Starbucks will das Mutterland des Kaffees erobern

Nach 33 Jahren will die US-Kaffeehaus-Kette auch in Italien Fuß fassen. Während Starbucks mit viel Fingerspitzengefühl herangeht, reagieren die Italiener temperamentvoll.

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Kann sich Starbucks in der italienischen Bar- und Kaffeekultur behaupten? © pexels.com

Fast schon theatralisch haben viele Italiener die aktuellen Expansionspläne der globalen Kaffeehaus-Kette Starbucks kommentiert. Denn ein „Caramel Cream Cappuccino to go“ für knapp vier Euro passe nicht so recht zur italienischen Auffassung des Kaffeekonsums, die Wert auf wenig Schnörkel und bezahlbare Preise legt.

Espresso hat nichts mit Demut zu tun

Die perfekten Maße der Italiener lauten: 25, 88, 25, neun und sieben. Für den perfekten Espresso müssen nämlich 25 Milliliter Wasser auf 88 Grad erwärmt werden, dann innerhalb von 25 Sekunden mit einem Druck von neun Bar durch sieben Gramm Kaffeepulver fließen. Ecco, wie der Italiener sagen würde, hat man den perfekten Kaffee. Dr darf alternativ auch aus der heimischen Mokka-Kanne oder der Bar des Vertrauens kommen.

Die Orte, an denen Italiener ihren Kaffee trinken, sind ihnen mindestens genauso wichtig wie das Getränk selbst. Die Barlandschaft ist bunt und zum Großteil von unabhängigen Kaffeehäusern geprägt. Allein der Umgang mit Kaffee bleibt überall gleich. Meistens wird der kleine, braune Wachmacher, an der Bar stehend, getrunken. Wie passt da also die Kaffeekette Starbucks ins Bild?

Starbucks – Kaffeehaus-Kette gegen Kaffeekultur

Dem Unternehmen sind 23.000 Kaffeehäuser in mehr als 70 Ländern offenbar nicht genug. Zudem ist es auch ein symbolischer Schritt für die Kaffeehaus-Kette, sich in Italien niederzulassen. Denn in Mailand, wo 2017 auch die erste Filiale eröffnet werden soll, hat sich Starbucks-Chef Howard Schultz vor rund 40 Jahren zu der Geschäftsidee inspirieren lassen. Mit viel Fingerspitzengefühl, Respekt und Demut will man nun also zum Entsetzen vieler Italiener in das Heimatland des Espressos übersiedeln.

Starbucks hat im Moment so viele Probleme, dass sie irgendwo auch mal beweisen müssen, dass man nicht nur billig im Pappbecher ist, sondern auch „richtig“ kann. – Steffen Schwarz, Kaffee-Experte

Der ablehnenden Haltung der Italiener entgegnet Starbucks, dass auch andere US-Unternehmen, die gewissermaßen italienische Kultur kopiert haben, bereits übergesiedelt sind – beispielsweise die Pizza-Kette Domino’s. Auch wenn Starbucks oft als ein Symbol der Globalisierung angesehen wird, ist der Einfluss in Europa viel geringer, als angenommen. In Wien beispielsweise wird Starbucks mittlerweile als Ergänzung zu den traditionellen Kaffeehäusern gesehen.

Wie gefährlich ist Starbucks also für die traditionsreiche Kaffeekultur Italiens? Über den Einfluss der Kaffeehaus-Kette hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit dem Kaffee-Experten Steffen Schwarz gesprochen.

Redaktion: Johanna Siegemund