So krass verändern sich unsere Gesichter im Laufe des Tages

Auch unser Körper braucht morgens Zeit, um aufzuwachen. Eine Fotografin hat diesen Prozess dokumentiert, indem sie Menschen um 7 und um 19 Uhr fotografierte.

Worauf haben die meisten wohl am wenigsten Lust, nachdem sie der Wecker aus den Träumen gerissen hat? Wenn der Schlaf noch in den Augen steht, das Gesicht verquollen ist und das Gehirn noch nicht richtig denken kann? Auf ein Porträt.

Genau diese Gemeinheit hat sich die belgische Fotografin Barbara Iweins zum Projekt gemacht.

Ihr Ziel war es nicht, sich über den inneren Morgen-Zombie lustig zu machen. Laut Iweins seien Menschen im Social-Media-Zeitalter mittlerweile Profis im Posen vor der Kamera. Durch die ständige Selfie-Macherei hätten wir heute ein genaues Selbstbild von unserem eigenen Körper.

Davon wollte Iweins weg und zurück zur rohen Unschuld. Weg vom kontrollierten Foto, hin zur Verletzlichkeit. Um das einzufangen, wählte sie zwei bestimmte Zeitpunkte für ein Foto. Einmal sieben Uhr früh, einmal sieben Uhr abends.

Iweins meint, ein Mensch würde seine Verletzlichkeit am ehesten zeigen, unmittelbar nachdem der Wecker klingelt hat. Dieser Zeitpunkt sei der einzige, in der er völlig schutzlos ist. „Ich liebe den Moment, wenn sich unser Bewusstsein aus der Irrealität der Traumwelt zurück in die Wirklichkeit kämpft“, sagt die Fotografin. „Der Moment, bevor uns die Welt wieder weh tut.“

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Dafür schliefen die meisten Models im Gästezimmer der Fotografin. Iweins fragte sie, um welche Uhrzeit sie normalerweise aufstehen, und weckte sie am nächsten Morgen eine halbe Stunde davor. Die schläfrigen Menschen sollten sich anschließend vor eine schwarze Fotowand schleppen und geradeaus ins Leere starren. Sprechen war verboten. Fünf Minuten später war das Foto bereits geschossen. Mehr Zeit war auch nicht. Denn nach fünf Minuten würde der ungehemmte Schimmer aus den Augen schon wieder verschwunden sein. Iweins meinte, sie könne von Sekunde zu Sekunde sehen, wie der Mensch langsam seinen Körper wieder unter seine Kontrolle bringt.

Wenn die Models nicht im Gästezimmer übernachten wollten, kam Iweins in aller Herrgottsfrühe zu ihnen nach Hause. Den Schlüssel ließ sie sich irgendwo hinterlegen oder am Tag davor überreichen. Damit öffnete sie leise die Wohnungstüre, schlich ins Schlafzimmer und weckte die Person behutsam auf.

Sie nannte das Projekt 7am-7pm. Es ist Teil ihrer fünfjährigen Serie „Au Coin De Ma Rue (The Duality of Indifference)“, in der sie die ständigen Veränderungen des modernen Menschen darstellt.