Vergesst eure Bucket-List – in Wahrheit braucht ihr eine Unbucket-List

Nach mehr streben können wir gut. Zufrieden sein mit dem, was wir können und bisher erlebt haben, ist schon schwieriger. An alle, die das kennen: Werft eure Bucket-List über Board!

Hört auf nach mehr zu streben. Und lebt im Hier und Jetzt. Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Wann sind wir gut genug?

Mehr. Dieses Wörtchen klingt simpel, hat es jedoch faustdick hinter den Ohren. Denn es fasst ganz genau das zusammen, was unsere Gesellschaft will. Was wir geben sollen. Was von uns verlangt wird. Wonach wir streben.

30 Dinge, die du vor deinem 30. Geburtstag erlebt haben musst. 100 Orte, die du vor deinem Tod besucht haben musst. 50 Dinge, die du getan haben solltest, bevor es zu spät ist.

Wollen. Sollen. Müssen. Nach einem höheren Ziel zu streben ist völlig legitim. Das spornt an und motiviert. Doch muss es in allen Bereichen wirklich immer mehr sein? Können wir uns da nicht auf einen Bereich beschränken, in dem das Streben nach mehr auch unserem persönlichen Willen entspricht? Muss ich im Job immer besser werden, meine Beziehung optimieren, an meiner Haltung arbeiten, neue Ideen entwickeln und umsetzen, über mich selbst hinauswachsen? Wann bitte ist es genug? Wann haben wir das Mehr erreicht? Wann endlich haben wir unsere Ruhe, können uns auf unser derzeitiges Können besinnen und einfach so leben, wie es uns beliebt?

Wenn das Mehr zu viel wird

Diese Gedanken hege ich schon länger – der Interview-Podcast von Matze Hielscher mit Milena Glimbovski kam da genau zur rechten Zeit. Milena, die selbst zweifache Unternehmerin ist und anhand eines Burn-outs merken musste, dass ihr Streben nach mehr zu viel war, trifft das Kernproblem der Gesellschaft auf den Punkt:

All das, was du machst und tust, ist niemals genug.“

Wir schreiben eine Bucket-List nach der anderen, denken an all die Dinge, die wir noch machen wollen, statt uns an die Dinge zu erinnern, die wir schon erlebt haben und uns daran zu erfreuen. Zumal ihr an den Dingen, die ihr auf die Liste schreibt, merkt, was bei euch wirklich hängen geblieben ist und ein unvergessliches Gefühl ausgelöst hat.

So zumindest ging es mir, als ich mich an meine Unbucket-List gesetzt habe. Da sind Reisen drauf, die ich nicht missen möchte. Menschen, die mein Leben zu dem machen oder gemacht haben, was es heute ist. Auch negative Erfahrungen, die ich irgendwie geschafft habe zu meistern und durch den Erfolg wieder als positives Learning auf meine Unbucket-List wanderten. Zwischendrin kommen dann sentimentale Momente, Gedanken wie „Krass, dass ich das schon gemacht und durchgestanden habe“ oder Flashbacks an einen bestimmten Geruch, an ein Gefühl oder Lied, das man mit dieser einen Erinnerung verbindet.

Lebt im Hier und Jetzt

Anstatt also immer nach dem Mehr zu streben und im Optimierungswahn zu verharren, sollten wir uns viel öfter Mut zusprechen: Du bist genug. Das, was du machst, ist genug. Du brauchst kein Mehr. Arbeite mit dem, was du hast und kannst. Werft eure Bucket-List über Board und hört auf, euch von ihrer Endlosigkeit demotivieren zu lassen. Lebt doch einfach mal. Ganz so, wie ihr es wollt.

Ihr wollt eine Bucket-List? Okay, aber lasst euch davon nicht unter Druck setzen. Besucht die Orte, von denen ihr wisst, dass sie euch gut tun. Tut die Dinge, nach denen euch ist. Umgebt euch mit den Menschen, die euch am Herzen liegen. Füllt eure Unbucket-List mit weiteren unvergesslichen Moment im Hier und Jetzt. Und zwar mit solchen Momenten, die sich gar nicht planen lassen, sondern einfach passieren. Weil der Ort stimmt, das Timing, die Menschen. Denn das sind die Momente, auf die es ankommt – und die lassen sich mit keiner Bucket-List der Welt herbeiführen. They just happen.


Von Lena Lammers auf EDITION F.

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