US-Studentin wird rassistisch beleidigt – und erhält geballte Unterstützung

Ein Kommilitone beschimpfte Natasha Nkhama mit den Worten „Auf dem Gehweg sind keine N*er erlaubt“ und berief sich dabei auf Donald Trump. Die Universität setzte danach ein bewegendes Zeichen gegen Rassismus.

© Natasha Nkhama Facebook

Natasha Nkhama (braunes Oberteil) erhielt am Freitagmorgen besondere Begleitung auf dem Weg zur Vorlesung. © Natasha Nkhama Facebook

Hat Donald Trump die Spaltung der USA vorangetrieben und das Land rassistischer gemacht? Sicher ist, dass er durch seine Rhetorik eher auf Eskalation und „Die-Gegen-Uns“-Botschaften setzte. Er beschimpfte Menschen aus Mexiko als Vergewaltiger*innen und Drogendealer*innen und stempelte junge Afroamerikaner*innen in den USA als Loser ab. An der Baylor University in Waco, Texas ist nun ein Student eine Kommilitonin körperlich angegangen und hat sie rassistisch beschimpft.

Das dürfte leider nicht nur in den USA häufiger vorkommen. Besonders ist die Geschichte aber, weil sich der Student auf Trump berief und wegen der Reaktion, welche die Freund*innen der Angegriffenen zeigten.

Natasha Nkhama (19) war auf dem Campus unterwegs, als ein männlicher Student auf sie zukam, sie vom Bordstein stieß und zu ihr sagte: „Keine N*er auf dem Gehweg!“ Sie selbst war so geschockt, dass es ihr die Sprache verschlug und sie nicht antworten konnte. Ein anderer Student fragte: „Was machst du da? Was soll das?“ Daraufhin antwortete der Angreifer mit „I’m just trying to make America great again“ – einer Abwandlung von Donald Trumps Wahlslogan „Make America great again“. Am Abend erzählte Natasha auf Facebook in einem Live-Video davon. Zum Ende des Videos sagt sie: „Falls du für Donald Trump gestimmt hast, hoffe ich, dass du merkst, was das für jemand anderen bedeutet.“

Das Video verbreitete sich schnell und Kommiliton*innen und Freund*innen entschieden, Natasha am Freitagmorgen gemeinsam zur Uni zu bringen – ohne ihr zuvor davon zu erzählen. Der örtlichen Zeitung Wacotrib zufolge versammelten sich gut 300 Menschen vor dem Tidwell Bible Building, wo sich Natasha zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Es waren vor allem Studierende, aber auch Uni-Mitarbeiter*innen und der Interims-Präsident der Universität.

Als Natasha die Tür öffnete, brandete Applaus auf. Natasha begann vor Rührung zu weinen. Singend und Arm in Arm mit ihren Freundinnen zog die Gruppe zum Gebäude, in dem sie die nächste Vorlesung hatte.

Manche Lehrkräfte hatten Studierende für die Aktion früher aus den Vorlesungen gelassen. Außerdem hat die Universität angekündigt, den Fall genau zu untersuchen.

Ich bin überwältigt von dieser Unterstützung. Ich weiß, dass sowas auf dem Campus nicht mehr passieren wird, weil es genügend Menschen gibt, die das nicht durchgehen lassen werden.

– Natasha Nkhama

Der Vorfall ist Teil einer größeren Debatte, in der auch Donald Trump eine Rolle spielt. Man mag ihn nicht für alle rassistischen, sexistischen oder schwulenfeindlichen Aussagen seiner Unterstützer*innen verantwortlich machen können. Aber er hat sie lange auch nicht verurteilt. Erst jetzt hat er sich auf Anfrage von Journalist*innen dazu geäußert – und das eher zaghaft. In einem Fernsehinterview mit 60 minutes sagte er:

Ich habe nie gehört, dass meine Anhänger rassistische oder schwulenfeindliche Ausdrücke benutzt haben. Ich bin überrascht, das zu hören. Tut das nicht, das ist furchtbar. Ich sage ‚Hört auf damit!‘