Sorry, Deutschland, die schönsten Sportplätze gibt’s in Irland

Paul Carroll reiste sieben Jahre durch Irland, um einen Grundpfeiler des irischen Gesellschaftsverständnisses abzubilden: Die „Gaelic Games“. Herausgekommen sind Bilder aus einer anderen Welt.

Die Iren lieben ihr Land. Für seine wunderschöne Landschaft, für seine Pubs und seinen einzigartigen Spirit. Paul Carroll, selbst Ire, der nahe der Stadt Cork im Süden des Landes lebt, begriff vor einigen Jahren, dass es da aber noch etwas gibt, dass viel über den Gemeinschaftssinn seiner Landsleute aussagt: Der Sport.

„2009 fuhr ich über 2800 Kilometer mit dem Fahrrad durch Irland, um Geld für Selbstmord- und Depressionshilfe zu sammeln“, sagt Paul zu ze.tt. Er habe das Land so erstmals auf eine ganz andere Weise gesehen.

„In den Monaten nach der Radtour hatte ich kein Ziel im Leben. Ich lebte für das Wochenende. Bis ich über ‚European Fields‘ von Hans van der Meer stolperte.“ Van der Meer ist über zehn Jahre durch Europa gereist und fotografierte Fußballplätze, um die beinahe flächendeckende Faszination für den Sport festzuhalten.

Das inspirierte Paul: „Ich habe erkannt, dass ein wichtiger Pfeiler der irischen Gesellschaft noch nicht auf diese Art festgehalten wurde: Unsere nationalen Sportarten, unsere meist gespielten Sportarten, die ‚Gaelic Games‘.“ Vor sieben Jahren also kaufte er sich sein erstes Auto und machte sich für sein Projekt Gaelic Fields auf eine siebenjährige Reise durch sein Heimatland. Er fuhr von Cork aus über Dörfer, die nur einer Straße haben, bis zu den entlegensten Inseln mit nur 53 Einwohnern. Fast 50.000 Kilometer, quer durch alle 35 Grafschaften Irlands. Das Fotobuch „Gaelic Fields“, das er durch die Spendenplattform Kickstarter finanzieren konnte, ist gerade erschienen.

Sieben Jahre Hurling und Gaelic Football

Paul auf einem der "Gaelic Fields", die er fotografierte. © Paul Carroll
Paul auf einem der „Gaelic Fields“, die er fotografierte. © Paul Carroll

Er fotografierte dafür lokale Mannschaften, die etwa Hurling (oder Camogie, die Frauenvariante) spielten, eine der schnellsten Mannschaftssportarten der Welt. Man spielt sie hauptsächlich in Irland. Das Ziel ist es, den Ball mit Stöcken ins Tor zu treiben. Ein weiterer populärer Sport in Irland ist Gaelic Football, das man sich wie eine Mischung aus Rugby und Fußball vorstellen kann. Gaelic Football ist sehr verbreitet im Land. Paul selbst spielte wie viele andere ein paar Jahre in der Mannschaft seines Heimatorts nahe Limerick, als er ein kleiner Junge war.

Beim Fotografieren positionierte er sich so, dass möglichst viel von der malerischen Landschaft rund ums Spielfeld zu sehen ist. Die entstandenen Bilder sind schlicht atemberaubend. „Ich wollte ein Licht auf die kleinen Ortschaften werden, ihren Sport, ihre Teams und die Umgebung rundherum. Durch ihre ‚Gaelic Fields‘ setzen die Menschen unverkennbare Stempel ihrer Identität in die Landschaft.“

Es war kein einfacher Prozess, bis ein Bild so wurde, wie er es wollte, erzählt Paul. Die Spiele begannen häufig später als geplant oder wurden unerwartet abgebrochen. Als er das Projekt startete, steckte Irland gerade in einer schweren wirtschaftlichen Krise – darunter litten auch die lokalen Sportvereine. In seinen Fotos sieht Paul deshalb auch einen Beweis für die Kraft der irischen Gesellschaft, schwere Zeiten zu überstehen.