Speziallampen gegen Winterdepression? Geh lieber zum Therapeuten

Hersteller von Tageslichtlampen bewerben ihre Produkte als „Lichtduschen“, die Winterdepressionen stoppen. Mag sein, sagt eine US-Wissenschaftlerin in einer aktuellen Studie – aber es gibt bessere Wege wieder gute Laune zu bekommen.

© Peter Macdiarmid/Getty Images

Eine Lichtinstallation in einem Londoner Museum – die Lichtstärke dürfte nicht für Therapiezwecke ausreichen. © Peter Macdiarmid/Getty Images

Du schläfst mehr, bist aber trotzdem immer müde, hast ständig Bock auf Süßes und legst ein paar Kilos zu? Wenn dir das im Winter passiert, hast du vermutlich eine saisonal abhängige Depression (SAD), besser bekannt als Winterdepression. Du könntest natürlich bis zum Frühjahr warten, denn auch das zeichnet eine Winterdepression aus – sie verschwindet, sobald die Tage wieder länger werden.

20 mal heller als normal

Oder: Du holst dir eine Tageslichtlampe, die deine Depression mit 10.000 Lux behandeln soll. Normales Zimmerlicht hat eine Lichtstärke von 300 bis 500 Lux. Die in Gesundheitsfragen beschlagene Apothekenrundschau schlägt etwa eine halbe Stunde täglich vor der Plastiksonne vor. Die Wissenschaftlerin Kelly Rohan von der Universität Vermont (wo es im Winter auch mal etwas dunkler wird) wollte nun wissen: Gibt es bessere Methoden? Sie verglich die kognitive Verhaltenstherapie mit der Lichttherapie.

„Man bekommt mehr für sein Geld“

Ihr Ergebnis: „Beides sind effektive Behandlungsmethoden, aber mit kognitiver Verhaltenstherapie bekommt man langfristig gesehen mehr für sein Geld“, sagte sie dem „Pacific Standard“.

Wie kommt sie zu diesem Ergebnis? Rohan untersuchte 177 Patienten mit SAD. Sie teilte die Gruppe in zwei Hälften. Sie behandelte die eine Hälfte mit Licht und die andere mit kognitiver Verhaltenstherapie. Darin lernt man, selbst zu erkennen, wann man depressiv ist, positiver zu denken, sich nicht zu Hause zu verkriechen und aktiv zu bleiben. Beide Therapieformen wandte sie für jeweils sechs Wochen während des Winters an.

Der Unterschied zeigte sich erst nach dem zweiten Winter

Nach dem ersten Winter machte Rohan noch keinen großen Unterschied zwischen beiden Gruppen aus – das änderte sich jedoch nach dem zweiten Jahr. 46 Prozent der Teilnehmer aus der Lichtgruppe klagten darüber, dass die Depressionen zurückkehrten. In der anderen Gruppe waren es lediglich 27 Prozent.

Die Erklärung dafür klingt logisch: Wer einmal Strategien entwickelt hat, mit negativen Gefühlen umzugehen und sich durch Nebel und Dunkelheit nicht runterziehen lässt, ist im Vorteil. Dagegen kann es mühsam sein, jeden Tag eine Stunde vor der Tageslichtlampe zu sitzen. Es dürfte ähnlich laufen wie mit dem Heimtrainer, von dem du dir anfangs auch geschworen hast, ihn jeden Tag zu benutzen – bis er irgendwann in der Ecke deines Zimmers verstaubt.