Tolkiens Weiße Stadt soll Wirklichkeit werden

Ein Architektenteam will eines der monumentalsten Sets der Filmgeschichte Wirklichkeit werden lassen. Dafür sammeln sie jetzt per Crowdfunding Geld ein. Und zwar nicht gerade wenig.

Screenshot Youtube/jullingen

Wenn die Crowdfunding-Kampagne von einer Gruppe junger Briten aufgeht, können wir 2023 alle wie Gandalf nach Minas Tirith reiten. Screenshot Youtube/jullingen

Das beeindruckendste Filmset aus dem Jahr 2003? Ganz klar. Minas Tirith, die „Stadt der Könige“ oder auch „Weiße Stadt“ aus Peter Jacksons Filmadaption des Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“. Wie Heerscharen von Orks und Trollen anrücken, um die Stadt einzunehmen – einmal gesehen, gehen einem diese Bilder nur schwer aus dem Kopf.

Für diese beeindruckenden Szenen ließ der Regisseur die Location im Maßstab 1:72 nachbauen. Sieben Meter hoch, sechseinhalb Meter breit und tief. Einzelne Gebäude erweckte das Filmteam sogar im Maßstab 1:14 zum Leben.

Wenn es nach einer Gruppe Twens aus Großbritannien geht, war das noch gar nichts. Ein Architektenteam um Jonathan Wilson will J.R.R. Tolkiens Fantasiegebilde noch spektakulärer nachbauen. Lebensgroß. Dafür sammeln sie auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo Geld – um genau zu sein, bitte festhalten, 1,85 Milliarden Pfund. 2023 soll die Stadt stehen.

Klingt nach einer Schnappsidee. Im Interview gibt Wilson auch zu, dass die Idee zum Projekt aus Spaß bei einem „Herr der Ringe“-Marathon entstanden sei. „Meine Freunde und ich haben rumgesponnen, welche Location aus dem Film man mit einer Crowdfunding-Kampagne ins reale Leben holen könnte“, sagt der 24-Jährige. „Schließlich haben wir uns auf Minas Tirith geeinigt, weil es uns am ehesten realisierbar erschien.“

„Uns ist klar, dass wir mit einer Kampagne dieser Größenordnung in unerforschtes Crowdfunding-Territorium vorstoßen.“

Am ehesten realisierbar? In seinen Romanen und den ausufernden Notizen beschreibt Tolkien die Stadt als 300 Meter hohe Festung, die in einen Berg geschlagen wurde. Andere Settings wären bedeutend unkomplizierter nachzubauen: die Hobbit-Höhlen zum Beispiel (bereits mehrfach als Hotel umgesetzt), Tom Bombadils Haus, selbst das kleine Örtchen Bree.

Haben diese Architekturkids ein Rad ab? „Uns ist klar, dass wir mit einer Kampagne dieser Größenordnung in unerforschtes Crowdfunding-Territorium vorstoßen“, sagt Wilson. „Aber das viele positive Feedback zu unserem Projekt hat uns echt umgehauen. Das gibt mir die Hoffnung, dass wir unser Ziel tatsächlich erreichen können. Wenn nur jeder, der unsere Facebook-Seite geteilt hat, 15 Pfund gibt, hätten wir schon über 178.000 zusammen.“

„Wenn nichts draus wird, haben wir hoffentlich zumindest andere inspiriert.“

178.000 sind aber lange keine 1,85 Milliarden Pfund. Aber Wilson lässt sich nicht unterkriegen: „Wir können die Skepsis an der Idee total gut verstehen, das kommunizieren wir ja auch auf unserer Kampagnen-Seite so. Und wenn nichts draus wird, haben wir hoffentlich zumindest andere inspiriert, kreativer und ambitionierter zu sein und sich auch großen Herausforderungen einfach mal zu stellen.“

Und wer weiß: Vielleicht sind Die-hard-Fans des Tolkienschen Werkes so verrückt, für 100.000 Pfund eine eigene Residenz im realen Minas Tirith zu schießen oder die Kampagne für zwei Übernachtungen mit 900 Pfund zu unterstützen. Gut sechs Wochen bleibt Wilson und Co. noch, um die Kohle für ihren Traum vom lebensgroßen Minas Tirith aufzutreiben.