So würden alte Gemälde aussehen, wenn die Menschen darauf lachten

Historische Bilder zeigen fast nie lachende Menschen. Wir haben die Leute darauf dazu gebracht – und Experten gefragt, warum Freude auf Kunstwerken kaum Platz hatte.

Selbst Kinder hatten nichts zu lachen auf Bildern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Bild Knabe in Rot des Künstlers Arthur Kampf zeigt seinen dreijährigen Sohn. Sein Blick starr, der Mund geschlossen. Der Gesichtsausdruck steht stellvertretend für Bilder aus dieser Zeit. Gelacht wird nicht, gelächelt sehr selten.

Wir wollten herausfinden, was es mit den Gesichtern macht, wenn wir ihnen nachträglich ein Lachen verpassen. Dafür haben wir einige Kunstwerke aus der Alten Nationalgalerie in Berlin fotografiert und mit der Face-App bearbeitet. Die Idee dazu stammt ursprünglich von Olly Gibbs, einem Designer aus London, über den unter anderem The Poke berichtet hat.

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Doch warum lacht so selten jemand auf historischen Bildern? Wir haben einige Experten befragt. Einer von ihnen ist Andreas Beyer, Professor für Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Basel. „Kunst ist eine ernste Sache“, sagt er.

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Er hat eine Erklärung für den Ernst auf den Bildern – und die hat mit einem ziemlich bekannten Phänomen zu tun. Wer seinen Gesichtsausdruck auf dem Personalausweis ansieht, wird erkennen, was Beyer meint. Auf Porträtfotos ist Lächeln sogar verboten. „Lachen verzerrt das Gesicht“, sagt Beyer. Auf Gemälden wie auch in Pässen gehe es aber um Wiedererkennbarkeit. Die Bilder der Künstler*innen waren auf Dauer angelegt, sie sollten keine Deformationen zeigen.

Der Kulturwissenschaftler und Lachforscher Rainer Stollmann stützt diese These. Lachen sei ein krampfhafter Prozess, der sich schlecht malen lasse und auf Bildern nicht schön aussehe, ebenso wie singende Menschen mit offenen Mund.

Eine weitere Begründung für die vielen ernsthaften Menschen auf den Bildern damaliger Zeit: „Wenn es sich um erhabene Kunst handelt, also Porträts von Staatsmännern, reichen Kaufleuten, dann wird gern Unnahbarkeit gemalt – Lächeln aber ist Nähe, Offenheit“, sagt Stollmann. Erst die Massenwarengesellschaft würde permanent lächeln, aus Verkaufsgründen.

Der Dandy lacht nicht und lächelt nicht – Charles Baudelaire, 1821-1867

Wie sie lacht

Doch auch damals gab es Lachen in der Kunst. Es war jedoch nicht Zeichen der Freude, sondern ernsthafter Probleme. „Wenn mal gelacht wurde, dann war es eine Warnung“, sagt Kunsthistoriker Beyer und nennt etwa das Bild Malle Babbe des niederländischen Künstlers Frans Hals aus dem 17. Jahrhundert. Darauf abgebildet ist die sogenannte verrückte Barbara mit einem Bierkrug. Sie lacht. „In der holländischen Bildtradition ist Lachen oft gleichzusetzen mit Trunksucht“, sagt er.

Das Lachen in der Kunst – offenbar ein sehr ernstes Thema.

Frans Hals, Malle Babbe Foto: gemeinfrei