Trumps Kabinett kommt erstmals zusammen, um seinen großen Anführer zu lobpreisen

Trump hat seine erste Kabinettssitzung abgehalten und sie lief im Prinzip genau so, wie wir es uns in unseren schlimmsten Albträumen vorstellen.

Das ganze Lob nur für mich? Awww! © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Kabinettssitzungen sind normalerweise eine tolle Gelegenheit, sich politisch auszutauschen. Hier kann der Präsident über Probleme sprechen, die dringend gelöst werden müssen und sich den Rat und Beistand seiner Mitarbeiter*innen holen. Gemeinsam arbeiten sie dann an dringlichen Themen, sprechen über die politische Lage und finden einen gemeinsamen Weg. Normalerweise.

Andere Präsidenten waren vielleicht auf den Rat ihres Kabinetts angewiesen, um regieren zu können. Nicht jedoch der unfehlbare Donald J. Trump. Außer ihm hätte wohl niemand solch bahnbrechende Pläne erarbeiten können, wie die Border Wall (mit dekorativen Solarzellen) oder den Muslim Ban. Klar, beide Ideen werden nie Realität werden, aber er ist und bleibt der einzige, der voller Leidenschaft für diese Projekte einsteht, obwohl sie gegen die Verfassung seines Landes verstoßen.

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Seine Überlegenheit gegenüber anderen politischen Führer*innen ist somit einwandfrei bewiesen und schlägt sich auch in seiner ersten Kabinettssitzung nieder: Während seine Vorgänger diese verschwenden mussten, um Berater*innen um Rat zu fragen oder über die aktuelle politische Lage zu sprechen, konnte The Donald sich in seiner ersten Sitzung auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren: sich selbst.

Lobpreiset den Präsidenten

Zunächst eröffnete Trump die Kabinettssitzung, indem er neue Minister vorstellte und lobte. Kurz darauf kam er endlich zu den relevanteren Themen: wie toll er ist, wie viele amazing Dinge er schon erreicht hat (Spoiler: all die Dinge) und warum er generell der beste Präsident aller Zeiten ist.

Es hat nie einen Präsidenten gegeben, mit wenigen Ausnahmen, zum Beispiel FDR (Franklin D. Roosevelt) – er musste die Finanzkrise in den Griff bekommen – der mehr Gesetze verabschiedet, der mehr Dinge erreicht hat, als wir es getan haben.“ – Donald Trump

Die großen Errungenschaften seiner Regierung, die er nicht müde wurde aufzuzählen, sind zwar bisher noch nicht in tatsächliche Gesetze umgesetzt wurden, doch das kann ja noch werden. Und wieso sollte seine Politik der Konfrontation und Arroganz auch nicht dazu führen, dass der Rest der Welt ganz wild auf Zusammenarbeit und blühenden Handel mit den USA ist?

Doch das war natürlich noch nicht der Höhepunkt der Kabinettssitzung. Nach seiner eigenen Rede ging es so richtig ans Eingemachte: die Loblieder seiner Mitarbeiter*innen! Eine*n nach dem*r anderen rief er sie auf, damit sie sich mit Namen und Position vorstellen und ihre Dankbarkeit für ihren Präsidenten Ausdruck verleihen konnten.

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Wie die New York Times berichtet, nutzten die Worthabenden dieses Privileg auch reichlich aus, um all ihre Liebe und Zustimmung für ihren politischen Führer zu erklären. So versicherte Mike Pence: „Das größte Privileg meines Lebens ist es, als Vizepräsident einem Präsidenten zu dienen, der sein Wort gegenüber dem amerikanischen Volk hält“. Reince Priebus trumpfte mit „Wir danken Ihnen für die Gelegenheit und den Segen, Ihrer Agenda dienen zu dürfen“ noch auf.

Die Journalist*innen des Guardian waren sogar so ergriffen, dass sie die gesammelten Liebesgedichte an den Präsidenten in ihrem Artikel über die Kabinettssitzungen veröffentlichten. Welch großer Tag für diese stolze Nation.

Passiert das hier gerade wirklich?

Doch nicht alle Beobachter*innen erkannten die Schönheit dieses vollkommenen Momentes der Eintracht und Ehrlichkeit. Einige Journalist*innen zogen sogar einen Vergleich zu Diktaturen wie Nordkorea. Welche infame Unterstellung! Natürlich ist eine solche Veranstaltung, in der Mitarbeiter*innen geschlossen hinter ihrem Präsidenten stehen, ihm ihre Treue und Anerkennung versichern und sich demütig seinem Willen fügen, nichts, was jemandem den Magen verknoten sollte.

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Und auch dass der Präsident Lob und Unterwürfigkeit einer Kritik oder Beratung vorzieht, ist selbstverständlich ein Zeichen für seine Kompetenz und absolute Überlegenheit gegenüber all seinen Vorgängern. Die USA könnten jedenfalls nie im Leben eine Diktatur wie Nordkorea sein – das Land wird ja weder von einem inkompetenten Familienclan regiert, noch von einem Mann mit schlechter Frisur, Größenwahn und fehlender Selbstbeherrschung geleitet.

Puh, da haben wir wohl alle noch einmal Glück gehabt.

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