UNICEF-Bericht: So könnten wir das Leid von Kindern auf der Flucht verringern

28 Millionen Kinder müssen weltweit aufgrund von Krieg und Gewalt ihre Heimat verlassen. Dies geht aus einem Bericht des Kinderhilfswerks UNICEF hervor. An den Bericht gekoppelt sind konkrete Forderungen an die Regierungen der UN-Staaten, wie das Leid der Kinder auf der Flucht zu verbessern wäre.

© UNICEF/UNI176266/Ojeda

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Der Körper des ertrunkenen Aylan Kurdi am griechischen Strand. Der leere Blick des syrischen Kindes Omran Daqneesh, der staubverdreckt und blutend im Krankenwagen sitzt. Diese Bilder haben sich in unser Gehirn eingebrannt. Sie stehen für unfassbares Leid, dass Kindern auf der ganzen Welt jeden Tag aufgrund von Kriegen und Flucht erfahren.

Laut dem UNICEF-Bericht „Uprooted“ (PDF) flüchten weltweit rund 28 Millionen Kinder vor Gewalt und Krieg. 17 Millionen sind innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht, 11 Millionen treibt es über die Landesgrenzen hinaus. Hinzu kommen rund 22 Millionen Kinder, die zwar nicht unmittelbar von bewaffneten Konflikten bedroht sind, aber auf der Suche nach einem besseren Leben ihre Heimat verlassen. Die Flüchtlingszahlen haben sich damit im Vergleich zum Jahr 2005 verdoppelt.

UNICEF begnügt sich nicht damit, diese erschütternden Zahlen einfach zusammenzutragen. Am 19. und 20. September werden die Vereinten Nationen in New York auf einem Sondergipfel zu weltweiten Flucht- und Migrationsbewegungen tagen. Das Kinderhilfswerk hat hierfür sechs konkrete Forderungen an die Regierungen ausformuliert:

© UNICEF/UN025282/Gilbertson VII Photo
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„Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.“

Eine Flucht birgt gerade für Kinder große Gefahren. Tagelange Fußmärsche. Gefährliche Bootsfahrten. Die Abhängigkeit von skrupellosen Schlepperbanden, die oft leichtfertig mit dem Leben der Geflüchteten umgehen. UNICEF fordert deshalb, Schleuserbanden gezielter zu bekämpfen und das Schutzsystem in Form von mehr und besser ausgebildeten Sozialarbeiter*innen auszubauen.

„Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss aufhören.“

Laut dem UNICEF-Bericht gibt es weltweit mehr als 100 Länder, die Kinder aus Gründen inhaftiert, „die in Zusammenhang mit Migration stehen“. Physische und psychische Trauma könnten die Folge der Inhaftierung sein.

„Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren, rechtlichen Status zu geben.“

Beim Einwanderungsprozess in ein fremdes Land passiert es häufig, dass Familien aufgrund bürokratischer Vorgänge auseinander gerissen werden. Das Kinderhilfswerk fordert, dass die Politik Maßnahmen ergreift, die das Zusammenbleiben der Familien stärkt.

„Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.“

„Der Migrationsstatus eines Kindes sollte niemals ein Hindernis darstellen, Zugang zu essentiellen Gütern zu haben“, schreibt UNICEF in dem Bericht. Zu diesen essentiellen Gütern zählt die UN-Organisation neben Bildung und Gesundheitsversorgung auch Unterkunft, Nahrung, Wasser, sanitäre Einrichtungen sowie Zugang zu Rechtsbeistand und psychologischer Betreuung.

„Fluchtursachen müssen bekämpft werden.“

Das bestmögliche Szenario wäre natürlich, wenn Kinder überhaupt nicht in die Situation kommen würden, ihre Heimat verlassen zu müssen. Deshalb fordert UNICEF Gewalt und Armut in den jeweiligen Ländern stärker zu bekämpfen. Außerdem soll der Zugang zu Bildung gefördert werden. „Fehlende Bildungschancen sind für viele Kinder und ihre Familien einer der Hauptgründe, ihre Heimat zu verlassen“, heißt es in dem Bericht.

„In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert werden.“

Auch in den Ländern, in denen die Kinder mit ihren Familien ankommen, ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – auch wenn sie dort nicht mehr konkret von Bomben und Krieg bedroht werden. UNICEF fordert deshalb, dass sich die Regierungen stärken dafür einsetzen, dass Geflüchtete besser integriert werden und nicht Opfer von Fremdenfeindlichkeit oder Diskriminierung werden.