Unser Guide für den Eurovision-Song-Contest-Abend

„Thunder and Lightning, it’s getting exciting“ singt der Russe Sergej Lazarev in seinem ESC-Favoriten-Song. Wir stimmen zu – und schauen in unserem großen Guide für den ESC-Abend, wer ihm den Sieg streitig machen könnte. Spoiler: Die Deutsche Jamie-Lee ist es nicht.

© Thomas Hanses (EBU)

Mit unserem ESC-Guide könnt ihr heute Abend mitreden. © Thomas Hanses (EBU)

Welche Songs erwarten uns beim ESC und was genau wollen die Künstler*innen uns eigentlich mit ihnen sagen? Damit du heute Abend mitreden kannst, zählen wir hier chronologisch alle teilnehmenden Länder und deren Songs auf – und geben unsere Einschätzung ab:

1. Belgien: Laura Tesoro – What’s the Pressure

Einen äußerst raffinierten Einstieg bietet Belgien. In bester Selbsthilfe-Ratgeber-Manier sinniert Laura Tesoro darüber, woher eigentlich immer all der Druck kommt, den wir uns machen. Diese Kernfrage der Postmoderne unterlegt sie mit hübsch aus der Zeit gefallener Disco-Musik und einer großartig antrainierten Grinse-Tanz-Routine, die Detlef Soost (sorry, „D!“) sicher zu einer Recall-Einladung erwärmt hätte. Wie im wahren Leben wird gute Laune ohne Substanz vermutlich zu nichts führen, mehr als ein solider Mittelfeld-Platz dürfte nicht drin sein.

2. Tschechien: Gabriela Gunčíková – I stand

Wie gleich ein halbes Dutzend anderer Länder war auch Tschechien im Ausland shoppen: Im schwedischen Duty Free hat sich Gabriela Gunčíková mit „I Stand“ eine lupenreine Disney-Ballade geschossen. Das Ding plätschert ein wenig vor sich hin, wird aber kompetent gesungen. Sympathisch zurückhaltend auch, dass es Gunčíkovás größter Show-Effekt ist, während des Songs die Frisur zu lockern und ihre Haare offen zu tragen.

3. Niederlande: Douwe Bob – Slow Down

Den zweiten Lebenshilfe-Song innerhalb von zehn Minuten liefert nach der Belgierin der Niederländer. Mit halb zugequollenen Augen hat sich der Douwe Bob (Duh-We) am Dienstag ins Finale gesungen. Das chillaxende Country-Cleverle erinnert uns daran, dass wir in diesen hektischen Zeiten doch alle mal einen Gang runterschalten sollten. „Slow Down“ ist als Zuruf in einem von Rock-Käfigen und Selbst-Hologrammen (We’re looking at you, Armenia!) geprägten Video-Musik-Wettbewerb natürlich ein Wahnsinnseinfall. Doppelt smart: Sollte es nix werden mit der Eurovision, kann er dank Hals-Tattoo und aufgeknöpftem weißem Hemd problemlos als Barista in einem Hilversumer Hipster-Café anfangen.

60 seconds, 17 questions… GO! #teamdouwe #esc

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4. Aserbaidschan: Samra Rahimli – Miracle

Es wird zur Kompetenz-Illusion gerne dazu gesagt, wenn ESC-Teilnehmer*innen eine klassische Musikausbildung haben. Auch Samra Rahimli aus Aserbaidschan war an der Musikhochschule, erzählte NDR-Kommentator Peter Urban am Dienstag im Semi. Soooo toll kann der NC da jetzt nicht sein, denn in den Proben hat die Gute ihren Gesang ziemlich oft ziemlich versemmelt. Aber man weiß sich zu helfen: Prompt wurde eine stimmenstarke schwedische Kollegin mit viel ESC-Erfahrung für den Background engagiert. Die ist zwar nicht im Fernsehen zu sehen, übernimmt aber weite Teile des Refrains für Rahimli. Wie toll die Eurovision die Völker verbindet!

