Tauben können Brustkrebs fast so gut diagnostizieren wie Menschen

Selbst für Ärzte ist es mitunter schwierig, Brustkrebs eindeutig zu diagnostizieren. Hilfe kommt aus dem Tierreich: Tauben schaffen eine Genauigkeit von bis zu 99 Prozent, wie eine Studie zeigt. 

© MOHD RASFAN/AFP/Getty Images

Gutes Auge: Tauben. © MOHD RASFAN/AFP/Getty Images

Tauben gelten als „Ratten der Lüfte“ und Überträger von Krankheiten. Vor allem Städte stehen auf Kriegsfuß mit den Tieren. Alleine in München verursachen sie jedes Jahr Schäden in Höhe von einer Millionen Euro.

Andererseits haben Tauben auch einiges auf dem Kasten. In einem Artikel für das SZ-Magazin zählte Autor Rainer Stadler einige Begabungen auf: erstaunliches Orientierungsvermögen, Fluggeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern und außerordentliche visuelle Fähigkeiten.

Genau diese visuellen Fähigkeiten haben sich Forscher der „University of California“ jetzt zu Nutze gemacht. Sie setzen Tauben dafür ein, gesundes von krebsbefallenem Brustgewebe zu unterscheiden. Das können die Tiere erstaunlich gut – je nach Methode mit einer Genauigkeit von bis zu 99 Prozent.

Das Team um den Pathologen Richard Levenson testete die Tauben in verschiedenen Experimenten. In einem davon zeigten die Forscher acht Tauben insgesamt 144 Bilder von Brustgeweben. Sie waren in unterschiedlichen Vergrößerungsstufen aufgenommen und entweder farbig oder schwarz-weiß. Die Vögel konnten dann entweder auf einem gelben oder einem blauen Knopf neben dem Bild picken, um mitzuteilen, ob sie das Gewebe für gesund oder von Krebs befallen hielten.

Die Testanordnung im Labor. © Richard Levenson, University of California Davis Medical Center

Entschieden sie richtig, erhielten sie zur Belohnung Nahrung. Entschieden sie falsch, zeigten ihnen die Wissenschaftler das Bild so lange, bis sie richtig lagen.

„Mit einigem Training und dem Belohnungsmechanismus über die Nahrung können Tauben Bilder von gutartigem und bösartigem menschlichen Brustgewebe genauso gut unterscheiden wie Menschen.“

Richard Levenson, Pathologe 

Nach 15 Tagen Training erreichten die Tauben eine Genauigkeit zwischen 50 und 85 Prozent. Die Forscher tauschten daraufhin die Bilder aus – so wollten sie ausschließen, dass die Tiere sich die Bilder merkten.

Bilder von gesundem (benign) und erkranktem (malignant) Brustgewebe in unterschiedlichen Vergrößerungsstufen. © Richard Levenson, University of California Davis Medical Center

Die Werte blieben danach in etwa gleich. Wenn sich die Wissenschaftler die „Schwarmintelligenz“ der Tauben zu Nutze machten und die Entscheidungen mehrerer Vögel kombinierten, kamen sie sogar auf Wert von 99 Prozent.

Dass die Vögel deshalb bald Menschen in der Diagnose ersetzen, ist dennoch unwahrscheinlich. Zum einen hatten sie einem weiteren Test Schwierigkeiten. In diesem Experiment ging es darum, die Dichte von Brustgewebe in Mammografien zu bestimmten – was aber auch geübten Medizinern schwer fällt. Auch Behörden dürften ihre Bedenken haben. Will man Tauben wirklich so viel Verantwortung übertragen?

Die Forscher glauben dennoch, Nutzen aus ihrer Studie ziehen zu können. Nämlich dann, wenn es darum geht, neue technische Methoden für die Bestimmung von Krebs zu testen. Dafür müssen die Wissenschaftler allerdings zunächst herausfinden, wie die Tauben zwischen „krank“ und „gesund“ unterscheiden. Sobald man diesen Mechanismus verstanden hat, könnte man ihn auf neue computergestützte Verfahren übertragen.