Syrien verhöhnt mit neuer Tourismus-Kampagne die Opfer des Bürgerkriegs

Wie wäre es mal mit einem Sommerurlaub in einem Land, aus dem bisher über vier Millionen Menschen flohen und hunderttausende bei einem blutigen Bürgerkrieg starben?

© Screenshot | Facebookvideo | Tourismus-Ministerium Syrien

"Immer schön." © Screenshot | Facebookvideo | Tourismus-Ministerium Syrien

Traumhafte weiße Sandstrände, Liegestühle, entspannte Menschen, azurblaues Wasser, Jetskis, riesige Grünanlagen. Nein, wir sprechen nicht von Miami. Wir sprechen von Syrien. Und wer würde da nicht gerne seinen Urlaub verbringen?

Wäre das Video nicht immer noch im Netz auffindbar und ernst gemeint, könnte man es für bösen Zynismus halten: Das syrische Tourismusministerium wirbt tatsächlich für Urlaub in dem von Krieg geplagten Land.

Was die Bilder, untermalt mit Elektrosound von Alan Walker, nicht zeigen: den alltäglichen Tod, das unermessliche Leid, die millionenfache Flucht. Seit rund fünf Jahren steckt das Land unter dem Regime um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad in einem Bürgerkrieg. Ein Ende ist nicht in Sicht – die syrischen Menschen werden gefoltert, ausgehungert, ermordet. Einst so geschäftige Metropolen wie Aleppo sind größtenteils zerstört und zu Ruinen geworden – wir berichteten.

In welche entlegenen Winkel des Landes müssen die Kameraleute also gefahren sein, um überhaupt Aufnahmen machen zu können, die keine zerbombten Städte und Dörfer zeigen? Die Bilder entstanden in der Küstenstadt Tartus, die jährlich immer noch viele Touristen anzieht. Größtenteils aber aus dem Land selbst, wie der Telegraph berichtet.

Es ist der Versuch zu suggerieren, dass in Syrien alles ok ist. Am Ende des Videos wird „Syria: Always beautiful“ eingeblendet – ein unvergleichlicher Hohn für alle Opfer des Krieges. Perfide ist aber vor allem das Eigenmarketing des Staatspräsidenten: Im Gebiet um Tartus wohnen mehrheitlich Alawiten, eine religiöse Sondergemeinschaft, der auch Assad selbst angehört und die dem Regime großteils loyal gegenübersteht, schreiben die Kolleg*innen des Standard.

Das Tourismusministerium erklärt derweil in einem Facebook-Post, dass die Zahl der Touristen im Land im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent anstieg. Es lässt aber offen, ob sich auch Ausländer darunter befanden.