5. Ungarn: Freddie – Pioneer

Der AnnenMayKantereit-Gedächtnispreis für den größten Unterschied zwischen Aussehen und Stimme geht an den Ungarn Freddie. Mit Durchhalteparolen wie „A Million Hearts of a Million People“ jaunert er sich tapfer durch sein „Pioneer“. Sein Lässig-Look mit Jeans, hochgegelten Haaren und um Mitleid heischenden Dackelblick wird von den etwas unmotivierten Background-Pfeifern unterstützt. Für den Show-Effekt muss also ein Drummer mit Riesentrommel sorgen, was uns an einen echten ESC-Fun-Fact erinnern lässt: Alle Instrumente sind stets Playback, nur der Gesang ist live.

6. Italien: Francesca Michielin – Nessun grado di separazione

Francesca aus Italien singt in ihrem Liebesliedchen davon, dass zwischen sie und ihren Lover kein Blatt passt, eben „Nessun grado di Separazione“. Ranschmeißer-Qualitäten hat die 21-Jährige auch bewiesen, als sie im April beim Papst im Vatikan zu Gast war. Seitdem hat sie mit Homie Franziskus ein Selfie.

Forever in my heart! Grazie Papa Francesco! ❤️ (l'abbiamo chiamato "autoscatto", ma in ogni caso sì, è un selfie proprio con LUI.)

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Für ihre gelungene juryfreundliche Ballade hätte es ohnehin wohl für einen Platz unter den ersten zehn gereicht, auch wenn sich die seltsame Blumeninszenierung nicht sofort erschließt.

7. Israel: Hovi Star – Made of Stars

Subtilität ist seine Sache nicht: Hovi Star singt „Made of Stars“ – und am Ende gibt’s Pyro-Sternenregen (Fun Fact: Alle Feuerwerks-Effekte müssen die Teilnehmerländer selbst bezahlen, beim ESC gilt quasi künstlerische Halbpension – was den meisten Zuschauer*innen eh klar sein dürfte). Er singt die Ballade sicher und engagiert, aber es bleibt unklar, wie viele Anrufer*innen diesen Song nicht nur in ihre Top 5 stecken, sondern ihn als bestes Stück des Abends sehen.

8. Bulgarien: Poli Genova – If Love was a Crime

„If Love was a Crime – We would be Criminals“ singt Poli Genova aus Bulgarien. Anscheinend würde die flippig-fröhliche 29-Jährige aber wohl Einzelhaft wählen, denn ihr an sich recht flottes Lied singt sie völlig allein auf der Bühne. Natürlich ist ihre „Liebe ist niemals ein Verbrechen“-Botschaft ein unverschämtes Ranwanzen an die Christopher-Street-Day-Organisatoren dieses Kontinents. Aber ihr Ohrwurm hat eine sehr ordentliche Energie.

9. Schweden: Frans – If I were Sorry

Alles richtig macht Frans: „If I were sorry“ ist nicht nur grammatikalisch korrekt, sondern die Hintergrundbeleuchtung sieht auch noch aus wie ein Snapchat-Code. Auch der gar nicht mal so entfernt an „Catch and Release“ erinnernde runtergedimmte Dance-Song zeigt, dass da jemand einen ordentlichen Schluck aus der Zeitgeist-Pulle genommen hat. Der Schweden-Schlurfi kommt bei den Fans bisher nicht so gut an, hat aber laut den Übersichten bei esctracker.com für seinen Song schon gute Zahlen bei iTunes und Spotify.

10. Deutschland: Jamie-Lee – Ghost

Da steht sie also im Kunst-Wald mit grünem Laserlicht und singt von Geistern, unser Manga-Mädchen Jamie-Lee. Die 18-Jährige macht ihre Sache ganz gut, sie bewegt sich mehr als in der Vorentscheidung oder bei „The Voice“ und weiß den Song gut zu verkaufen. Schade bleibt neben der vermutlich viele Zuschauer*innen irritierenden Inszenierung weiterhin, dass man vergessen hat, ihrem Lied eine vernünftige Hook zu spendieren. Zusammen mit der unglücklich frühen Startnummer sorgt das dafür, dass die 18-Jährige aus dem niedersächsischen Springe bei Hannover nur bei einer Wettquote vorne liegt: Der für den letzten Platz. 

