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Wieder ein Kind. Ein kleines, weinendes, blutüberströmtes Mädchen. Wenn wir diese Bilder schrecklich finden, sollten wir sie teilen – weil wir auch dadurch etwas erreichen können.

© Screenshot | Youtube

Die achtjährige Aya aus Talbisa in Syrien. © Screenshot | Youtube

Es sind diese Bilder, die uns immer wieder in Ohnmacht versetzen. Sie gehen immer dann um die Welt, wenn wir das letzte fast wieder vergessen haben. Wie dieses Video eines achtjährigen syrischen Mädchens, das nach einem Luftangriff auf ihr Haus im syrischen Talbisa am Montag blutüberströmt in die Kamera blickt. Ihr Name ist Aya.

Sie weint. Sie versteht das alles nicht. Wie auch? Sie ist ein Kind. Viele, die das Video sehen, sitzen da wie gelähmt. Was für ein schreckliches Schicksal, was für schreckliche Aufnahmen. Sie teilen das Video im Netz, es erscheint mehrfach in unseren Timelines, in den Medien. Ayas Tränen überall.

Nicht jede*r sieht darin etwas Positives. Einige sagen, das Teilen des Videos sei sinnlos. Solche Bilder ließen die Menschen nur abstumpfen. Andere werden zynisch: Was ist mit all den anderen sterbenden Kindern? Den tausenden Namenlosen? Wieso nur Aya? Denkt ihr, das ändert was? Sie würden bloß ihr schlechtes Gewissen beruhigen, werfen wieder andere jenen vor, die solche Fotos teilen. Jede dieser Reaktionen ist falsch.

Schon durch teilen tun wir etwas

Zynismus ist völlig fehl am Platz. Es geht hier nicht um die Selbstdarstellung. Es geht auch nicht darum, ob Menschen ihr Gewissen beruhigen wollen. Es geht hier immer noch darum, dass ein kleines Mädchen niemals im Krieg aufwachsen sollte. Und wer das Video teilt, der trägt etwas dazu bei, dass das in Zukunft seltener passiert – mit den Möglichkeiten, die sie oder er nunmal hat.

Das Internet ist ein mächtiges Instrument. Es kann nicht nur dafür genutzt werden, auf Facebook Bilder vom Haustier oder des vergangenen Urlaubs zu posten, sondern auch, um eine Botschaft an möglichst viele Menschen zu schicken. Um ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen. Das passiert, wenn Bilder wie die von Aya vielfach geteilt werden.

Je mehr Menschen sie sehen, desto mehr Menschen wissen, dass das nicht die Welt ist, in der wir leben wollen. Und desto schwerer wird es für die Weltöffentlichkeit und Staatsoberhäupter, Missstände zu ignorieren und die Hände in den Schoß zu legen. Wenn man so will, ist der Share-Button in diesem Fall eine Chance, die wir nutzen können, um politischen Druck ausüben.

Zynismus ändert gar nichts

Die Ursachen dafür, dass in diesem Moment, dort in einer syrischen Stadt, ein kleines Mädchen von einem Luftschlag verletzt wurde, sind so komplex, dass wir sie nie nur schwer durchschauen können. Überall auf der Welt gibt es Konflikte, überall werden Kinder Opfer.

Bilder wie die von Aya sollten wir als stellvertretend für sie alle betrachten. Wir müssen die Mittel nutzen, die wir zur Verfügung haben – und diese Bilder teilen. Bis alle unsere Freunde und deren Freunde sie sehen. Bis sie überall sind. Und niemand mehr die Augen verschließt oder zynisch reagiert. Denn durch Zynismus enden keine Konflikte. Im Gegenteil: Es ändert sich gar nichts. Und es ist doch schwer vorstellbar, wie das Bild eines im Krieg verwundeten Kindes den Frieden verhindern soll.