„Rogue One“ ist der brutale Drecksack der „Star Wars“-Märchenreihe

Der erste Stand-alone-Film der „Star Wars“-Reihe ist dreckig, roh und alles andere als ein Märchen. Zum besten Film des Universums macht das „Rogue One“ aber nicht.

Dass „Star Wars“-Schöpfer George Lucas seine Filmreihe an Disney verkaufte, kritisierten Fans anfangs stark. Inzwischen dürften sie sich über die Entscheidung freuen.

Immerhin veröffentlicht der Micky-Maus-Konzern jetzt nicht nur im Jahresrhythmus neuen Fantasy-Stoff. Die jüngsten Filme sind darüber hinaus um einiges besser als das, was Lucas zuletzt vorlegte – oder würde irgendwer über die Episoden I bis III sagen, das war heißer Scheiß? Irgendjemand? Eben.

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Nach der erfolgreichen Fortsetzung der Hauptgeschichte um Luke Skywalker („Das Erwachen der Macht“) läuft seit Mittwoch der zweite „Star Wars“-Film ohne die Beteiligung von George Lucas im Kino. „Rogue One“ ist nicht der Anfang einer neuen Trilogie, sondern ein in sich geschlossener Film. Damit ist er alleinstehend, funktioniert losgelöst von der Hauptgeschichte und eröffnet die von Disney initiierte Subreihe „A Star Wars Story“. 2018 soll sie mit einem Film über Han Solo fortgeführt werden.

Die Märchenstunde ist vorbei

Die Story erzählt, was vor dem allerersten „Star Wars“-Film aus dem Jahr 1977 geschah: Ein kleiner Haufen Rebellen begibt sich auf die aussichtslose Mission, die Pläne für den Todesstern zu stehlen – von der gigantischen Superwaffe also, die Luke Skywalker am Ende von „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ mit nur einem Schuss zu Sternenstaub zerschmettern kann. Viele gute Leute seien gestorben, um an die Pläne zu kommen, heißt es in den alten Filmen beiläufig. „Rogue One“ stellt uns diese guten Leute vor.

Während die Haupthandlung wie ein Märchen anmutet, zeigt „Rogue One“ überraschend viel Härte. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwaschen, nicht nur das Imperium ist ein Haufen von Arschlöchern, auch die Rebellen geben ihre Soldat*innen unmoralische Aufgaben, die sie psychisch belasten. Der Sternenkrieg in „Rogue One“ ist damit ein realistischerer als in den Trilogien, in denen die Guten nie starben oder wenn doch, dann in dem ungetrübten Wissen, auf der eindeutig richtigen Seite gestanden zu haben.

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Zum besten Film des „Star Wars“-Universum macht dieses Mü mehr Authentizität den Film allerdings nicht. Den größten Teil des Films dröhnen den Zuschauer*innen Schlachten entgegen, die Charaktere bleiben dabei auf der Strecke. Allein Protagonistin Jyn gewinnt durch eine wichtige Vater-Tochter-Beziehung und gelegentliche Flashbacks in ihre Jugend an Detailtiefe. Mit Kylo Ren, Rey und Finn hat J.J. Abrams in „Das Erwachen der Macht“ weitaus ikonischere Figuren geschaffen.

tl;dr – Unsere Kritik in Kürze

Till

Das war gut: Endlich, endlich bekommt die Rebellion mehr Tiefe spendiert. Bisher war sie immer nur die „gute Seite“, ohne Probleme, ohne Schattenseiten. Jetzt wissen wir endlich, dass auch die vermeintlich Guten mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen haben. Außerdem wird ein Prinzip aus „Das Erwachen der Macht“ weitergeführt: Blaster-Schüsse sind brachial, Gewalt wird als Gewalt dargestellt und der Sternenkrieg als Krieg.

Das war schlecht: Es gibt eine Szene, die ist schlicht nicht zu verkraften. Als die Kamera über den Planeten fährt, auf dem Darth Vader sich regeneriert (Wir erinnern uns: Er verlor beim Kampf gegen Obi-Wan Kenobi Arm und Beine), hat man das Gefühl, man sehe hier nicht „Star Wars“, sondern „Herr der Ringe“. Vaders Turm (!) sieht aus wie der von Sauron in Mordor, inklusive Lava. Wie sich die Set-Designer*innen am Konzept von Barad-dûr bedienten, ist bestenfalls dreist – und wirft einen aus der sonst so gelungenen Science-Fiction.

Mark

Das war gut: Es ist ein bisschen so, als würde Regisseur Gareth Edwards krampfhaft alles, was er an „Star Wars“ gut findet, in seinen Film pressen. Für Fans ist das toll: der Todesstern in fantastischen Aufnahmen, Mon Mothma und Bail Organa, X-Wings im Einsatz, AT-ATs, Darth Vader – man bekommt die ganze Ladung auf die Augen und Ohren. Und das Ende, das ich nicht spoilern kann und will, ist grandios!

Das war schlecht: Nicht-Fans werden es schwer haben, sich in dieser Flut an Unbekanntem zurechtzufinden, zumal die Zusammenhänge nicht so ausführlich wie in der Hauptreihe erklärt werden. Das größte Problem des Films ist es aber, dass die Charaktere sehr blass bleiben. Die Protagonistin heißt Jyn, das erinnere ich – aber der Rest? Hm, Mist.