Biologen skizzieren ein Europa voller Elefanten und Nashörner

Ein paar tausend Braunbären, Wölfe und Elche streifen heute noch durch Europa. Von einer überwältigenden Diversität großer Säugetiere kann also kaum die Rede sein. Ganz anders sähe das aus, hätte es uns Menschen nie gegeben.

© Remko de Waal/AFP/Getty Images

In Rotterdam ist im August ein Elefantenbaby zur Welt gekommen. In einer Welt ohne Menschen, lebten viel mehr seiner Art frei in Europa. © Remko de Waal/AFP/Getty Images

Wie sähe eine Welt ohne Menschen aus? Dieser Frage sind Wissenschaftler bereits des Öfteren nachgegangen. Häufig haben sie dabei ihren Blick in die Zukunft gerichtet. Die National-Geographic-Doku „Aftermath: Population Zero“ skizziert beispielsweise die Welt nach dem Verschwinden des Menschen. Darin sieht man Autos rosten, Wolkenkratzer einstürzen und die Flora und Fauna allmählich unsere alte Lebenswelt erobern.

Biologen der Universität in Aarhus haben jetzt überprüft, wie die Tierwelt heute aussähe, wäre der Mensch nie gewesen. In ihrem Szenario, das im Journal „Diversity and Distributions“ erschienen ist, hat das Aussterben großer Säugetiere seit der letzten Eiszeit und in den folgenden Jahrhunderten durch den Homo sapiens nicht stattgefunden. Stattdessen konnten sich die Säuger frei ausbreiten. Und siehe da: Europa wäre ein Paradies für Großwildjäger. Nur wären ja keine mehr da, Pech.

Grafik: Søren Faurby
Die Grafik zeigt die Menge unterschiedlicher Arten von Säugetieren, die mindestens 45 Kilo schwer sind. Ohne den Mensch hätten sie sich weltweit ausgebreitet. Grafik: Søren Faurby

„Nordeuropa ist längst nicht die einzige Umgebung, in der Menschen die Diversität der Säugetiere verringert haben.“

Stattdessen steppt derzeit eigentlich nur in der Serengeti so richtig der Bär – beziehungsweise Elefant, Nashorn, Giraffe, Löwe und Co. Ohne den Menschen hätten sich auch in Europa mehr unterschiedliche Arten von Säugern mit mindestens 45 Kilo auf den Rippen angesiedelt. Und nicht nur dort: „Nordeuropa ist längst nicht die einzige Umgebung, in der Menschen die Diversität der Säugetiere verringert haben – dabei handelt es sich um ein weltweites Phänomen“, zitiert Phys.org Jens-Christian Svenning von der Uni Aarhus. „An den meisten Orten gibt es einen großen Verlust von Säugetierdiversität verglichen damit, wie sie natürlich ausgesehen hätte.“

Grafik: Søren Faurby
Durch den Einfluss des Menschen wartet lediglich Afrika mit einer hohen Biodiversität von Säugetieren auf. Grafik: Søren Faurby

Nun könnte man meinen: Dass es in Afrika so viele verschiedene Säugetierarten gibt, könne auch an den optimalen Klimabedingungen liegen. Die Wissenschaftler halten dagegen: Elefanten und Nashörner könnten auch in unseren Breitengraden gut leben. Dass sie es nicht tun, liege daran, dass der Mensch den Lebensraum für sich beanspruche. Das letzte Refugium vieler Arten seien meist unbesiedelte Bergregionen. „Ein Beispiel dafür ist der Braunbär, der heute praktisch nur in den Bergregionen lebt, weil er im leichter zugänglichen und meist dicht besiedelten Flachland ausgerottet wurde“, sagt Wissenschaftler Søren Faurby.

Ein Europa voller Elefanten und Nashörner, was für eine Vorstellung – die nie wahr werden wird. Es sei denn, wir verschwinden einfach von der Bildfläche.