11. Frankreich: Amir – J’ai cherché

Amir stammt aus Frankreich und schaut so aus, als ob man Mark Ruffalo die Nase von Gérard Depardieu gegeben hätte – also wahnsinnig gut. Grinsend singt er eine fröhliche Mitklatsch-Pop-Dance-Nummer, die mit ausreichend Radio-Tauglichkeit daherkommt, so dass zum ersten Mal seit fast 40 Jahren der Sieg nach Paris kommen könnte. Kleinere Wackler dürften Amir nicht kümmern – bei Uptempo-Songs geht es oft mehr um Sympathie als um Stimme.

12. Polen: Michal Szpak – Color of Your Life

Auch der Pole Michal Szpak (sprich „Spack“, chrchr) versucht sich an Lebenshilfe und kleidet sich mit roter Uniformjacke und schwarz lackierten Fingernägeln wie ein alternder Graf beim Vampir-Therapeut*innentreffen in Breslau. „There’s no Life without Tears“ singt er – als ob uns Zuschauer*innen das zu diesem Zeitpunkt nicht schon längst klar wäre.

13. Australien: Dami Im – The Sound of Silence

„Schmeißt Euer Hirn aus dem Fenster, es ist ESC“ lautet auch das Motto, wenn es darum geht, dass Australien an einem europäischen Wettbewerb teilnimmt. Immer wieder wird angedeutet, dass die Verantwortlichen aus dem ESC einen weltweiten Wettbewerb machen wollen – dieses Jahr wird er auch in China und den USA übertragen – da sind erste Gehversuche mit Australien sicher nicht verkehrt. Aus Fairness muss man sagen: Castingshow-Siegerin Dami Im macht ihre Sache wahnsinnig gut und liefert eine radiotaugliche Powerballade. Das ist nicht viel, aber es ist auch nicht nichts – spätestens seit ihrem engagierten Halbfinal-Auftritt ist Im im Rennen (sorry, ich konnte nicht widerstehen).

14. Zypern: Minus One – Alter Ego

Seit Dreieinhalbhasenohrküken sind wir ausgestiegen, aber wir wissen trotzdem: Minus One aus Zypern singen etwas, das in einem Til-Schweiger-Film für die Im-Cabrio-durch-die-Straßen-Zeitrafferszene reserviert wäre. Eine Szene, in der Matthias Schweighöfer beschließt, doch noch zum Flughafen zu fahren, um Nora Tschirner für sich zu gewinnen. Wie bei einem halben Dutzend anderer Songs stecken auch hinter dieser dreist von den Killers („Somebody told me“) geklauten Nummer schwedische Produzenten

15. Serbien: Zaa Sanja Vucic – Shelter

Spätestens seit dem 5. Platz für den Ungarn Andras Kallay-Saunders ist ja klar, dass Vergewaltigung leider ein funktionierendes ESC-Thema ist. Da lässt sich die Serbin Zaa Sanja Vucic nicht zwei Mal bitten und singt eine klassische Ballade mit viel Streicher*innen und treibendem Background-Chor. Ein paar Punkte zusätzlich dürfte es geben, weil außer Kroatien kein Balkan-Land mehr im Finale ist, aber auch so bietet ihr Song genug Material für die unteren Top Ten.

16. Litauen: Danny Montell – I’ve been Waiting for this Night

Hardcore-Zuschauer*innen werden sich noch aus 2012 an Danny Montell erinnern. Damals sang er subtil mit Augenbinde „Love is Blind“. Inzwischen war er ein paar Mal im Fitnessstudio und hat sich eine neue Frise wachsen lassen. Seinen Saltotrick hat er aber auch schon damals gezeigt, was natürlich Abzüge in der B-Note für Originalität (beim ESC traditionell eher untergewichtet) gibt. An der plumpen Poppigkeit von „I’ve been Waiting for this Night“ ist nichts falsch – aber auch leider nichts wirklich richtig.

17. Kroatien: Nina Kraljic – Lighthouse

Mit einer etwas unguten Mischung aus Goth, Folk und Evanescence kommt Kroatien daher. Nina Kraljic hat in ihrer Heimat „The Voice“ gewonnen (nun ja, wer hat das nicht in diesem Jahr?), ist aber während der drei Minuten von „Lighthouse“ nur der zweitgrößte Star auf der Bühne. Noch weiter vorne ist ihr doppeltes Trickkleid, dessen innere Solarpanels sicher die Energie für die LED-Wand im Hintergrund besorgen müssen.

