Film über Spätabtreibung: „24 Wochen“ rüttelt die Berlinale auf

„24 Wochen“ ist der einzige deutsche Beitrag der diesjährigen Berlinale. Und vielleicht der wichtigste: Er nimmt das bislang weitestgehend unbeachtete Thema Spätabtreibung in den Fokus. Ein Interview mit der Regisseurin.

Screenshot © 24 Wochen/ZDF

Bis die Wehen einsetzen, dürfen Schwangere Kinder mit Behinderungen abtreiben. Screenshot © 24 Wochen/ZDF

Die Regisseurin Anne Zohra Berrached widmet sich in ihrem Film „24 Wochen“ einem heiklen Thema: Über Spätabtreibung ist in Deutschland bisher zu wenig gesprochen worden. Davon konnte sie auch Julia Jentsch (bekannt als „Sophie Scholl“) und Bjarne Mädel („Tatortreiniger“) überzeugen, die die Hauptrollen spielen. Jentsch ist die Kabarettistin Astrid, die im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft erfährt, dass ihr Kind das Down-Syndrom hat – und einen schweren Herzfehler. Mädel spielt ihren Mann. Das Paar muss entscheiden, ob sie das Baby bekommen wollen.

Das Thema Spätabtreibung polarisiert

Viele Schwangere erfahren erst nach dem dritten Monat, dass ihr Kind behindert sein wird. 90 Prozent entscheiden sich für eine Abtreibung, hat Berrached recherchiert. Eine Frau, die sich nicht in der Lage fühlt, ein behindertes Kind zu bekommen, darf in Deutschland abtreiben, bis die Wehen einsetzen.

Für Berrached war es nicht einfach, Betroffene zu finden, die bereit waren, über ihre Abtreibung zu sprechen. Von Seiten der Ärzte und Hebammen gibt es aber den Wunsch, darüber auch in der Öffentlichkeit zu diskutieren, erzählte sie uns im Interview.

Anne Zohra Berrached © Leon Krenz

Im Film geht es nicht darum, ob Abtreibung richtig oder falsch ist. Vielmehr zeigt er die Verzweiflung und Ohnmacht der Protagonistin Astrid – und hält uns vor Augen, dass auch wir vor dieser schweren Entscheidung stehen könnten. Niemand kann Astrid wirklich auffangen: Ärzte, Hebammen, die Gesellschaft. Am Ende ist es sie allein, die eine Entscheidung treffen muss. Es ist eine Entscheidung, die über Leben und Sterben entscheidet.

Der Film ist ein Experiment. Die Regisseurin entschied sich, vieles anders zu machen, als wir es gewohnt sind. So verzichtet sie zum Beispiel bei der Besetzung der Ärzte bewusst auf richtige Schauspieler. Den Film macht das nur realistischer.

Wir haben die Regisseurin getroffen und mit ihr über das Thema Spätabtreibung und die Hilflosigkeit der Betroffenen gesprochen. Außerdem hat sie uns verraten, wie sie ihre eigenen Chancen auf den Goldenen Bären einschätzt. Wir drücken ihr auf jeden Fall die Daumen – verdient hat sie ihn.