Ungewöhnliche Ferienjobs, Teil 1: Leben und Arbeiten auf 2600 Metern

Justin Treutlein hat im Sommer 2015 für einen Monat auf einer Schweizer Berghütte gearbeitet. In der Abgeschiedenheit musste er sich an eine völlig neue Lebensweise gewöhnen und sich täglich um bis zu 50 Wandergäste kümmern. Zwischendurch blieb noch Zeit für Abenteuer auf dem Gletscher.

© Justin Treutlein

Die Oberaletschhütte © Justin Treutlein

Was war euer ungewöhnlicher Ferienjob? Schreibt uns, was ihn so besonders machte, wie euer Arbeitsalltag aussah, und was euer aufregendstes Erlebnis war.

Was macht den Job so besonders?

Kurz gesagt: die Abgeschiedenheit. Die Oberaletschhütte liegt auf 2640 Metern oberhalb des Oberaletschgletschers im Jungfrau-Aletsch UNESCO-Weltnaturerbe in den Schweizer Alpen. Allein die Anreise war schon ein Abenteuer: Mit einer Seilbahn fuhr ich zunächst auf die Belalp. Von dort hatte ich noch über vier Stunden Wanderung mit zwölf Kilo Gepäck und rund 550 Höhenmetern vor mir, vorbei am größten Gletscher der Alpen, dem rund 24 Kilometern langen Aletschgletscher. Gegen sieben Uhr abends erreichte ich die Hütte, meinen Arbeitsplatz.

Der Oberaletschgletscher, im Hintergrund das Nesthorn. © Justin Treutlein
Der Oberaletschgletscher, im Hintergrund das Nesthorn. © Justin Treutlein

Auf der Hütte musste ich mich auf andere Lebensgewohnheiten einstellen. Zum Beispiel musste das Leitungswasser erst abgekocht und anschließend mit Mineralien und Elektrolyten vermischt werden, um es genießbar zu machen. „Wenn man es einfach so trinkt dehydriert man und übergibt sich“, erklärte ich immer wieder unseren Gästen.

Die Stromversorgung war ungewöhnlich. Fotovoltaikanlagen sorgten bei Sonnenschein für volle Batterien, um Licht und Kühlschränke zu versorgen. Für besonders stromfressende Geräte wie Staubsauger und Hochdruckreiniger benötigten wir zusätzlich noch einen Generator. Das Benzin dafür wurde extra mit einem Hubschrauber eingeflogen. Wir mussten also äußerst energie- und wassersparend arbeiten.

Auch die Lebensmittel hat der Helikopter auf die Hütte geliefert. Diese Flugaktionen faszinierten unsere Gäste besonders, vor allem dann, wenn sie selbst beim Ausladen anpacken durften. Die Hilfe war nötig: Die Fracht musste möglichst schnell ausgeladen und verstaut werden, um die Kosten für den Hubschraubereinsatz so gering wie möglich zu halten. Eine Flugminute kostet rund 85 Euro.

Gekocht wurde mit Holz oder Gas. Und das für bis zu 50 Gäste. Der Siedepunkt von Wasser liegt auf über 2500 Metern Höhe bei rund 90 Grad Celsius. Dementsprechend verlängern sich die Koch- und Garzeiten. Luftdicht verschlossene Verpackungen platzten teilweise bei der Lieferung und das Einschenken von Bier, vor allem Weißbier, war eine Herausforderung, weil es viel stärker schäumte.

Die Sanitäreinrichtungen bestanden aus zwei Plumpsklos, einem Waschbecken und einer Badewanne. Wassertemperatur: rund sieben Grad. Handynetz und Fernsehempfang gab es nicht. Nur ein UKW-Radio und ein Satellitentelefon lieferten Informationen und ermöglichten den Kontakt zur Außenwelt.

Die Lufttemperaturen auf der Hütte waren aufgrund der Nähe zum Gletscher nicht mit der Augusthitze im Tal zu vergleichen. Tagsüber hatten wir bei schönem Wetter rund 15 Grad, bei schlechtem unter zehn Grad. Nachts lagen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Und das im August.

Mein Arbeitsalltag

Um 6:30 Uhr klingelte jeden Tag der Wecker. Ich musste das Frühstück für die Gäste vorbereiten, anschließend abwaschen und putzen. Und das jeden Morgen, inklusive Samstag und Sonntag. Danach ging’s ans Kuchen- und Brotbacken. Auf rund 2600 Metern kommt kein Bäcker vorbei. Inzwischen kann ich sagen: Backen ist einfacher als ich gedacht hatte. Man benötigt nur Mehl, Salz, Wasser und Hefe – und ein bisschen Übung.

