Über Nazis in der Familie reden – undenkbar?

Tausende junger Israelis gehen jedes Jahr auf eine besondere Klassenfahrt: Die „Reise nach Polen”. Dort suchen sie nach Spuren ihrer Vorfahren, die von den Nazis umgebracht wurden. Was wisst ihr über eure Familiengeschichte während der Nazi-Zeit?

© gebrueder beetz filmproduktion

Avishag posiert für ein Selfie am Grab ihres Ururgroßvaters. © gebrueder beetz filmproduktion

Für mich ist der Holocaust das grausamste Ereignis aller Zeiten. Um etwas zu verändern, muss manchmal etwas Extremes passieren. Der Holocaust hat dazu geführt, dass wir gekämpft und den Staat Israel aufgebaut haben.

– Ron Dagan, Schülerin

Dass die 11. Klasse in den nächsten Tagen vier ehemalige KZ auf dem Programm hat, spürt man in den Youtube-Videos der Schüler kaum – so ausgelassen ist die Stimmung. „Wir waren aufgekratzt, haben gesungen und Quatsch gemacht. Ihr wisst ja: Wir sind halt Kids“, sagt Ron in die Kamera.

Erst als die Jugendlichen auf dem jüdischen Friedhof ankommen, verstehen sie, wo sie sind. Stille. Grübeln. Schock. „So viele Gräber, unglaublich“, sagt jemand. Knapp 400.000 jüdische Gräber sind auf dem Friedhof in Polen zu finden.

Eins gehört dem Ururgroßvater von Avishag. Als sie es findet, ist sie sichtlich bewegt. „Wow, das wird für meinen Opa total aufregend sein. Es war ihm so wichtig, dass ich es finde“, sagt Avishag. Sie zündet eine Kerze an – und macht ein Selfie am Grabstein.

„Nichts verbindet uns mehr mit dieser Reise als persönliche Geschichten“, sagt die Lehrerin. Und dann geht es schnell weiter, der Zeitplan muss eingehalten werden.

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Eine Woche lang sind Avishag, Shlomi, Ron und ihre Mitschüler*innen auf den Spuren ihrer Vorfahren, die in Polen durch das Nazi-Regime ums Leben kamen. Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Gettos, 14 Gedenk-Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel.

In einer fünfteiligen Reihe zeigen wir diese besondere Klassenfahrt, die als Suche jedes Einzelnen nach Spuren seiner Familiengeschichte beginnt, doch mehr und mehr zu einer Art gemeinsamer Pilgerfahrt wird, die es den Teilnehmern ermöglicht, den Verlust und das Leid ihrer Vorfahren nachzuvollziehen. Alle Videos dieser Reihe bestehen ausschließlich aus Youtube-Material von israelischen Jugendlichen.


#uploading_holocaust ist eine gebrueder beetz filmproduktion, in Koproduktion mit udiVsagi production, BR und rbb, gefördert durch das Medienboard Berlin-Brandenburg, Nationalfonds Österreich, Zukunftsfonds Österreich und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung.