Trump lässt Camp für Ölpipeline räumen – Native Americans ziehen mit Feuer und Trommeln ab

Zwei Jahre lang hatten die Mitglieder des indigenen Stammes Standing Rock Sioux und ihre Unterstützer*innen gegen den Bau der Dakota Access Pipeline protestiert. Jetzt wurde das Camp auf Anweisung des Präsidenten geräumt.

Die selbstgebauten Holzkonstruktionen auf dem Gelände setzten die Aktivist*innen in Brand, bevor sie der Aufforderung zur Räumung nachkamen. © Stephen Yang/Getty Images

Weder Polizeigewalt noch Schneestürme hatten die Standing Rock Sioux Tribe abgehalten, gegen den Bau einer fast 2.000 Kilometer langen Ölpipeline durch ihr Reservat zu protestieren. Im Dezember lenkte die Regierung unter Barack Obama ein und zog zumindest vorübergehend die Erlaubnis zum Bau der Pipeline zurück. Die Aktivist*innen hatten den Beschluss des Präsidenten gefeiert. Es war nur ein kleiner Sieg, aber er brachte einen Funken Hoffnung für die Stammesmitglieder und ihre Unterstützer*innen.

Abschied vom Camp

Ende Januar folgte dann die Schocknachricht. Präsident Trump unterzeichnete nicht nur einen Erlass, der die Baugenehmigung wieder erteilte, sondern er gab auch die Erlaubnis, das Camp Oceti Sakowin zu räumen und direkt mit den Bauarbeiten zu beginnen. Ein Großteil der Aktivist*innen verließ das Camp nun friedlich und wenige Stunden vor Ablauf der Deadline. Sie zogen mit Trommeln, Bannern und einer umgedrehten US-Flagge ab. Zuvor hatten sie die Holzhäuser, die vorübergehend auf dem Gelände errichtet worden waren, als Teil einer Abschiedszeremonie in Brand gesetzt.

Bei der schlussendlichen Räumung von Oceti Sakowin waren nur noch wenige hundert Protestierende anwesend. Nachdem die letzten Entscheidungen vor Gericht fielen, hatten die Aktivist*innen bereits im vergangenen Jahr begonnen, mehrheitlich den Heimweg anzutreten. Phasenweise hatten bis zu 5.000 Menschen auf dem Gelände gelebt. Ein Zusammenkommen verschiedener Stämme in dieser Größe hatte es zuletzt 1876 vor der Schlacht bei Little Big Horn gegeben.

About 100 protesters chanted and waved flags while voluntarily marching out of the #StandingRock protest camp ahead of Wednesday's deadline to evacuate (Video by Sara Sidner)

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Der Kampf geht weiter

Die Regierung brachte einige der Aktivist*innen mit Bussen nach Bismarck und stellte ihnen Kleidung, Essen und Hotelzimmer zur Verfügung, bevor sie in ihre Heimatstädte zurückkehren. Ein Teil der Protestierenden soll sich aber auch auf andere, kleinere Camps im Reservat verteilt haben, von denen aus die Bauarbeiten weiter friedlich blockiert werden sollen. Eine der Camp-Leiterinnen sagte im Interview mit der Time, dass die Proteste in jedem Fall weitergehen werden. „Freiheit liegt in unserer DNA und wir haben keine andere Wahl, als diesen Kampf fortzuführen.“

Die ursprünglichen Pläne zur Verlegung der Pipeline hatten im Übrigen eine Route in der Nähe der Stadt Bismarck vorgesehen. Erst nachdem die mehrheitlich weiße Bevölkerung sich gegen die Bauarbeiten aussprach, beschloss die Planungskomission den Weg durch das Standing-Rock-Sioux-Reservat zu wählen. Von den geplanten Bauarbeiten sind nicht nur private Grundstücke betroffen, sondern auch eine Begräbnisstätte des Stammes sowie die Flüsse und Seen, die ihnen heilig sind. Voraussichtlich 75.000 Liter Rohöl sollen täglich mit Hilfe der geplanten Pipeline durch vier US-Bundesstaaten transportiert werden.