Strand-Praktikum an der Ostsee: zwischen Traumjob und Kulturschock

Als Hanna Hoff die Zusage für ein Strand-Praktikum bekam, war sie voller Vorfreude. Im Interview erzählt sie, warum das nicht immer so traumhaft war – und was ihr als Rheinländerin an der Ostsee am besten gefallen hat.

Hanna bei der Arbeit © Ostsee24

Sommer, Meer und Fischbrötchen lautete der Plan für die Semesterferien der Geografie- und Tourismusstudentin an der Universität Passau. Innerhalb von elf Wochen sollte Hanna Hoff über 100 Strände genau prüfen – und natürlich so viele Fotos wie möglich davon machen.

Redaktion: Strände testen, Fotos machen – und dafür auch noch bezahlt werden, das klingt nach einem Traumjob. Wie bist du an dieses „Strand-Praktikum“ gekommen?
Hanna Hoff: Eigentlich hat eine Freundin diesen Job für mich entdeckt. Sie hatte sich selbst nach Ferienjobs umgesehen, so die Ausschreibung für das „Strandpraktikum“ von Ostsee24 entdeckt – und dabei direkt an mich gedacht. So habe ich mich darauf beworben. Obwohl ich eigentlich selbst nie an der Ostsee war, habe ich unter anderem einen Liebesbrief an die Ostsee geschrieben – und durfte tatsächlich das Praktikum machen.

Nienhagen-Strand

Nienhagen-Strand (Bild: Ostsee24)

Was genau waren deine Aufgaben bei diesem Praktikum?
Als Vermittler von Unterkünften möchte Ostsee24 ein Strand-Tool für die eigene Webseite erstellen. Die Idee dieses Tools ist, dass Nutzer*innen auf eine Unterkunft klicken und dabei gleichzeitig die Strände in der Nähe sehen; also wie sie aussehen, was es dort zu tun gibt, ob es Sand- oder Wiesenstrände sind, ob sie kinderfreundlich oder rollstuhlgerecht sind, ob man dort parken kann, oder wie viel eine Kugel Eis kostet. Meine Aufgabe war es, all diese Informationen zu sammeln und natürlich Fotos zu machen.

Hanna bei der Arbeit

Hanna bei der Arbeit (Bild: Ostsee24)

Strände testen und dafür auch noch bezahlt werden, das hört sich nach dem perfekten Job an. War es wirklich immer so toll, wie es sich anhört?
Ich habe es mir, ehrlich gesagt, nicht ganz so stressig vorgestellt, wie es tatsächlich war. Denn ich hatte mit einigen Sachen zu kämpfen, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Zum Beispiel war ich ja in der Hochsaison 2016 dort. Da habe ich teilweise sehr viel Zeit im Auto verbracht, entweder im Stau oder bei der Parkplatzsuche. Also musste ich versuchen, entweder ganz früh morgens oder spät abends die Strände zu fotografieren, was natürlich bei der langen Liste zeitlich eng wurde. Dann kam auch noch der große Rucksack mit dem ganzen Equipment von zwei Kameras, GoPro und Stativ hinzu. Das hat schon ab und zu an meinen Kräften gezehrt. Und man muss auch sagen, dass Wind, Sand und Kameras nicht die ideale Kombination sind. Mir ist dabei auch leider ein Objektiv kaputt gegangen.

Brook Mecklenburg

Der Blick auf den Horizont ist die beste Belohnung (Bild: Ostsee24)

Doch die Aussicht auf den weiten Horizont und die tolle Natur haben mich dafür entschädigt. Wenn man kurz innehält und sich klar macht, dass man hier draußen in der Sonne am Strand arbeitet und all diese tollen Dinge sehen darf – dann hat das all die Anstrengung wieder wettgemacht. Da darf man sich wirklich nicht beschweren.

Ein Teil deiner Arbeit war es auch, die Fotos und Videos, die du aufgenommen hast, hochzuladen. Wie war die Internet-Situation an der Ostsee? Konntest du gut arbeiten?
Man würde ja denken, dass gutes WLAN in Deutschland kein Thema mehr sei, aber das war tatsächlich ein Problem. Die Unterkünfte hatten zum Teil gar kein WLAN oder mit so geringer Bandbreite, dass ich mein Smartphone als Hotspot nutzen musste. Nur war auch der Empfang ab und zu sehr schlecht, sodass ich mit meinem Auto lange herumfahren musste. Das ortsunabhängige Arbeiten – wenn ich es auch nur als „digitales Nomadentum light“ erlebt habe – kann viel anstrengender sein, als man denkt.

Könntest du dir vorstellen, auch langfristig ortsunabhängig zu arbeiten und dabei ständig unterwegs zu sein, wie bei deinem Praktikum?
Ich könnte mir so ein Leben tatsächlich für einige Jahre sehr gut vorstellen. Nur würde ich dabei definitiv nicht so oft die Unterkunft wechseln wie bei meinem „Strand-Praktikum“. Es schlaucht schon sehr, wenn man alle zwei bis drei Tage an einem neuen Ort ist. Beim ständigen Ein- und Auschecken fühlt sich das Reisen auch nicht mehr wie Urlaub an, sondern wie Arbeit.

Fischland Drass Weststrand

Selbst am Strand kann das Leben auf Achse anstrengend sein (Bild: Ostsee24)

Hattest du bei dem Tempo Gelegenheit, die Norddeutschen besser kennen zu lernen?
Definitiv! Mich hat es schon sehr interessiert, wie die Menschen dort ticken, und ich habe auch einige sehr intensive Gespräche geführt, in denen ich viel über das Leben an der Ostsee gelernt habe. Eine meiner ersten Lektionen war aber, dass die Menschen dort sehr wortkarg sind. Ich komme ursprünglich aus dem Rheinland, und wir sind schon gesprächiger. Wenn ich zum Beispiel im Laden etwas kaufe, kommt dabei meistens noch ein kleines Gespräch mit den Verkäufern zustande.

An der Ostsee haben die Menschen nur „Moin” gesagt, ihre Ware auf den Tresen gelegt, gezahlt und sind dann wieder gegangen. Das war am Anfang schon ein kleiner Kulturschock. Aber ich habe auch gelernt, dass die Norddeutschen zwar sehr kurz und knapp, dafür aber auch sehr direkt und ehrlich sind. Und herzlich. Eine Gasthaus-Besitzerin hat mich zum Beispiel zu sich ins Haus eingeladen, nur damit ich dort das bessere WLAN nutzen konnte.

Nach elf Wochen an der Ostsee: Was waren deine Lieblingsorte?
Mein Lieblingsstrand war eindeutig Ahlbeck auf Usedom. Das war so feiner Sand wie Mehl, das war unglaublich. Und auch der Jasmund-Nationalpark auf Rügen, der Kreidefelsen, das war etwas ganz Besonderes.

Diese extreme Steilküste, ganz in Weiß, und die Bäume, die dort abstürzen und an der Küste liegen – das sah wirklich unglaublich beeindruckend aus!

Fischland Darss Weststrand

Beeindruckende Landschaften (Bild: Ostsee24)

Vielen Dank für das Gespräch!


Von Marinela Potor auf mobility mag.

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