Gedichte ohne Wörter sehen wie eine Geheimsprache aus

In der Schule waren die Gedichte von Goethe, Schiller und Fontane furchtbare Textungetüme, die wir regelrecht in unser Gehirn hineinprügeln mussten. Inspiriert durch einen Artikel von Adam J. Calhoun haben wir sie in eine angenehmere Form, beinahe in eine Geheimsprache, übersetzt.

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Ein Gedicht ohne Wörter sieht aus wie eine Geheimsprache. ze.tt

Wer musste in der Schule auch „Herr von Ribbeck“ und den „Erlkönig“ auswendig lernen? Einmal kollektives In-den-Arm-Nehmen: Leicht war das nicht, die Texte haben einen beim Auswendiglernen erschlagen. Viel hübscher und klarer wirken die Gedichte, wenn man einfach die Wörter weglässt.

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Mit einem Mal sieht das Gedicht „Herr von Ribbeck“ wie ein Morsecode aus:
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Die Idee, den Text auf diese Weise zu dekonstruieren, stammt von
Adam J Calhoun, einem Neuroforscher aus den USA. Inspiriert durch eine Posterreihe hat er seine Lieblingsbücher der Wörter beraubt und die Satzzeichen analysiert.

Eines der überraschenden Ergebnisse: Der umständlich verschränkte Roman „Ulysses“ von James Joyce hat weniger Wörter pro Satz als zum Beispiel „Alice im Wunderland“. Durch die Darstellungsweise von Calhoun wirkt auch Goethes „Erlönig“ und selbst Schillers „Lied von der Glocke“ gleich weniger gewaltig.

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Wer selbst Texte auf diese Weise zerlegen möchte, kann auf ein Tool zurückgreifen, das Calhoun zur freien Verfügung in das Entwickler-Netzwerk Github gestellt hat.