Stiftehersteller gehen die Stifte aus – weil Erwachsene malen

Obwohl wir fast ausschließlich mit dem Smartphone oder am Computer schreiben, kommen Stiftehersteller mit dem Produzieren nicht nach. 

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Ausgleich für Erwachsene: Malbücher. © picture alliance

Was macht der gestresste, digital vernetzte Mensch, wenn er abends nach Stunden am Computer nach Hause kommt? Malen. Anzeichen dafür gibt es viele. Auf Instagram gibt es unter #couloringbook beinahe 700.000 Einträge. Die Bestsellerliste von Amazon in Deutschland führt zwei Malbücher in den Top 10. Auch im Buchhandel ist der Trend zu spüren, wie eine Sprecherin der Bücherkette Thalia bestätigte: „Der Trend hat bei uns bereits im letzten Jahr eingesetzt und setzt sich seitdem zunehmend durch.“ 

Jetzt profitiert eine weitere Branche von den Malbüchern: die Hersteller von Stiften. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, fahren die Firmen zur Zeit Sonderschichten. Stifte-Produzent Staedtler etwa hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 322 Millionen Euro gesteigert. „Adult-Colouring ist ein wesentlicher Treiber für unseren Umsatz“, hat der Geschäftsführer Axel Marx der Zeitung gesagt.

[Außerdem auf ze.tt: Malbuch für Erwachsene: Warum ihr jetzt Buntstifte braucht]

Die Entwicklung kommt für Stifthersteller eher überraschend. Eigentlich überlegen sie seit Jahren, wie sie damit umgehen sollen, dass immer weniger Menschen mit der Hand schreiben – was bedeutet, dass weniger Stifte gebraucht werden. Digitale Schreibgeräte und Schreib-Apps sollen die Unternehmen retten.

 

Unter den Top 10 bei Amazon sind zwei Malbücher. © Screenshot Amazon (8. April 2016)

Dass nun ausgerechnet gestresste Erwachsene den Firmen zur Hilfe kommen, war nicht absehbar. Aber Bücher wie „Komm zur Ruhe – Mit friedvollen Bildern vom Alltag entspannen“ oder „Meditation: Mit wundervollen Bildern alle Sorgen gehen lassen“ scheinen einen Nerv zu treffen. 

„Unser Stresspegel ist im Allgemeinen eher hoch; wir sind angespannt und haben Schwierigkeiten zu entspannen, weil wir nicht mehr richtig loslassen können – beim Malen passiert aber genau das: Wir lassen los“, sagte die Kunsttherapeutin Katja Sommer in einem früheren Interview mit ze.tt.