Ich musste außerdem täglich die Zimmer und das Plumpsklo putzen und die Betten machen. Bevor ich fertig war, waren meist schon die nächsten Gäste da, an guten Tagen bis zu 50 Personen, an schlechten fast keine. Meine Aufgabe war es, die Tagesgerichte zuzubereiten und zu kellnern: Suppe kochen, Älplermaccaroni, Käseschnitten und Wurstplatten zaubern und nebenbei noch Getränke ausschänken.

Blick Richtung Süden. Die Gipfel am Horizont gehören zu Italien. © Justin Treutlein
Blick Richtung Süden. Die Gipfel am Horizont gehören zu Italien. © Justin Treutlein

War das Mittagsgeschäft vorbei, ging’s meistens gleich mit dem Abendessen weiter: Gemüse für die Salate schneiden, Dessert zubereiten und dann gleich mit dem Kochen anfangen. Jeden Abend gab es ein Drei-Gänge-Menü. Gegessen wurde alles vom gleichen Teller, bis auf das Dessert. „Das ist auf Berghütten so üblich“, erklärte ich den deutschen Gästen, die manchmal etwas verwundert waren.

Nach dem Abendessen musste ich das Geschirr von Hand abwaschen und die Küche saubermachen. Danach planten wir das Essen für den nächsten Tag und kochten den sogenannten „Marschtee“, ein Tee-Zucker-Gemisch als Proviant für die Weiterreise unserer Übernachtungsgäste.

Die Abende verbrachten wir meist mit den Alpinisten in familiärer Atmosphäre. Ich fand es immer interessant, was unsere Besucher so zu erzählen hatten. Sie waren aus halb Europa. Und so ging ein anstrengender Tag zu Ende. Durchschnittliche Arbeitszeit bei vollem Hause: 12 Stunden.

Meine abenteuerlichste Erfahrung

Arbeitsfreie Tage gab es auch, an denen ich die Umgebung erkundete. Meine Kollegin Seraina und ich kamen auf die Idee, eine Nacht auf dem Gletscher zu campieren. An einem klaren Abend machten wir uns im Dunkeln auf den Weg zum Ferner hinab. Die Wanderung erforderte äußerste Trittsicherheit und Konzentration. Überall lagen lose Steine herum. An Felsen waren bis zu 15 Meter hohe Leitern montiert, die den Abstieg ermöglichten.

Schlafen auf dem Gletscher. © Justin Treutlein
Schlafen auf dem Gletscher. Der Berg im Hintergrund ist das Aletschhorn (4193 Meter). © Justin Treutlein

Nach rund einer halben Stunde Gehzeit waren wir auf dem Gletscher. Jetzt musste ich die Stelle finden, die ich tagsüber schon ausgesucht und präpariert hatte. Winzige Reflektoren der Aletschhorn-Route dienten uns als einzige Orientierung. Wir befanden uns in einer Wüste aus Geröll und Eis, irgendwo im Nirgendwo.

Die Nacht war kalt. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Immer wieder hörten wir herabfallende Steine, die in unsere Richtung rollten. Wir waren weit genug vom Talrand entfernt und der Hügel auf dem wir schliefen, bot uns zusätzlichen Schutz, das wusste ich. Trotzdem war mir immer ein bisschen mulmig zu Mute.

Unter freien Himmel draußen zu schlafen, hatte aber auch seine Vorteile: Ich habe noch nie so viele Sternschnuppen gesehen.

Fazit

Mitte August war mein „Schaffen“, wie der Schweizer so schön sagt, leider schon vorbei. Es war an der Zeit, die Heimreise anzutreten. Voll gepackt mit vielen neuen Erfahrungen und einem volleren Geldbeutel, freute ich mich ehrlich gesagt schon wieder auf die Zivilisation.

Alles in allem hat es mir richtig Spaß gemacht, auch wenn’s manchmal echt anstrengend war. Als ich unten ankam, musste ich mich erst wieder an eine normale Infrastruktur gewöhnen: So hatte ich im vergangenen Monat kein einziges Auto gesehen und war nie in einem Supermarkt einkaufen.

Nützliche Infos

Wer sich für einen Hüttenjob bewerben möchte, sollte körperlich fit sein, die Berge lieben und vielfältige Aufgaben erledigen wollen. Der schnellste und einfachste Weg ist, sich über das Internet zu bewerben. Schreibe auf einer der folgenden Seiten eine Kurzbiografie und warum genau du als Hüttenhilfe geeignet bist. Viele Hüttenwarte suchen nämlich dort nach Unterstützung. Alternativ kannst du auch gezielt nach Hütten suchen und sie direkt anschreiben. Das funktioniert in der Regel aber nur mäßig.


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