So sah Europa mit Grenzkontrollen aus

© Jens Galane / dpa

Ein Foto von 1993: Warten vor dem Grenzübergang Pomellen in Mecklenburg-Vorpommern in Richtung Kolbaskowo in Polen. © Jens Galane / dpa

Wegen der Flüchtlingskrise kontrollieren einige EU-Staaten seit ein paar Monaten wieder ihre Grenzen. Das weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten, als Reisefreiheit in Europa noch keine Selbstverständlichkeit war.

Dank des Schengener Abkommens ist es EU-Bürgern möglich, sich zwischen den meisten Ländern Europas ohne Ausweiskontrollen frei zu bewegen. Am 14. Juni 1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten das Abkommen. Allerdings dauerte es noch weitere zehn Jahre bis das Abkommen in Kraft trat.

Heute zählen 26 Länder zum Schengen-Raum, auch die Nicht-EU-Mitglieder Norwegen, Island, Schweiz und Liechtenstein. Grenzhäuschen dienen seit ein paar Jahren eher als Fotomotiv.

Erst vor rund acht Jahren wurden die Kontrollen an den Grenzen zu Polen und Tschechien eingestellt:

Hunderte Menschen feiern am 21.12.2007 um kurz nach Mitternacht auf dem Grenzübergang in Frankfurt (Oder) den Wegfall der Grenzkontrollen. © Patrick Pleul dpa/lbn
Hunderte Menschen feiern am 21.12.2007 um kurz nach Mitternacht auf dem Grenzübergang in Frankfurt (Oder) den Wegfall der Grenzkontrollen. © Patrick Pleul dpa/lbn
Der Präsident des Europäischen Rates Tusk, damals noch polnischer Ministerpräsident, und Angela Merkel beklatschen am 21. Dezember 2007 in Zittau die Grenzöffnung zu Polen. © Peer Grimm dpa/lsn
Der Präsident des Europäischen Rates Tusk, damals noch polnischer Ministerpräsident, und Angela Merkel beklatschen am 21. Dezember 2007 in Zittau die Grenzöffnung zu Polen. © Peer Grimm dpa/lsn

So sah es an europäischen Grenzen aus, als es noch Kontrollen gab

Bevor das Schengener Abkommen umgesetzt wurde, war Stau an den Grenzen keine Seltenheit. Autofahrer und LKW-Fahrer mussten oft stundenlang warten, um die Grenze zu überqueren.

Wartezeit vor dem Grenzübergang Pomellen in Mecklenburg-Vorpommern in Richtung Kolbaskowo in Polen. © Jens Galane dpa
Ein Foto von 1993: Warten vor dem Grenzübergang Pomellen in Mecklenburg-Vorpommern in Richtung Kolbaskowo in Polen. © Jens Galane dpa
Dezember 1999: Warten vor dem deutsch-polnischen Grenzübergang Küstrin in Richtung Polen (Kostrzyn). © picture alliance
Dezember 1999: Warten vor dem deutsch-polnischen Grenzübergang Küstrin in Richtung Polen (Kostrzyn). © picture alliance
Auf der A12 vor dem deutsch-polnischen Grenzübergang müssen LKW-Fahrer im Dezember 1994 mit Wartezeiten von fast 40 Stunden rechnen. © Klaus Franke dpa
Auf der A12 vor dem deutsch-polnischen Grenzübergang müssen LKW-Fahrer im Dezember 1994 mit Wartezeiten von fast 40 Stunden rechnen. © Klaus Franke dpa
Im November 1993 protestieren am deutsch-polnischen Grenzübergang Frankfurt/Oder-Schwetig (Swiecko) LKW-Fahrer gegen die langen Wartezeiten auf der A12. © Klaus Franke dpa
April 1996: Der deutsch-tschechische Grenzübergang im ostsächsischen Zinnwald. © Matthias Hiekel / dpa

Kontrollen gab es eigentlich nur im Ausnahmefall

Seit Schengen wurde nur in Ausnahmefällen kontrolliert. Dazu zählten zum Beispiel Fussballspiele oder der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm.

