So werden Frauen mit Kopftuch in Deutschland beschimpft

Amina ist Studentin. In Deutschland geboren. Und Muslimin. In einem emotionalen Facebook-Posting beschreibt sie, wie sie die wachsende Diskriminierung erlebt.

Diskriminierung wegen Kopftuch

Mädchen und Frauen, die Kopftuch tragen, werden in Deutschland immer schlimmer belästigt. © dpa

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich mich in Deutschland fürchte. Jeden zweiten Tag erlebe ich nun islamfeindliche Bemerkungen gegen mich und andere Frauen mit Hijab. Mitten auf der Straße. Mir zischen Leute einfach absolut menschenfeindliche Dinge ins Ohr. Im Vorbeigehen.

„Ihr gehört hier nicht her!“

Neulich laufe ich nach dem Lernen in der Bibliothek von der Haltestelle nach Hause. Mir kommt ein Herr entgegen, er sieht völlig normal aus, wie ein friedfertiger Familienvater. Und im Vorbeigehen zischt er mir ein „Schon wieder so ein Schei*-Kopftuch“ von der Seite zu.

Ich drehe mich um und rufe ihm zu, dass er stehen bleiben soll. Er geht weiter. Ich laufe ihm hinterher und sage, er solle das noch mal sagen, aber diesmal direkt in mein Gesicht. Er macht eine abfällige Geste. Ich sage ihm, er solle mir sagen, was denn bitte sein Problem sei, dass er Menschen einfach solche Dinge zuzischt. Er will weitergehen. Ich laufe ihm hinterher und frage noch mal, was denn sein Problem sei.

Da wird er wütend, er ruft: „Es gibt zu viele von euch!“

„Zu viele von was?!“, will ich wissen.

Er zeigt abfällig mit der Hand auf mein Hijab. „Ihr kommt hierher in Scharen, wollt euch nicht integrieren und macht nichts als Ärger. Ihr gehört hier nicht her.“

Er redet sich sichtlich in Rage, die Leute laufen einfach an uns vorbei. Ich sage ihm, dass ich hier geboren wurde, hier aufgewachsen bin, perfekt deutsch spreche und Abschlüsse gemacht habe. Ich bin „integriert“.

Er sagt nur wieder: „Ihr gehört hier nicht her, geht dahin, wo ihr hergekommen seid.“

Er hat mir nicht zugehört, offensichtlich. Danach ruft er noch „Aber ich wähle jetzt schon die richtige Partei, euch werden wir es zeigen!“

Dann geht er einfach weg.

[Außerdem bei ze.tt: Iranische Männer tragen Kopftuch – aus Solidarität]

Alle anderen hören und schauen weg

Ich weiß nicht, was mir mehr Angst macht: seine menschenfeindliche Haltung – oder dass er für diese Haltung auch noch eine politische Legitimation bekommt.

In diesen Momenten bin ich zuerst sauer, dann traurig, dann überkommt mich die Furcht.

Ich fürchte mich bei den Wahlergebnissen der letzten Monate.

Ich fürchte mich, weil in München am helllichten Tage zwei muslimische Frauen von einem Mann geschlagen werden, weil ihm ihr Kopftuch nicht passt.

[Außerdem bei ze.tt: Frauen mit Kopftuch müssen sich viermal sooft bewerben]

Und ich fürchte mich wegen der fehlenden Solidarität unserer Mitbürger*innen. Unsere Mitbürger*innen, die diese Vorkommnisse mitbekommen, aber einfach weiterlaufen, es einfach ignorieren, wenn man mitten auf der Straße angebrüllt und sogar geschlagen wird.

Ich fürchte mich, im Dunkeln alleine unterwegs zu sein.

Was ist hier los?