Solltet ihr heiraten? Vier Gründe dafür – und vier dagegen

Was spricht dafür, den Bund der Ehe zu schließen? Und was dagegen? 

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Einer Tradition zufolge muss als nächstes heiraten, wer den Strauß fängt. Doch was spricht eigentlich für eine Hochzeit? © photocase.com/3format

Zirka 17,6 Millionen getraute Paare gibt es in Deutschland insgesamt. Allein im letzten Jahr wurden 400.000 neue Ehen geschlossen. Der Bund fürs Leben scheint also immer noch beliebt zu sein. Zwar heiraten wir später, aber insgesamt nicht weniger. Statistiken zeigen auch: Die Deutschen ließen sich in den letzten Jahren immer seltener scheiden. Durchschnittlich geht zwar immer noch jede dritte Ehe in die Brüche. Aber insgesamt dauern die Ehen länger an, wenn sie später eingegangen sind.

Bei all diesen Unberechenbarkeiten: Warum überhaupt heiraten? Wir haben ein paar Argumente für und gegen den Bund fürs Leben gesammelt.

Gründe für die Ehe

Die Liebe

Zwei Menschen, die sich entscheiden, den Rest des Lebens miteinander verbringen zu wollen, sind verdammt mutig. Sie gehen ein Risiko ein: Sie geben einem anderen Menschen ein Versprechen für die so unvorhersehbare Zukunft. Das ist eine Entscheidung. Für eine einzige Person und gegen ganz viele andere. Das ist Glaube. Das ist Liebe.

Ringe und der geteilte Nachname sind dabei nur die äußeren Zugehörigkeiten. Im Inneren beruhigt das Versprechen der gegenseitigen Liebe, Treue und Fürsorge füreinander. Wer sich vor Gott/ dem Staat / der Hochzeitsgesellschaft zueinander bekennt, trennt sich nicht einfach so. Sondern sucht nach Lösungen. Im Krankheitsfall sorgen Ehepaare auch füreinander, was durch die Patientenverfügung erleichtert wird.

Die Party

Klar, es gibt genug Gründe eine Party zu schmeißen. Aber Hochzeit ist der geilste. Ein Fest, das Liebe feiert – was kann es schöneres geben? Egal ob am Strand, im Vereinshaus oder im Restaurant, die Hochzeitsparty bringt die Zukünftigen, die Familie, Freunde, Kolleg*innen und Nachbar*innen zusammen. Endlich darf man, als Braut oder Bräutigam, alles selbst bestimmen: welche Drinks serviert werden, welches Dessert auf den Tisch kommt und welchen Hit der DJ zuerst auf den Dancefloor schmeißt.

Das Geld

Nicht zu unterschätzen sind die steuerlichen Vorteile und die finanzielle Absicherung, die eine Ehe mit sich bringt. „Ehegattensplitting“ heißt das Zauberwort: Die Gehälter beide Eheleute werden zusammen genommen, halbiert und darauf die Einkommenssteuer berechnet. Das wieder mal zwei und heraus kommt der Betrag, den das Paar zahlen muss. Diese Rechnung lohnt sich vor allem für Paare, die sehr unterschiedlich verdienen. Diesen Vorteil können Unverheiratete oder Paare, die gleich viel verdienen, nicht genießen. Auch die Steuerklasse ändert sich und ermöglicht höhere Nettoeinkommen und damit – im Fall – auch höheres Elterngeld.

Geld gibt es auch, wenn der Tod die Ehe vorzeitig scheidet. Den der oder die Hinterbliebene bekommt dann Witwen- oder Witwerrente. Auch der Anspruch auf ein Erbe ist durch den Bund rechtlich festgelegt. In einer Lebensgemeinschaft kann nur geerbt werden, wenn ein Testament vorliegt.

Die Gesellschaft

Gesellschaft sieht verheiratete Paare gern. Ihre Beziehungen werden meist als ernster wahrgenommen. Auch der Staat belohnt die Ehe: Verheiratete Eltern bekommen automatisch das Sorgerecht für gemeinsame Kinder. Bei Unverheirateten müssen Anträge über Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht ausgefüllt werden.

