Stanford: Vergewaltiger kommt nach drei Monaten Gefängnis frei

Spielte seine Hautfarbe eine Rolle für das geringe Strafmaß? Der Fall Brock Turner rief eine Debatte über die Gerechtigkeit des US-Justizsystems hervor. Heute kommt er frei – nach nur drei Monaten Haft.

© Justin Tallis/AFP/Getty Images

Brock Turner kommt früher aus dem Gefängnis. © Justin Tallis/AFP/Getty Images

Im Juni war Brock Turner, ehemaliger Student an der Standford-Universität in Kalifornen, ins Gefängnis gekommen. Eigentlich hätte er sechs Monate dort bleiben sollen, doch wegen guter Führung darf er nach nur drei Monate am heutigen Freitag die Haftanstalt in Santa Clara in San Jose verlassen. Er ist nun drei Jahre auf Bewährung.

Der Fall erregte wegen des niedrigen Strafmaßes bereits große Aufmerksamkeit. Die Anklage forderte sechs Jahre Freiheitsstrafe für Turner (von 14 möglichen). Richter Aaron Persky erklärte ihn in allen Belangen schuldig – und verurteilte ihn zu sechs Monaten Haft. Daran konnte auch die selbst verfasste, emotionale Stellungsnahme des Opfers über die Auswirkungen der Tat nichts ändern. Die las sie im Gerichtssaal in Anwesenheit von Turner laut vor. Sie begann mit den Worten: „Du kennst mich nicht, aber du warst in mir, und deshalb sind wir heute hier.“

Doch mehr als sechs Monate Haft hätten für Turner „schwere Auswirkungen“, begründete Persky die Entscheidung. Zudem würde von Turner keine Gefahr für andere Menschen ausgehen. Das niedrige Strafmaß und der Umgang des Richters mit dem Fall entfachten eine internationale Debatte darüber, wie unangemessen das amerikanische Justizsystem bei sexueller Übergriffen handeln würde. Die Öffentlichkeit fragte sich, ob vielleicht auch Turners Hautfarbe das Strafmaß milder ausfielen lies und warum sein Fahndungsbild erst so spät herausgegeben wurde.

Unterstützer*innen riefen eine Kampagne ins Leben, die zur Abberufung von Richter Persky aufforderte. Das 23 Jahre alte Opfer ist Teil der Kampagne: „Ich möchte, dass der Richter weiß, dass er einen kleinen Brand gelegt hat, und dass wir daher unsere Stimme erheben und ein Berufsverbot verlangen werden“, schrieb sie via Buzzfeed. Der Richter ließ sich daraufhin versetzen. Die Unterstützer*innen der Kampagne wollen am heutigen Tag der Freilassung erneut demonstrieren.


Die ganze Vorgeschichte könnt ihr hier nachlesen.