US-Wahl: Wie das Konzept „Trump“ funktioniert

Mehr als 5,7 Millionen Menschen folgen Donald Trump auf Twitter. Der US-Präsidentschaftskandidat nutzt die Bühne für abenteuerliche Thesen. Wie das Konzept „Trump“ funktioniert.

© Scott Olson/Getty Images

Redefreiheit müssen wir aushalten. Im Fall von Donald Trump tut das besonders weh. © Scott Olson/Getty Images

Donald Trump braucht seinen Parodie-Account eigentlich gar nicht. Unter @realDonaldTrump ist er sich selbst genug. Nach jahrelanger Hetze gegen Barack Obama schießt er derzeit lieber auf seinen republikanischen Gegenkandidaten Ted Cruz. Außerdem noch gegen Einwanderer, China, Kritiker ganz allgemein und vor einigen Jahren auch mal auf Energiesparlampen – die Krebs verursachen.

Trump wirkt auf uns nicht wie ein Mann, der Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte. Zu platt sind seine Behauptungen, zu durchschaubar die Strategie der Aggression. #MakeAmericaGreatAgain heißt der Hashtag zu Trumps Kampagne. Macht Amerika wieder groß.

Aber twittert er Unsinn? Zumindest nicht oft. Dieser Text war als Faktencheck geplant, ich muss jedoch zugeben: Prinzipiell liegt Trump mit seinen Aussagen selten daneben. Okay, da war dieser Tweet, der Paris kurzerhand nach Deutschland verlegte. „Mann in Pariser Polizeistation erschossen. Terrorwarnstufe ist auf dem höchsten Level. Deutschland ist ein Verbrecher-Chaos. Lernt daraus!“ Da hatte er sich um entspannte 400 Kilometer vertan.

Anlass für diese Analyse war übrigens dieser Tweet: „Das Konzept der globalen Erwärmung wurde von und für die Chinesen entwickelt, um US-Manufakturen die Wettbewerbsfähigkeit zu nehmen.“ Klingt absurd? Okay, aber tatsächlich stößt China das meiste CO2 aus.

Statistik: Die zehn größten CO2-emittierenden* Länder nach Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2015 | Statista

Rechnet man die Emissionen jedoch auf die Bevölkerung um, stehen die USA auf Platz 1, berichtet Zeit Online. Dann folgt Russland, China liegt auf Rang 3.

Nein, Trump verbreitet keinen Unsinn. Er wählt seine Fakten nur geschickt aus und verkauft sie so, dass sie wütend machen. Beispiel Iran. Die USA und Iran haben sich auf einen Gefangenenaustausch geeinigt. Trump: „Bei dem Iran-Deal bekommen wir vier Häftlinge. Sie bekommen 150 Milliarden Dollar und sieben ‚most wanted‘ Häftlinge und viele werden von der Beobachtungsliste gestrichen. Das schafft große Anreize für andere!“ Die Fakten stimmen. Die 150 Milliarden US-Dollar waren bislang eingefrorene Gelder, die nun freigegeben werden.

US-Präsident Barack Obama sagt dazu: „Das ist ein guter Tag. Wenn Amerikaner befreit und zu ihren Familien zurückgebracht werden, ist das etwas, das wir alle feiern können.“ Und die 150 Milliarden werden freigegeben, weil Iran die Auflagen des Atomabkommens erfüllt. Die USA zahlen nichts.

Nochmal Iran, anderes Beispiel: Vor einigen Tagen waren zehn US-Soldaten gefangen genommen worden. Trump: „Iran hat die USA mit der Gefangennahme unserer zehn Seemänner gedemütigt. Grauenvolle Bilder. Wir sind schwach. Ich werde das NICHT vergessen!“ 

Tatsächlich hatten Bilder wie dieses Aufregung ausgelöst:

Fakt ist: Die Soldaten waren in iranisches Gewässer eingedrungen. Sie deshalb festzunehmen mag übertrieben wirken, ist aber Teil der Machtspiele im Nahen Osten. Interessanter ist Trumps Wortwahl: „Ich werde das NICHT vergessen“, das passt in Trumps Kampagne, „Macht Amerika wieder groß“.

Die Kriegsrethorik ist gerichtet an jene Menschen, die ihr eigenes Schicksal mit dem Amerikas verknüpfen. Es ist eine klassische „Früher war alles besser“-Kampagne. Trump stellt sich dar als der starke Mann, der Amerika mit harter Hand an die Weltspitze stellt. Diplomatie? Die ist dem Wahlvolk schwer zu vermitteln.