Trump schafft es nicht, kein frauenfeindlicher Widerling zu sein

Da ist er wieder, der offen misogyne Präsident der USA. Er scheint das bisschen Selbstkontrolle wieder zu verlieren, das er sich zum Amtsantritt antrainierte. Endlich. Ein Kommentar.

Die Maske rutscht. Archivbild © Gettyimages

Man kann Donald Trump viel vorwerfen, aber eines nicht: dass er sich den amerikanischen Menschen falsch verkauft hätte. Er zeigte sich während der gesamten Wahlkampfes in den USA genauso, wie er ist. Egoistisch, narzisstisch, rassistisch und vor allem frauenfeindlich. Man kann das widerlich finden – aber immerhin war er damit authentisch.

Die Kolleg*innen des Telegraph haben sich die Mühe gemacht, alle sexistischen und frauenfeindliche Kommentare, die von Trump bekannt sind, mit Quellen zu sammeln. Das sind so einige. Aber pünktlich zum Amtsantritt wurde es zumindest in dieser Sache still um ihn, er hielt sich zurück. Bis jetzt. Endlich spricht wieder die Wahrheit aus ihm.

Der echte Trump ist wieder da

Die meisten seiner frauenfeindlichen Sprüche trafen während der Wahlperiode seine Kontrahentin Hillary Clinton, aber es gab da noch etwas mehr. So nannte er etwa eine ehemalige Miss-Universe-Gewinnerin „Miss Piggy“, er philosophierte darüber, ob eine Fox-Journalistin ihre Tage habe, weil sie ihn für sexistische Kommentare kritisierte und sagte, Abtreibung solle strafbar sein.

Auch einige Aussagen aus seiner Vergangenheit kamen ans Licht. Wir erinnern uns an die Sache mit dem pussygrabbing, oder daran, wie er nach einem zehnjährigen Mädchen auf der Rolltreppe gierte, oder daran, wie objektivierend er über seine eigene Tochter sprach.

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Wer Trumps bisherige Amtszeit beobachtete, die*den könnte das Gefühl beschlichen haben, er habe sich geändert, er habe sich seiner Präsidentschaft zugunsten besonnen. Natürlich ist das mitnichten der Fall. Er übte sich lediglich in Selbstkontrolle. Aber wie das so mit Menschen ist, die keine Grenzen, keinen Respekt, keine Abwägung und Integrität kennen, rutscht selbst die größte Maske unter Stress irgendwann.

Innerhalb von zwei Tagen zeigte uns Trump, dass die rohe Misogynität noch immer in ihm schlummert. Am Dienstag unterbrach Trump ein Telefonat mit dem irischen Premierminister, um die irische Journalistin Caitriona Perry sexistisch herabzuwürdigen. Zunächst pfiff er sie zu sich, dann sagte er „Und wo kommen Sie her? Nur zu, kommen Sie, kommen Sie. Wo kommen Sie her? Wir haben die Schönsten der irischen Presse hier“. Nachdem er sie kurz begutachtete, wendete er sich wieder seinem Telefonat zu. „Sie hat ein wunderschönes Lächeln. Ich wette, sie behandelt einen gut.“

Am Donnerstag startete Trump über Twitter eine brutale Attacke auf eine weibliche Moderatorin von MSNBC, Mika Brzezinski. Er nennt sie in seinem Tweet zunächst „Low IQ Crazy Mika“, dann erzählt er schwankhaft, wie sie versucht habe, ihn in seinem Domizil und Golfclub Mar-a-Lago zu treffen, er aber Nein gesagt habe, „weil sie wegen eines Facelifts blutete“.

Machen Sie nur weiter so, Mr. President

Da bekommt der beinah selbstreflexiv wirkende Moment vom April, bei dem Trump sagte, die Präsidentschaft sei „hart“, eine ganz neue Bedeutung. Natürlich ist es hart, es ist immer hart, wenn man sich verstellen muss.

Man kann sich förmlich vorstellen, wie gerne der arme Donald Trump in seiner reichtumsverwöhnten Golfclubmentalität weiterhin frei über die schwache Weiblichkeit herziehen würde, seine Machtposition für abwertende Anmachsprüche nutzen, den Wert der Frauen in seiner Umgebung wieder in Äußerlichkeiten und Fickbarkeit messen zu können.

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Die Menschen, die Trump angreift, leiden, ihnen gebührt Mitgefühl. Doch so hart das klingt: Für die Allgemeinheit ist es besser, dass Trump zeigt, wer er wirklich ist, wie auch Michelle Goldberg bei Slate schreibt. Es ist besser, er kehrt all den Schmutz nach außen, statt ihn zu verstecken.

Denn so wächst die Angriffsfläche auf ihn kontinuierlich. Statt immer nur über fragwürdige Dekretunterschriften zu lamentieren, erreicht die Kritik gegen den Mann so wieder viel tiefgründigere, menschlichere Dimensionen. Das wird dem Widerling, der sich Präsident schimpft, mehr gerecht. Es ruft ins immer wieder ins Gedächtnis, was da im Weißen Haus gerade passiert. Und dass das alles andere als normal ist.