Südafrikas erste Skateschule verhilft Mädchen zu mehr Selbstvertrauen

Frauen haben in Südafrika nicht die gleichen Chancen wie Männer. Eine Skateschule soll das zumindest für einige von ihnen ändern.

Klar kann ich skaten. © Louisa Menke

Die Jugend von Mbali Mthethwa, 34, verlief ungewöhnlich für eine Frau aus Südafrika. Ihre Eltern legten früh wert darauf, dass sie und ihre fünf Schwestern eine gute Ausbildung erhielten und so Vertrauen zu sich selbst aufbauten. Sie schloss die Schule ab, arbeitete in der Medienbranche und später im Filmbusiness.

„Das ist keineswegs üblich in Südafrika“, schreibt Mbali auf Anfrage von ze.tt. „Wir sind eine patriarchale Gesellschaft. Frauen und Mädchen finden sich oft in Situationen wieder, in denen sie wegen ihres Geschlechts herabgesetzt oder als minderwertig behandelt werden.“ Vor allem auf dem Land würde Frauen oft nichts weiter beigebracht, als Ehefrau und Mutter zu sein. „Sie bekommen keine Chance, mehr aus sich zu machen.“

Suchte nach ihrer Arbeit in der Filmindustrie nach einem erfüllenderen Job: Mbali Mthethwa. © Blamstudio

Das möchte Mbali ändern. Seit etwa einem Jahr arbeitet sie deshalb in Südafrikas erster Skateschule in Johannesburg. Sie steht Jungen und Mädchen aus der Nachbarschaft offen – und doch geht es vor allem um die Mädchen.

Zweimal die Woche gibt es Girls-only-Sessions, in denen die Mädchen den Skatepark für sich haben und sich anschließend in Workshops künstlerisch ausprobieren können. Nur wer an den Workshops teilnimmt, darf auch skaten.

„In den Girls-Sessions fühlen sich die Mädchen zu Beginn wohler. Sie haben die Chance, sich auszuprobieren, ohne beurteilt oder verglichen zu werden“, sagt sie. Sie lernen, an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben und sich selbst ausprobieren zu können. Später würden Jungen und Mädchen auch häufig zusammen skaten.

Einen Trick zu lernen, gibt ihnen das Gefühl etwas ganz alleine geschafft zu haben.“ – Mbali Mthethwa

Die Schule sei für junge Frauen und Mädchen einer der wenigen Orte, an denen sie sich keine Gedanken um Make-up, Haare oder die Ablehnung durch Männer machen müssten, sagt Mbali.

Ähnliche Projekte in Afghanistan und Kambodscha

Gegründet hat die Skateschule der Australier Oliver Percovich. Ähnliche Projekte hat er mit seiner Nichtregierungsorganisation Skateistan auch schon in Afghanistan und Kambodscha umgesetzt. Dass ausgerechnet der von Männern dominierte Sport Skaten dabei helfen kann, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, sagt er.

„Eine Skateschule für Frauen lässt uns überdenken, was Mädchen erreichen können“, sagt er in der Dokumentation Get Used To It über skatende Frauen in Südafrika. „Wenn Mädchen Skaten können, warum sollen sie dann nicht auch viele andere Dinge schaffen?“, fragt er. Die Schule sei ein Weg, Stereotype aufzubrechen. Dabei hilft es, dass sie vor allem Jugendliche besuchen, denn dann sind die Geschlechterrollen noch nicht zementiert.

Zur Eröffnung kam sogar Tony Hawk, wohl einer der bekanntesten Skater der Welt. Seitdem steigt die Zahl der Schüler*innen zwischen fünf und 17 Jahren. Im Moment sind es mehr als 200, bis Ende des Jahres sollen es 360 sein. Etwa die Hälfte davon sind Mädchen. „Die Schule steht offen für jeden“, sagt Mbali. Viele kämen aus ärmeren Haushalten in der Nachbarschaft, in denen die Eltern froh seien, wenn die Kids nach der regulären Schule etwas Vernünftiges machten. „Es gab aber auch Fälle, in denen die Eltern Nein gesagt haben, weil sie nicht verstehen, worum es hier geht“, sagt sie.

Auch wenn Mbali und die Skateschule nur einen Bruchteil der Kinder erreichen, die es nötig hätten, ist sie sich sicher, das Richtige zu tun: „Mädchen sollten dazu gebracht werden, dass sie alles tun können, was sie wollen.“ Wenn man das einem Mädchen einimpfen könnte, ginge es auch bei 20. „Und wenn wir es bei 20 machen, dann machen wir das Richtige.“


Wer die vierteilige Doku Get Used To It möchte, benötigt die App Oolipo, die es bislang nur für das iPhone gibt.

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