18. Russland: Sergej Lazarev – You Are the only one

Ach, die Russen … Sie wollen es so, soooo sehr. Beim letzten Sieg im Jahr 2008 fuhr Dima Bilan dafür einen Stargeiger, eine Stradivari, eine kleine Eisfläche und einen Eiskunstlauf-Weltmeister auf. Auch dieses Mal gilt wieder: Gäbe es irgendwo auf der Welt singende Kühe – sie wären für den Auftritt engagiert worden. Dieses Jahr muss Sergej Lazarev die üblicherweise sehr effektiven Ambitionen seines Landes ausbaden, in seiner Heimat ist er seit Jahren ein Star. Nach rund zwei Drittel des Songs ist Lazarev vor, über und auf eine Leinwand geklettert, sogar die Schwerkraft hat er scheinbar überwunden. Als Zuschauer*in wünsche er sich die Plastikkanonen herbei, mit denen bei „Takeshis Castle“ die Kandidat*innen zwischen den Stationen beschossen wurden, schrieb User „eurovicious“ drüben im sehr guten Forum von sofabet.com. Unbestreitbar aber: Der Song ist krass eingängig und Lazarev kann wirklich total gut die Arme zur Seite werfen – kein Wunder, dass er als Top-Favorit gilt.

19. Spanien: Barei – Say Yay!

Nay, nay, NAY! Für Spanien singt Barei zum ersten Mal in der Geschichte des Landes komplett auf englisch. Sie hat einen coolen Fuß-Move drauf, aber „Say Yay!“ braucht trotzdem zu lang, um in die Puschen zu kommen. Nett ist dafür die „Nächstes-Mal-bessermachen!“-Textzeile: „We only got today to learn from our yesterday“, mit der Barei sich vermutlich an all diejenigen wendet, die es schon im letzten Jahr falsch fanden, den Wettbewerb zu schauen.

20. Lettland: Justs – Heartbeat

Am Ende des Songs hat man ein wenig Angst um Justs. Der singt sich nämlich während seiner Electro-Ballade „Heartbeat“ sehr in Rage; beim Blick in seine Augen ist man als Zuschauer*in unsicher, ob er vor Rührung weint oder ob da möglicherweise ein, zwei Äderchen geplatzt sind. Das hochwertig produzierte Stück wurde von Aminata Savadogo (whoot?) geschrieben, der rotbekleideten Dame, die letztes Jahr für Lettland auf Rang sechs landete. Der Song ist sauber inszeniert und möglicherweise ein wenig zu harmlos, aber dürfte fast in ähnliche Höhen vorschießen.

21. Ukraine: Jamala – 1944

Der Beitrag aus der Ukraine ist ein klagender Schrei über Besatzung und Völkermord – genau die Art Mitklatsch-Schlager, auf die man Lust hat bei einer durchschnittlichen ESC-Party zwischen Moskau und Lissabon. Doch Songs dieser Qualität sind selten beim ESC und bei Jamala kommt viel Gutes zusammen: Der Song ist modern, ihr Gesang auf den Punkt, die Inszenierung unterstützt statt abzulenken – und die Startnummer ist hervorragend. „Everyone Dies!“ Juchu!

22. Malta: Ira Losco – Walk on Water

Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon 14 Jahre ist es her, dass Ira Losco mit „7th Wonder“ die beste Platzierung aller Zeiten für Malta errungen hat. Damals reichte es für Rang zwei, ein Ergebnis, das für „Walk on Water“ sicher ausgeschlossen werden kann, denn die mit modernem Beat unterlegte Uptempo-Ballade (gibt’s sowas?) dümpelt ziemlich blutleer vor sich hin. Das ist doppelt verwunderlich, weil die maltesische Liz Hurley nach dem Sieg in der Vorentscheidung sich noch einmal ein anderes Lied hat schreiben lassen – natürlich in Schweden.

