So vermeidet ihr den Blues nach dem Urlaub

Der Urlaub ist zu Ende und irgendwie kommt der Stress schneller zurück als gedacht. Mit diesen Tipps könnt ihr den Erholungseffekt verlängern.

© simonthon.com / Photocase.de

Nach dem Urlaub gleich wieder gestresst? Dagegen helfen diese Tipps. © simonthon.com / Photocase.de

Landeanflug, die Lichter der Stadt kommen näher, sind ziemlich schön, lassen einen denken: Vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm, wieder hier zu sein.

Dann die ersten Tropfen auf der Scheibe. Sie werden mehr, lassen erahnen, was die Durchsage des Piloten schließlich bestätigt: 17 Grad und Nieselregen. Der Sommerurlaub ist vorbei, jetzt ist wieder Deutschland angesagt.

So oder ähnlich wird es manchem in den vergangenen Wochen gegangen sein. Aktuell beschert uns die „Sahara-Hitze“ zwar doch noch so etwas, wie ein nennenswertes Sommerwetter, doch die Wochen davor waren mitunter bleiern.

Und überhaupt, es ist ja nicht nur das Wetter. Urlaubsende, das heißt ja auch: Wieder arbeiten, wieder Alltag. Früher aufstehen, Tage und Wochen durchplanen, Familie, Freunde und Beziehung koordinieren. Urlaubsende heißt Kantinen-Bockwurst statt Wassermelonen-Gazpacho.

Und schon hat er uns, der Post-Urlaub-Blues. Wie um alles in der Welt hat man dieses Leben vor dem Urlaub geführt? Warum ist nicht immer einfach … Urlaub?

Ja, die ersten Tage zurück in der Heimat können beschwerlich sein, gelinde gesagt. Doch es gibt Möglichkeiten, den Übergang etwas geschmeidiger zu gestalten. Hier sind sechs Tipps …

1. Unbedingt zwei bis drei Tage Puffer haben zwischen Urlaubsende und Arbeitsbeginn – Minimum!

Was auch immer die sonstigen logistischen Restriktionen sind — wenn irgend möglich, solltet ihr ein paar Tage Akklimatisationszeit einplanen, bevor ihr wieder anfangt zu arbeiten. Zum Einen, um die Organisation des Alltags in aller Ruhe anlaufen zu lassen, zum Anderen, damit die Erinnerungen aus dem Urlaub nachschwingen können. Die „Nachfreude“ kann genau so schön sein, wie die Vorfreude.

2. Ein alltagstaugliches Mitbringsel aus dem Urlaub mitnehmen.

Jaja, es muss vielleicht nicht das „I heart NY“-T-Shirt oder der penisförmige Bieröffner von Bali sein, aber entscheidend ist hierbei nicht so sehr, möglichst jedes Touri-Klischee zu vermeiden, sondern etwas zu finden, das man gerne ab und zu im Alltag verwendet.

Beispiel: Der Autor dieser Zeilen hat sich nicht entblödet, in einem (schönen) Touri-Shop in Lissabon kleine Becher mit stadttypischen Fliesenmustern zu kaufen, über die er sich jedes Mal ein bisschen freut, wenn er Portwein daraus trinkt. So einfach.

3. Apropos Portwein: Unbedingt ess- und trinkbares mitbringen aus dem Urlaub.

Eine Flasche Wein aus der Urlaubsregion ist der Klassiker, aber es gibt unzählige Möglichkeiten, den Urlaub in der Heimat noch etwas zu „verlängern“. Der überraschend leckere Wodka, eine Packung ganz originär sizilianischer Pasta, das Mini-Käserad von diesem bezaubernden Wochenmarkt … unser Geschmacks- und Geruchssinn ist prädestiniert dafür, Erinnerungen in Sekundenbruchteilen wachzurufen.

Warum nicht einen spanischen oder vietnamesischen Abend planen, entsprechend kochen, Freunde oder Urlaubsbegleitung einladen und das Mitbringsel kredenzen? Klingt fast ein bisschen kitschig, geht aber auch mit relativ wenig Aufwand und schafft vom Alltag eine schöne Brücke zurück in den Urlaub. Etwas Eskapismus darf sein, muss sein.

4. Ganz altmodisch Fotos sortieren.

Es gab einmal eine Zeit, ihr werdet sie vielleicht noch erlebt haben, in der man nach dem Urlaub die Filme zum Fotoladen brachte, eine Woche lang bangte, ob gute Aufnahmen dabei sein würden und sich dann über jeden schönen Abzug freute. Mit dem Sortieren und Einkleben in Fotoalben ließen sich Abende verbringen.

Man muss den Verlust dieser analogen Praxis nicht beklagen, um festzustellen, dass der Prozess des Sortierens und Anordnens für sich schon einen wichtigen Zweck erfüllt. Je mehr wir uns mit etwas beschäftigen, desto tiefer werden die Erinnerungsspuren im Gehirn und desto mehr freuen wir uns Jahre später darüber, wenn wir daran zurückdenken.

Das Ganze lässt sich natürlich auch am Computer veranstalten. Heutzutage ist es meist eine wahre Bilderflut, die da zu bewältigen ist — was uns nicht abhalten sollte! Ein Anlass, sich mit den Fotos zu beschäftigen, findet sich leicht: Besagter spanischer Abend, bei dem man den Gästen ein paar wohlausgewählte Impressionen zeigt, ein Geburtstag der Eltern oder Großeltern, die sich immer über schöne Fotos freuen oder nicht zuletzt das gute alte Facebook-Fotoalbum, das gut kuratiert bestimmt auch mehr Likes bekommt.

5. Den nächsten Urlaub planen!

Der Gedanke an sechs Monate deutschen Herbst und Winter lässt sich deutlich besser ertragen, wenn die nächste Reise schon in Sicht ist. Dafür tut es auch ein Kurzurlaub in Deutschland, ein langes Wochenende vielleicht.

Airbnb und Co. sind hier eure Freunde. Einfach mal mit Ruhe ein bisschen stöbern und inspirieren lassen, es finden sich zahlreiche attraktive Destinationen an oft unvermuteten Orten.

6. Jetzt lehnen wir uns weit aus dem Fenster: Das Alltagsleben besser gut gestalten.

Die ersten fünf Tipps waren ja vor allem darauf ausgelegt, das gute Urlaubsgefühl noch etwas länger auszukosten und zu konservieren, beziehungsweise den nun wieder dräuenden Alltag etwas erträglicher zu machen.

Naheliegend ist natürlich auch noch etwas anderes: Man sollte das Leben — und das besteht eben auch viel aus Alltag — idealerweise so gestalten, dass der Kontrast zum Urlaub gar nicht so hart ausfällt.

Dieses Thema, die Gestaltung des gelungenen Lebens, ist ja nun ein sehr tiefes Fass, in das wir nur kurz reinriechen wollten, es soll ein andermal geöffnet werden. Der Autor ist nämlich, wenn er ehrlich sein soll, nicht unfroh, am Ende des Artikels angekommen zu sein — er schielt schon etwas sehnsüchtig auf den noch leeren Portweinbecher mit dem Fliesenmuster.

Von Philipp Nagels auf Business Insider.


Das könnte euch auch interessieren: