So sieht London durch die Augen von Obdachlosen aus

Wie sieht eine Stadt aus der Perspektive von denen aus, die auf der Straße leben? 105 obdachlose Menschen haben in London eine Kamera in die Hand bekommen und zeigen die Großstadt aus ihren Augen.

3.600 Menschen leben in London dauerhaft auf der Straße, so die britische Regierung. Gemeinnützige Organisationen sagen: Über 8.000 Menschen sollen für mehr als eine Nacht im letzten Jahr auf der Straße geschlafen haben. Zusätzlich gebe es tausende, die als „versteckte Obdachlose“ eingestuft werden. Die in Bussen oder bei Freunden auf der Couch schlafen.

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105 Obdachlose haben im Sommer eine Wegwerfkamera bekommen. Sie sollten aufnehmen, was sie sehen, wo sie leben, wie sie die Stadt sehen. Ein Kurs half ihnen dabei, das Beste aus den Aufnahmen rauszuholen. 99 haben einen vollen Film zurückgebracht. Die besten Aufnahmen sind nun in einer Ausstellung der Gruppe Café Art zu sehen. Die Organisation stellt seit 2012 immer wieder Kunst von Obdachlosen in mehreren Cafés in London aus.

„Wir wollen Menschen stärken, indem wir ihnen eine Beschäftigung und Selbstbewusstsein zu geben“, sagt Paul Ryan von Café Art. „Indem Menschen ihre Geschichte erzählen, bekommen sie Selbstvertrauen. Die Gründe ihrer Obdachlosigkeit sind dabei genauso verschieden wie sie selbst.“ Auch wenn sie ohne Obdach seien, so sind sie doch nicht ohne Können. „Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, können Fähigkeiten haben, die ihnen helfen können, ihr Leben zu verändern.“

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Jedes Jahr werden die besten Aufnahmen von einer Jury und dem Publikum ausgewählt und zu einem Kalender zusammengestellt. Eine Crowdfunding-Kampagne sammelt Geld für den Druck. Die Künstler*innen können den Kalender selbst verkaufen, um Arbeitserfahrung und ein kleines Einkommen zu bekommen.

Solche Kalender gibt es mittlerweile auch in Sydney, Budapest and New Orleans. In Deutschland gibt es ähnliche Projekte – wie diese Aktion der Berliner Zeitung oder das multimediale Fotoprojekt „Unsichtbar“ der Berliner Morgenpost.