Um die Menschheit zu retten, baut Stephen Hawking das kleinste Raumschiff der Welt

Wenn wir nicht innerhalb der nächsten 100 Jahre einen Notausgang finden, werden wir den Klimawandel nicht überleben, sagt Stephen Hawking. Ein winziges Raumschiff soll deshalb den nächsten bewohnbaren Planeten auskundschaften.

Stephen Hawking ist wenig optimistisch, was das Fortbestehen der Erde – und damit der Menschheit – betrifft. © Jemal Countess/Getty Images

Was Stephen Hawking auf dem Starmus Festival berichtete, sollte uns allen den Angstschweiß auf die Stirn und Tränen in die Augen treiben: „Die Menschheit ist verloren, wenn wir nicht die Erde verlassen.“

In spätestens 100 Jahren, so der Professor, werden wir zum Leben keinen Platz mehr auf diesem Planeten haben. Präsident Trumps Entscheidung, aus dem Klimaabkommen auszusteigen, habe die Dringlichkeit nur noch erhöht. „Wir haben unserem Planeten dieses desaströse Geschenk des Klimawandels gegeben. Bei anderen Krisen gab es meistens einen anderen Ort, zu dem wir umsiedeln konnte. Aber es gibt keine neue Erde, keine Utopie um die Ecke“, sagte Hawking.

Aber wo sollen wir hin?

Hawking appelliert, dass wir so schnell wie möglich den Mars (so sieht’s da aus) und andere Planeten erschließen und besiedeln sollten. Und er schlägt konkrete Maßnahmen vor, wie wir dieses Ziel erreichen könnten:

  1. Wir müssen die Kosten von Weltraumflügen dramatisch reduzieren.
  2. Wir müssen neue Technologien entwickeln, die uns weiter und schneller ins All bringen.
  3. Wir müssen neue Planeten entdecken, die bewohnbarer sind als die, die wir bisher kennen.
  4. Wir müssen herausfinden, wie wir auf unbewohnbaren Planeten, wie Mars, doch überleben könnten.

Hawking und andere Wissenschaftler*innen, aber auch Menschen aus anderen Branchen, investieren seit Jahren mit Milliardenbeträgen in die Raumfahrt.

[Außerdem bei ze.tt: Es gibt jetzt eine Landkarte vom Mars – falls ihr da hinwollt]

Ein Raumschiff so groß wie eine Briefmarke

Seit 2016 arbeitet Hawking zusammen mit einem russischen Milliardär und Mark Zuckerberg an einem Nano-Raumschiff, das nur so groß wie eine Briefmarke ist. Star Chip, wie das Raumschiff heißt, soll ins Sternsystem von Alpha Centauri fliegen und dort Bilder von der sogenannten zweiten Erde Proxima b machen und zu uns schicken. Mithilfe von Lasern soll Star Chip auf eine Geschwindigkeit von 180 Millionen Kilometer pro Stunde durchs All flitzen. Das ist ungefähr ein Fünftel der Lichtgeschwindigkeit. Die Reise zu unserer möglichen Rettung soll nur 25 Jahre dauern – quasi ein Katzensprung im All. Zum Mars bräuchte das Raumschiff nicht einmal eine Stunde und zum Pluto zwei Tage, sagte Hawking.

© Giphy

Leider, gibt Hawking zu, wird Star Chip nie Menschen befördern können, selbst man es auf die Größe eines mit einer Crew besetzten Raumschiffs skalieren würde. „Wir können es nicht anhalten“, sagt er. Es könnte uns lediglich den Notausgang zeigen.

Hoffnung gibt es: Die NASA hat in dieser Woche zehn neue, erdähnliche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt, auf denen Leben möglich sein könnte.

Und wenn wir keinen Notausgang finden?

Nicht alle Klimawissenschaftler*innen stimmen mit Hawkings Appell überein. Einige kritisierten seinen Vorstoß als „kopflose Geste“, die dazu führen könnte, dass wir unsere aktuellen Probleme nicht angehen. Sie befürchten: Wenn wir zu viel Energie und Geld darauf verwenden, das All zu erforschen, vernachlässigen wir womöglich wichtige Maßnahmen wie die Reduktion von CO₂.

Wissenschaftlerin Katharine Hayhoe, die auch auf dem Festival sprach, schrieb auf Twitter: „Als Klimaforscherin weiß ich, dass ungehinderter Klimawandel die Zivilisation erdrücken wird, lange bevor wir aussteigen können.“ Auch sie wies daraufhin, wie wichtig Klimaschutz sei – damit wir auf diesem Planeten bleiben können oder wenigstens Zeit bekommen, einen neuen zu finden.


Fühlst du dich jetzt auch scheiße nach dem Lesen? Tut uns leid! Vielleicht kann dich dieses Video aufheitern: In unser Serie „Die Welt ist noch zu retten“ stellen wir positive Nachrichten aus der Wissenschaft vor.