Stockholms „feministische Schneeräumung“ hat nicht funktioniert

Die Stadt Stockholm räumt den Schnee zuerst von Gehwegen, um Frauen nicht zu benachteiligen. Doch nach einem schweren Wintersturm kommt Kritik am Konzept der Verwaltung auf.

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Im vergangenen Jahr waren die Straßen in Stockholm schnell frei – dieses Jahr gab's ein großes Verkehrschaos. © JONATHAN NACKSTRAND/AFP/Getty Images


Jämställdhet – die Gleichberechtigung der Geschlechter – ist den Schweden sehr wichtig. Das zieht sich durch alle Lebensbereiche, sogar bis zum Winterdienst. Zumindest in Stockholm. 2013 unterbreitete die Grünen-Partei den Vorschlag, die Schneeräumung umzuorganisieren und für mehr Gleichberechtigung zu sorgen.

Das Problem: „Die Schneeräumung übersieht die verletzbarsten Gruppen, vor allem Frauen“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Daniel Helldén damals. „Die Stadt sollte für alle zugänglich sein, was im Moment nicht so ist.“ Die Straßen wurden zuerst geräumt, und da statistisch mehr Männer mit dem Auto unterwegs seien, würden diese bei der Schneeräumung bevorzugt, erklärte Helldén.

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Weil es schwerer sei, durch zehn Zentimeter hohen Schnee zu stapfen als zu fahren, stellte die Partei den Antrag, künftig zuerst die Gehwege zu räumen. Außerdem würde so mehr Unfällen vorgebeugt, die sich statistisch drei Mal mehr auf Fußwegen als auf der Straße ereignen würden. Die Idee der „feministischen Schneeräumung“ wurde Realität – erwies sich jedoch als wenig sinnvoll.

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Vor einer Woche blieb Neuschnee in Stockholms Straßen liegen – 40 Zentimeter hoch. Der Winterdienst kam gegen die Schneemengen auf den Gehwegen nicht an, die Straßen blieben völlig dicht, die Bahnen und Busse kamen nur noch schleppend voran, und der Auto-Verkehr lag brach. Gleich regte sich Kritik an Helldéns gleichberechtigtem Winterdienst, er sei in der Praxis gescheitert, schrieben schwedische Medien. Eine liberale Zeitung veröffentlichte neun Alternativen zur feministischen Schneeräumung.

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Helldén gestand ein, dass die feministische Schneeräumung ihre Fehler hat – hält aber weiter an dem Konzept fest. „Es ist offensichtlich, dass es nicht funktioniert hat, und die Frage ist warum“, sagte er. „Ist es das Wetter oder die Vorgehensweisen, wie wir in der Stadt damit umgegangen sind?“

Im Rest des Landes dürfte die Diskussion nur für müdes Gähnen gesorgt haben. Immerhin gelten die Hauptstädter*innen aufgrund ihrer Wetterfühligkeit als Weicheier.