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23. Georgien: Nika Kucharov & Young Georgian Lolitaz – Midnight Gold

Georgien gelingt häufiger ein Überraschungseinzug ins Finale und dieses Jahr ist keine Ausnahme. Die Mitglieder der Osteuropa-Version der Babyshambles haben sich wie viele andere auch entschieden, ohne erinnerungswürdigen Refrain anzutreten und ihr „Midnight Gold“ einfach so solide runterzurotzen. Dafür darf der Lichtmensch auf alle Knöpfe drücken, die es gibt – und jeder Zuschauer weiß: beim ESC sind das sehr, sehr viele.

24. Österreich: Zoe – Loin d’ici

Im Jahr 1988 hat zum letzten Mal ein Song auf Französisch den ESC gewonnen – eigentlich ungewöhnlich, denn in den Charts verirrt sich ja regelmäßig ein Stück Franco-Pop auf die vorderen Plätze. Nettes Kalkül also, dass Ali-Zoé aus Österreich (of all people…) sich mit „Loin d’ici“ am Konzept „Hübsches Mädchen mit frankophilem Kleister-Pop“ versucht. In den vergangenen Wochen stieg sie zu einem Fanfavorit auf, aber wir alle erinnern uns ja daran, wie tief zum Beispiel die Ungarin Kati Wolf oder Xandee aus Belgien fielen. (Tun wir doch, oder? Wir erinnern uns!)

25. Großbritannien: Joe and Jake – You’re not Alone

Aaah, das Land von Adele, Muse und Florence and the Machine. Von dort kommt sicher ein großartiger Song mit internationalen Siegchancen Tralala-Duo mit leider recht belanglosem Radiopop. Die beiden Buben sind zwar charmant und haben eine gute Bühnenpräsenz, dennoch bleibt das Gesamtpaket fad: „We’re in this together“ singen sie. True that!

26. Armenien: Iveta Mukuchyan – LoveWave

Beim ESC dürfen maximal sechs Menschen auf der Bühne stehen. „Drauf geschissen“, haben sich die Armenier gedacht, „nehmen wir halt einfach Hologramme.“ Nun wird Iveta Mukuchyan als Geisterversion ein halbes Dutzend Mal gespiegelt. In engem Suit mit meterlangen Beinen gelingt es der in Hamburg lebenden Sängerin hervorragend, ihre innere Beyoncé rauszulassen. Etwas problematisch bleibt da die Musik: „LoveWave“ klingt wie drei Songs zum Preis von einem; die Zuschauer*innen, die sich nach dem ersten Hören an einen Refrain erinnern, dürften alle gleichzeitig in Peter Urbans Kommentatoren-Kabine passen.

Болеем за Армению!!! #eurovision2016 #armenia #artsakh #ivetamukuchyan #esc2016 #ESC #winner

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Und, schwuppdiwupp, nach knapp zweieinhalb Stunden dürften wir dann gegen 23.15 Uhr auch schon durch sein. Vier bis fünf Länder zählen zu den Top-Favoriten, alle Songs haben aber auch Schwächen: Frankreich (zu gleichförmig), Ukraine (zu sperrig), Russland (zu gewollt), Australien (zu weit weg) und Schweden (zu gelangweilt). Vermutlich wird nach langen Beratungen entschieden, dass niemand gewinnen sollte.

Was bleibt? Nun, der ESC wird in seiner 61. Auflage eine krass professionelle Show ohne viele Überraschungen und mit gut unterhaltender schwedischer Selbstironie. Richtig Peinliches gibt es kaum noch, dafür ist einiges ziemlich egal – aber wann war es das nicht? Unterm Strich bleibt die Faszination, dass es da überhaupt einen Abend gibt, an dem der halbe Kontinent zusammenkommt und einige hübsche Momente miteinander teilt. Das dürfte es gerne häufiger geben.


Das Finale wird am Samstag um 21 Uhr im Ersten und bei ndr.de gezeigt.

Alle Songs in voller Länge findet Ihr im YouTube-Kanal des Contests.

Wir widmeten diese Woche mehrere Beiträge dem ESC. Los ging es gestern mit den größten Skandalen aus 60 Jahren.  Am Dienstag hatten wir aufs erste Halbfinale geschaut, am Donnerstag auf das zweite.