Spinnen im Haus: So haltet ihr sie fern

Jetzt auch wieder an unseren Schlafzimmerwänden: die fette Spinne, die wir eigentlich nie wieder sehen wollten. Peter Jäger leitet die Spinnenforschung beim Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt. Und hat hoffentlich eine Idee, wie wir die Tierchen fernhalten.

Senckenberg/P. Jäger

Heteropoda zuviele: Dieses Exemplar widmete Spinnenforscher Peter Jäger der Überbevölkerung in vielen Ländern. Senckenberg/P. Jäger

Peter Jäger lässt sich gern von Spinnen beißen. Dafür nimmt er sie zwischen seine Finger und ärgert sie vorsichtig, damit sie ihre Mundwerkzeuge in seine Haut rammen. Meistens beißt die Spinne aber nicht zu. Das wäre auch ziemlich sinnlos: „Die meisten Spinnen kommen mit ihren Giftklauen gar nicht durch unsere Haut – geschweigedenn, dass sie das überhaupt wollen.“

Jäger leitet die Sektion für Arachnologie, Spinnenforschung, am Senckenberg-Forschungsinstitut. Zu seinem Job gehört es, neue Arten zu beschreiben. Mehr als 300 hat er schon entdeckt – rund 500 hat er noch in Gläsern in seinem Labor. Sie stammen aus aller Welt, er hat viel Zeit damit verbracht, Spinnen zu sammeln.

Peter Jäger in seinem Labor
Peter Jäger in seinem Labor

Wie entdeckt man eigentlich eine neue Spinnenart? Kein Problem, sagt Jäger: „Sie gehen in den Urwald, sammeln zehn Spinnen. Neun davon sind neu. Erst zehn Prozent der weltweiten Fauna sind beschrieben.“ Es gibt also noch viel Arbeit für Tierforscher.

Worauf Spinnen stehen

Aber nun zu den Spinnen, die wir alle kennen. Die meisten Spinnen kommen gar nicht von draußen ins Haus – sie sind schon da. In alten Häusern seien sie „gut im Futter“, gerade wenn es viel anderes Getier gebe, Kellerasseln zum Beispiel. „Je feuchter das Klima, desto besser. Trockene Luft halten sie nicht aus.“

Die meisten Spinnen sind übrigens verdammt faul. „Eine Spinne, die zum Beispiel im Gartenschuppen lebt, sitzt den ganzen Tag in ihrem Nest“, sagt Jäger. „In der Nacht ist sie aktiver, dann bessert sie ihr Nest aus oder macht es größer. Und dann setzt sie sich wieder hin. Und wenn was ins Nest fällt, dann frisst sie das.“ Wobei es den Spinnen nichts ausmache, ein paar Wochen auf Diät zu sein.

Ganz neu entdeckt: May Bruno. Diese Spinnengattung steht auf Bisse beim Liebesspiel – jedenfalls die männlichen Tiere, berichtet Jäger.
Ganz neu entdeckt: May Bruno. Diese Riesenkrabbenspinne steht auf Bisse beim Liebesspiel – jedenfalls die männlichen Tiere, berichtet Jäger. Der Name wurde übrigens über das Biopatenschaften-Programm vergeben, eine Tochter ehrte damit ihren Vater. Foto: Senckenberg/D. Kunz

Spinnen, die draußen im Gras oder an der Hauswand sitzen, krabbeln nicht ohne Weiteres ins Haus. Wärme strahlt nicht so weit, dass eine Spinne am Boden sie noch spüren könnte. Sitzt sie aber in der Nähe des offenen Fensters, kann es durchaus sein, dass sie den Weg ins Haus sucht: „Sie folgt dabei ihrem genetischen Programm. Da hilft ein Fliegengitter“, sagt Jäger. Viel mehr kann man nicht tun – vor allem, wenn die Spinne erst im Haus ist.

Um Giftspinnen brauchen wir uns dagegen keine Sorgen zu machen. Etwa 1000 Spinnenarten krabbeln durch Deutschland, davon ist kaum eine überhaupt gefährlich für den Menschen – wenn sie denn unsere Haut durchdringen könnten. Jäger hat sich mal von einer Dornfingerspinne beißen lassen. Er bekam eine Pustel, die ging nach zehn Minuten wieder weg. „Wespenstiche verursachen Todesfälle in Deutschland – Spinnenbisse nicht“, sagt Jäger.

Das einfachste Mittel gegen Spinnengrusel sieht Jäger aber woanders: „Wer eine Phobie hat, der sollte schnellstens zum Psychologen und das reparieren lassen.“