich kurz und wende mich wieder meinem Tagwerk zu.

Aber was, wenn das Ende wirklich nah ist? Das nämlich glauben so genannten Prepper (von: „to be prepared“) – Menschen, die sich auf alles von Alien-Invasion und AKW-Unfall über Wirtschaftscrash und WW III bis zu Sonnenstürmen und Zombie-Apokalypsen vorbereiten.

Keine schlechte Chancen

Auf einer Job-Konferenz 2014 setzte ich mich in eine Session mit dem erfrischend unberuflichen Titel „Vorbereitung auf die Zombie-Apokalypse“. Ich befand mich keine zehn Minuten später in einer hochtheoretischen, ethisch äußerst dubiosen Diskussion darüber, ob man Menschenfleisch vor dem Essen kochen müsse und wie man es am Besten zerteile. Der Brechreiz und ich standen auf und gingen.

Zugegeben, das war extrem. Aber die ganze Prepping-Bewegung als Spinnerei abzutun, könnte voreilig sein. Zwar mag uns der Maya-Kalender Ende 2012 in Sachen Weltuntergang enttäuscht haben. Aber mit Trump, Extremismus in alle Richtungen, Klimakatastrophe usw. haben wir vielleicht doch gar keine allzu schlechten Chancen auf das Ende der Zivilisation.

Was hieße „das Ende der Zivilisation“ eigentlich?

Da gibt es unzählige verschiedene Szenarien. Aber wenn es zur Krise kommen sollte, fehlt vor allem das hier:

  • Strom. Es gibt kein Licht, keine Heizung, kein Internet, keine Informationen, keinen Transport, keine Kühlung. Nichts.
  • Gas. Es gibt keine Heizung, man kann nicht mehr kochen.
  • Treibstoff. Autofahren oder Dieselgeneratoren betreiben wird unmöglich, wenn die Reserven aufgebraucht sind.
  • Wasser. Keine Hygiene und vor allem kein Trinken.
  • Nahrung. (Super-)Märkte funktionieren nicht ohne Strom. Wohl dem, der einen eigenen Garten hat.

Und ohne all diese lebenswichtigen Dinge, an die wir uns sehr gewöhnt haben, kommt es irgendwann zu Panik, Plünderungen, Seuchen. Genau für diese Dinge sorgen Prepper vor, durch Vorräte, Ausrüstung und Strategien.

Es gibt diejenigen, die sich verbarrikadieren und die zivilisatorische Katastrophe Zuhause aussitzen und diejenigen, die sich lieber in abgelegene Gegenden zurückziehen, weil die zu erwartende Eskalation in Städten zu groß wird. Es gibt Prepper, die sich für einen vorübergehenden Versorgungsausfall von 14 Tagen vorbereiten und Leute, die sich für den dauerhaften Zusammenbruch des Finanzsystems rüsten. Davon abhängig ist dann die Art der Vorbereitung.

Immer wichtig jedoch ist die Deckung der menschlichen Grundbedürfnisse Essen, Trinken, Schlafen sowie Wärme und Schutz vor den Elementen.

Das Geschäft mit der Apokalypse

Prepping ist längst mehr als paranoides Nerdtum. Seit 2012 läuft im National Geographic Channel eine Serie zu dem Thema: „Doomsday Preppers„. Die erfreut sich derartiger Beliebtheit, dass es schon die dritte Staffel gibt. Selbstverständlich existieren auch unzählige Websites, Foren und Bücher zu dem Thema. Inzwischen ist rund um die Triebfeder Zukunftsangst und Katastrophenfurcht eine komplette Industrie entstanden. Man kann jedes erdenkliche Gadget – sogar vollkommen fertig gepackte Fluchtrucksäcke – für teuer Geld bestellen.

Mit Festival-Ausrüstung durch die Krise

Du musst jedoch kein waschechter Prepper inklusive Bunker werden, es muss auch nicht das fancy Militärmesser oder das kostspielige Konservenfutter sein – du kannst dich auch mit simplen Mitteln auf harte und ungewisse Krisenzeiten vorbereiten. Nützlich ist dabei unter anderem dein Festival-Zeug. Faustregel: Wer sich für Wacken oder Rock am Ring ausgerüstet hat, ist mit ein paar Upgrades auch für kürzere Katastrophen gewappnet.

