Wer öfter vom Sofa aus arbeitet, macht einen besseren Job

Wie bringt man sich selbst in einen produktiven und kreativen Arbeitsmodus? Und wie fällt das Lernen leichter? Es ist die Wechselwirkung zwischen neuen Impulsen und gewohntem Umfeld. Etwas, das die meisten Büros nicht bieten.

Auch zu Hause entstehen kreative Lösungen. Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Raus aus den starren Strukturen

Was macht eine Arbeitsumgebung zu einer guten? Eine, in der sich produktiv und vor allem kreativ arbeiten lässt? Darauf gibt es viele Antworten, wie etwa dass es nicht zu laut sein und mehr Platz als in einer Sardinenbüchse vorhanden sein sollte – und gerne auch mal die Idee des leeren Schreibtisches, genannt clean desk policy. Einer Maßnahme, die von manchen Unternehmen gefordert wird, damit Angestellte nicht in ihrem Chaos versinken und den Kopf frei für die To-do-Liste haben. Eine Idee, die man durchaus kritisch betrachten kann, aber dazu später mehr.

Grundsätzlich ist das schön und gut, aber damit ist eben noch lange nicht alles zum Thema gesagt. Denn unser Gehirn ist nicht nur sehr komplex gestrickt, sondern wir reagieren auch typabhängig sehr unterschiedlich auf Umgebungen und auch Tageszeiten. Den einen heißen Tipp gibt es also nicht. Aber wem die oben genannten Ratschläge nicht ausreichen oder vielleicht auch gar nicht helfen, muss nicht verzweifeln, denn es gibt gänzlich andere Ansätze, um in ein besseres und vor allem kreativeres Arbeiten zu kommen. Und die sollten sich insbesondere Führungskräfte zu Herzen nehmen, die nach kreativen Angestellten rufen. Um die zu bekommen, muss man sich nämlich auch für Modelle neben einer klassischen Präsenzkultur von 9-to-5 öffnen.

Hier kommen also drei Ideen, die auf mehr Individualität in Sachen Arbeitsumgebung abzielen und damit das Leistungs- und Motivationslevel im Team deutlich heben können.

3 Gründe, warum die klassische Büro-Atmosphäre euch beim Arbeiten hemmt und wie es besser geht

1. Arbeitszeiten, die zum eigenen Biorhythmus passen

Ein Morgenmensch wird abends ebenso wenig gute Arbeit leisten, wie ein Nachtmensch früh am Tag – also würde man gut daran tun, seinem Team bei den Arbeitszeiten etwas Freiraum zu lassen. Denn damit verschenkt man nicht nur wichtige Arbeitsstunden, die zwar bezahlt werden, in denen aber nicht die Leistung kommt, die man haben könnte. Zudem kann dieses Arbeiten gegen den eigenen Biorhythmus krank machen und demotivierend ist es noch dazu. Wer also Angestellte will, die gleich losstarten können, wenn ihr Arbeitstag beginnt oder nicht schon stundenlang in den Seilen hängen, muss akzeptieren, dass aus einer Lerche nie eine Eule wird und andersherum – und darauf reagieren.

2. Ungewohnte Umgebungen regen an

Wer nicht immer stur das ganze Jahr im Büro sitzt, sondern auch mal das Homeoffice nutzt, im Garten, am See, vom Sofa oder auch ganz woanders aus arbeitet, bekommt damit nicht nur neue Impulse für die anstehenden Aufgaben und erweitert damit das kreative Potenzial, sondern kann sich in der Regel auch zu Lernendes besser merken. Denn das Gehirn reagiert auf neue Reize, indem die Gedächtnisleistung gestärkt wird.

Angestellte werden also kreativer und können sich wichtige Infos besser merken, wenn sie die Freiheit haben, den Arbeitsplatz selbst und der Aufgabe entsprechend zu bestimmen. Hierbei ist aber wichtig, dass auch von zu Hause oder im Freien nicht durchgearbeitet wird, was gerne aus der Angst zustande kommt, die Kolleg*innen könnten denken, man sonne sich den ganzen Tag, wenn nicht alle fünf Minuten eine E-Mail geschrieben wird, sondern bewusst Pausen eingebaut werden. Denn besonders in diesen Ruhephasen werden die Synapsen neu sortiert, was Gelerntes nicht nur besser abspeichert, sondern auch die Kreativität pusht. Klingt gut, oder?

3. Ein Arbeitsplatz, der zu uns passt

Die vorhin schon angesprochene clean desk policy sollte man durchaus auch kritisch beäugen. Denn, ja, wenn der Schreibtisch nicht im Chaos versinkt, hilft das natürlich, sich zu strukturieren oder auch leicht mal im Team den Arbeitsplatz zu tauschen, um sich untereinander neu zu vernetzen. Andererseits reagiert das menschliche Gehirn positiv auf Vertrautes, es gibt Sicherheit und ermöglicht so ein freieres Denken – und das bedeutet, dass es sich sehr positiv auf das kreative Arbeiten auswirkt, wenn es den Angestellten erlaubt ist, den eigenen Arbeitsplatz individuell zu gestalten. So simpel, so gut.

Wer also ein kreatives Team will, sollte auch eine Unternehmenskultur etablieren, die sich von den starren So-war-es-doch-immer-Strukturen löst. Sprecht mit euren Angestellten – wenn ihr gut gewählt habt, habt ihr ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, und damit auch ganz unterschiedlichen Stärken, sowie Impulsen eingestellt, was unternehmerisch nur dann sinnvoll ist, wenn sie auch entsprechend agieren dürfen.

Und liebe Angestellte, reagiert, wenn die Arbeitsatmosphäre nicht zu euch passt und sprecht mit euren Vorgesetzten. Denn es braucht auch eure Initiative, damit sich was ändert.


Von Silvia Follmann auf EDITION F.

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