Auf der A12 vor dem deutsch-polnischen Grenzübergang müssen LKW-Fahrer im Dezember 1994 mit Wartezeiten von fast 40 Stunden rechnen. © Klaus Franke dpa
Beamte des Bundesgrenzschutz kontrollieren am 20. November 2002 am Grenzübergang Straelen-Autobahn niederländische Fußballfans. Wegen des Länderspiels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden Kontrollen durchgeführt, um Hooligans zu stoppen. © picture alliance
Ein Polizist winkt am 01. Juni 2007 am österreichisch-deutschen Autobahn-Grenzübergang Kiefersfelden PKW von der Straße. Fünf Tage vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm kontrolliert die bayerische Polizei an den deutschen Schengen-Grenzen vorübergehend wieder, um sogenannte gewaltbereite Demonstranten vor der Einreise abzufangen. © Peter Kneffel dpa/lby
Ein Polizist winkt am 01. Juni 2007 am österreichisch-deutschen Autobahn-Grenzübergang Kiefersfelden PKW von der Straße. Fünf Tage vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm kontrolliert die bayerische Polizei an den deutschen Schengen-Grenzen vorübergehend wieder, um sogenannte gewaltbereite Demonstranten vor der Einreise abzufangen. © Peter Kneffel dpa/lby

Wo wird jetzt wieder kontrolliert?

Seit vergangenem Sommer haben mehrere europäische Länder wieder Grenzkontrollen eingeführt:

  • Deutschland hat am 13. September 2015 als erstes Schengen-Land wieder Grenzkontrollen eingeführt, die bereits vier Monate andauern.
  • Österreich hat eine Obergrenze von 37.500 Flüchtlingen für 2016 festgelegt und kontrolliert stichprobenartig an der Grenze zu Ungarn, Italien und Slowenien.
  • Ungarn hat Mitte Oktober seinen Zaun an der Grenze zu Kroatien und Serbien fertiggestellt, seither führt die Flüchtlingsroute durch das Nachbarland Slowenien.
  • Slowenien hat im November einen Stacheldraht-Zaun an der Grenze zu Kroatien installiert und gehört zu den Ländern, die nur noch Flüchtlinge einreisen lassen, die nach Deutschland oder Österreich weiterreisen wollen.
  • Auch Kroatien, Serbien und Mazedonien lassen nur noch Flüchtlinge mit den Zielen Deutschland oder Österreich passieren.
  • Schweden führt seit Januar dieses Jahres wieder Passkontrollen durch. Darauf folgte prompt…
  • …eine Reaktion Dänemarks, das seine Grenze zu Deutschland seither wieder kontrolliert.
  • Frankreich hat nach dem Terrorattentat von Paris im November wieder Kontrollen an den Grenzen zu Belgien und Italien eingeführt.
  • Auch Malta hatte seine Grenzen im letzten Jahr wieder kontrolliert.
  • Norwegen kontrolliert insbesondere seine Grenze zu Russland, da über die sogenannte Nordpolarroute viele Flüchtlinge ins Land gekommen sind.

Die nationalen Kontrollen im Schengen-Raum dürfen nach Angaben der EU-Kommission nur maximal acht Monate andauern.

In Neuhaus am Inn an der deutsch-österreichischen Grenze wird im September 2015 wieder stichprobenartig kontrolliert. © Sean Gallup/Getty Images
In Neuhaus am Inn an der deutsch-österreichischen Grenze wird seit September 2015 wieder stichprobenartig kontrolliert. © Sean Gallup/Getty Images
Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze. © Sean Gallup/Getty Images
Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze. © Sean Gallup/Getty Images

EU-Kommissionspräsident Junker warnt davor, dass die Grenzkontrollen weitreichende Folgen für Europa haben könnten: „Wer Schengen killt, wird den Binnenmarkt zu Grabe tragen“. Die europäische Wirtschaft würde langfristig geschädigt, da die Kontrollen mehr Wartezeiten im Güterverkehr bedeuten, was wiederum zu höheren Kosten führt.