[Außerdem bei ze.tt: So feierst du auf Festivals, ohne die Umwelt zu zerstören]

Wasser

Du benötigst laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe schätzungsweise 28 Liter für 14 Tage für eine Person.

Die zwei Faltkanister à 10 Liter vom letzten Festival und die Pfandflaschen, die du nie wegbringst im Katastrophenfall mit drei Minuten lang abgekochtem Leitungswasser füllen. Außerdem: Badewanne volllaufen lassen. Eventuell noch dazu kaufen: Wasserentkeimungstabletten.

Lebensmittel

Da die staatlichen Notvorräte nur für wenige Tage reichen, benötigst du eigene: Salzstangen, Knäckebrot, Zwieback, Rosinen bzw. Studentenfutter, Dosen-Obst, -Gemüse, -Thunfisch und -Ravioli, Fertigsuppen, Kartoffelpü aus der Packung, Nudeln.

Idealerweise legst du einen dynamischen Vorrat an. Das heißt: Du kaufst die Menge, die du im Notfall brauchst, benutzt davon im Alltag jeweils das Älteste und kaufst es dann nach. So ist immer die gleiche Menge da.

Wie viel genau du brauchst, kannst du auf der Seite des Landwirtschaftministeriums mit dem Vorratskalkulator berechnen.

[Außerdem auf ze.tt: Sieben Gerichte, die nur auf einem Festival schmecken]

Campingkocher

Wenn Strom und Gas ausfallen und du kalte Dosenravioli widerlich findest, kannst du deinen alten Campingkocher benutzen. Ersatz-Kartuschen sind eine gute Idee. Sonst geht auch ein Spiritusbrenner.

Feuer

Im Krisenfall zahlt es sich aus, dass du messiemäßig Werbe-Feuerzeuge und -Streichhölzer nie weggeworfen hast!

Strom

Hast du schon einen Solar-Akku?

Werkzeug

Statt der teuren Allround-Machete reichen ein stabiles, großes Küchenmesser, dein Taschenmesser mit Flaschenöffner und Korkenzieher, ein Hammer und eine Zange für die meisten kleineren Dinge.

Medikamente

Dein übliches Festival-Equipment ist für zwei Wochen ausreichend: was gegen Durchfall, Verstopfung, Schmerzen und Fieber, ein paar Pflaster und Wundsalbe. Der nie benutzte Verbandskasten aus deinem Auto bietet das Nötigste an Verbandsmaterial. Und Anti-Insekten-Spray und Sagrotan hast du bestimmt auch noch irgendwo stehen.

Kleidung

Solltest du dich nicht im Wald verstecken, sondern in einer Stadt leben, brauchst du keine Tarnkleidung. Warme Unterwäsche (in ausreichender Menge – denn ohne Strom keine Waschmaschine!) ist eine gute Investition, eine robuste Regenjacke und ein paar stabile Schuhe (keine Chucks!) auch. Und das gilt nicht nur für Krisen.

Schutzraum

Niemand braucht zwingend einen eigenen Bunker im Hinterhof. Entweder du richtest dich in deinem Keller ein. Oder du suchst dir eine öffentliche Zivilschutzanlage in deiner Nähe.

Geld

Statt Silberunzen oder Ähnlichem kannst du zum Beispiel auch einen Tauschvorrat an Alkohol, Zigaretten und Schokolade anlegen. Vorausgesetzt natürlich, du bist willensstark genug, ihn nicht direkt wieder aufzubrauchen.

Ausrüstung

Ansonsten: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Einmal-Waschlappen, Regenponcho, Kompass, stromunabhängige Taschenlampe mit Handkurbelbetrieb, Weltempfänger.

Zumindest einen Zeitraum von zwei Wochen solltest du so überstehen. Doch bei aller Vorbereitung darfst du das Wichtigste nicht vergessen: Keine. Panik.

Panik
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