Team-Arbeit mit Männern benachteiligt Frauen

Junge Ökonomen müssen viel publizieren, um eine Festanstellung zu bekommen. Wenn Frauen mit Männern veröffentlichen, gehen sie allerdings eher leer aus.

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Teamarbeit wie auf einem Tandem? In der Wirtschaft gilt das für eher weniger. © Fox Photos/Getty Images

„Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, sie erhalten auch geringere Anerkennung für ihre Arbeit“, Heather Sarsons, Wirtschafts-Doktorandin an der Harvard-Universität, leitet mit diesem Satz ihre Untersuchung ein. Sarsons wollte herausfinden, inwiefern Vorurteile in Bezug auf das Teamwork zwischen Männern und Frauen in der Wirtschaft dazu führen, dass Männer eher als Frauen befördert werden.

Vorurteile durch Gruppenarbeit? Kaum zu glauben – Teamwork ist doch was Schönes, eine Kollegen-Kumulation, die den Workflow verbessert und am besten im gemeinsamen Biertrinken enden sollte. Nicht allerdings, wenn es darum geht, dass Männer und Frauen gemeinsam publizieren – Thesenblätter, Artikel, Bücher. Zumindest im Wirtschaftsbereich.

Sarsons hat die Publikationsdaten von Jung-Ökonomen von Top-Universitäten der USA in den letzten 40 Jahren ausgewertet. Sie fand heraus, dass Frauen weniger Anerkennung für ihre Arbeit erhalten als der männliche Co-Autor – wenn Frauen und Männer das Buch gemeinsam herausgeben.

Bringen Frauen mit Frauen Bücher heraus, gibt es keine Anerkennungs-Unterschiede. Die Anerkennung, die Männer als Autoren oder Co-Autoren erhalten ist in jedem Fall fast nahezu identisch.

Als Maßstab für den Grad der Anerkennung hat die Wirtschaftswissenschaftlerin den Anstieg der Wahrscheinlichkeit genommen, dass die Autoren eine Festanstellung erhalten.

Der US-Wirtschaftsprofessor Justin Wolfers greift Sarsons Studie im New York Times-Artikel „When Teamwork doesn’t work for Women“ auf und erklärt, warum Anerkennung und die jeweilige Reputation, die aus einer Publikation resultiert, für Wirtschafter überhaupt so wichtig ist.

Er nennt das Prinzip “publish or perish” – „veröffentliche oder stirb“ nach dem junge Ökonomen ihre Karriere bestreiten. Generell sei es so, beschreibt Wolfers, dass die Nachwuchs-Wirtschaftlerinnen in den USA sieben Jahre hätten, um sich zu beweisen. Danach würde entschieden, ob sie befördert oder gefeuert würden. Um eine möglichst hohe Chance auf eine Beförderung zu haben, gilt es für die Ökonomen, möglichst viele Paper zu veröffentlichen

Während Frauen genauso viel publizieren wie Männer, werden sie doppelt so oft gekündigt. Die einzigen Ökonominnen, die keine Nachteile zu befürchten hätten, seien nach Sarsons, Frauen, die alleine publizieren würden: “women who solo author everything have roughly the same chance of receiving tenure as a man.”

Demzufolge müssen ihrer Meinung nach alle Nachteile im Job aus der unterschiedlichen Bewertung der Teamarbeit zwischen Männern und Frauen entstehen. Nicht ohne Grund schreibt sie wahrscheinlich auch gleich zu Beginn ihrer Arbeit: „This paper is intentionally solo-authored.”

Bei Soziologen sieht es anders aus

Parallel zur Wirtschaft hat Sarsons auch im Bereich der Soziologie untersucht, wie viel Anerkennung Frauen und Männer für gemeinschaftliches Arbeiten erhalten. Und konnte dort keine erheblichen Unterschiede feststellen.

Grund dafür könnte sein, so Sarsons in ihrem Studien-Abstract, dass Soziologen genauer beschreiben, wer welchen Abschnitt in einer Veröffentlichung geschrieben hat. Derjenige, der die meiste Arbeit übernommen hat, wird auch als Erster genannt. Bei Wirtschaftlern erfolgt die Namensnennung alphabetisch.

Ein anderer Grund könnte aber auch sein, so die Wissenschaftlerin, dass Soziologen einfach häufiger Frauen sind und diese weniger vorurteilhaft an die Bewertung einer Arbeit herangehen würden.