Gründe gegen die Ehe

Die Liebe

Kann nicht, wer sich liebt, einfach so glücklich zusammen leben? Reicht Liebe nicht auch ohne ein Ehegelübde? Nicht nur, dass viele von uns Kirchen eh nie von innen sehen. Wegen eines Ja-Worts vor den Traualtar zu schlendern, scheint da doch eine fadenscheinige Handlung. Eine Beziehung kann auch wunderbar ohne Trauschein und Ehevertrag funktionieren. Ein vor Gott und der Familie abgegebenes Bekenntnis ist noch lange kein Garant für die Qualität und die Dauer einer Beziehung. Diese sollte sowieso auf Nähe, gegenseitigem Interesse, Vertrauen und Treue basieren.

Die Party

Der schönste Tag deines Lebens? Für die meisten ist der Hochzeitstag wohl eher der stressigste. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hochzeitsparty im seelischen Delirium endet, ist hoch. Der Drang nach Perfektionismus, kombiniert mit unberechenbaren Missgeschicken, treibt viele Paare schon im Vorfeld in der Streit. Wie erklärt sich sonst der Boom von Weddingplannern?

Das Geld

Klar, als Ehepaar spart man im besten Fall Steuergeld, doch erst einmal muss investiert werden: Je nach Ansprüchen und vorhandenen Ressourcen kann die Hochzeitsfeier schonmal bis zu 6.000 bis 10.000 Euro kosten. Im Durchschnitt, nach oben ist keine Grenze gesetzt. Es geht natürlich auch kleiner, aber allein die Papiere fürs Standesamt kosten mehrere hundert Euro. Im Fall einer Scheidung kommt es noch dicker: die kostet mindestens genauso so viel wie eine durchschnittliche Party selbst.

Die Gesellschaft

Der gesellschaftliche Druck hin zur Ehe ist heute nicht mehr so groß. Das Leben als Single oder Alleinerziehende*r ist akzeptiert und von manchen Menschen sogar aus freien Stücken gewählt. Kein Mensch muss mehr in einer Ehe leben, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Auch die finanzielle Last hält sich in Grenzen, da Frauen meist selbst arbeiten und damit finanziell unabhängig sind.

Dass es bei der Ehe um Gleichberechtigung und Liebe geht, bezweifeln viele Feministinnen generell. Für sie ist die Institution Ehe überholt. Früher war sie vor allem Versorgungsvertrag für die Frau, die sich im Gegenzug um Küche und Kinder zu kümmern hatte. Manche Feministinnen gehen sogar so weit zu sagen, dass selbst die (moderne) Ehe männliche Privilegien aufrecht erhält.

Ehe für alle

Bei allem Für und Wider: Die Ehe bleibt für viele Menschen ein Ideal, nach dem sie streben. Egal ob aus finanziellen, rationalen oder emotionalen Gründen. Nicht alle Deutschen dürfen sich allerdings so frei entscheiden. Bislang können sich Homosexuelle in Deutschland zwar trauen lassen und bekommen damit die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte wie Hetero-Paare. Das, was seit 2001 umgangssprachlich als „Homo-Ehe“ bezeichnet wird, ist eine Mogelpackung.

Denn Paare in „eingetragenen Lebensgemeinschaften“ müssen mehr Steuern zahlen als in der Ehe. Sie haben außerdem nicht das volle Adoptionsrecht. In den USA, Frankreich, Irland, Argentinien und vielen anderen Ländern gibt es die gleichgeschlechtliche Ehe mit gleichen Rechten. Deutschland hinkt da noch hinterher.

Die Initiative „Ehe für Alle“ will das ändern und geht dafür am 4. Juni 2016 auf die Straße. Bei der Großkundgebung in Berlin wollen sie ein Zeichen gegen Homophobie und die Gleichberechtigung von gemischt- und gleichgeschlechtlichen Paaren setzen. Mit dem Hashtag #MeinJaHabtIhr oder #EheFürAlle könnt ihr die Aktion unterstützen – und damit anderen Paaren dem Traum der ewigen Liebe etwas näher bringen. Denn die Ehe sollte für alle Paare möglich sein, die es wollen. Unabhängig von ihrer sexueller Orientierung

© Justin Sullivan/Getty Images
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