„Verkack es nicht“: Ein Ufo-Experte erklärt die Regeln für den Alien-Erstkontakt

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Was tun, wenn die grauen Männchen kommen?© picture alliance / Science Photo Library

Am Sonntag ist in den USA das Revival der Mystery-Serie „Akte-X“ gestartet – und wird bestimmt einen neuen Hype um Monster und Aliens auslösen. Sind sie wirklich unter uns? Und was machen wir, falls ja?

Was würde manche Verschwörungstheoretiker nicht geben, um mal einen Blick in die geheimen Ufo-Akten der Regierungen zu werfen. Nick Pope durfte das – mehr noch: Er hat die Akten geschrieben. Über 20 Jahre hinweg war der eloquente Brillenträger beim britischen Verteidigungsministerium angestellt. Dort hat er in den 90er-Jahren ganz offiziell untersucht, ob an den Ufo-Sichtungen im Land was dran ist. Und vor allem, ob uns die angeblichen Alien-Raumschiffe gefährlich werden könnten.

[Außerdem auf ze.tt: Was du über das „Akte-X“-Revival wissen musst]

Nick Pope hat als offizieller Ufo-Forscher Sichtungen analysiert.
Nick Pope hat als offizieller Ufo-Forscher Sichtungen analysiert.

ze.tt: Nick, immer wieder behaupten Leute, sie hätten außerirdische Raumschiffe gesehen. Wie groß ist die Chance, dass das wirklich Aliens waren?

Nick Pope: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es irgendwo im Kosmos noch anderes Leben gibt, schon da unsere physikalischen Gesetze und chemisch-biologischen Grundsätze überall im Universum zu gelten scheinen. Sind sie unter uns? Vielleicht. Bei meiner Arbeit für die Regierung kam ich allerdings zur Schlussfolgerung, dass 95 Prozent aller Ufo-Sichtungen Falschidentifikationen von ganz normalen Objekten und Phänomenen sind: Flugzeuge, Wetterballons, Meteore, Satelliten, Sterne, Planeten, Luft-Laternen und so fort. Einige dagegen sind geheime Flugzeug-Prototypen oder Drohnen. Weitere stellen sich als Fakes, das Resultat von Halluzinationen oder Einbildung heraus. Ein ganz kleiner Teil hingegen ist echt interessant und lässt sich nicht mit konventionellen Erklärungsversuchen ergründen – selbst nach intensivsten Untersuchungen.

Verschwörungstheoretiker behaupten, es würden Beweise dafür existieren, dass solche Sichtungen tatsächlich außerirdischer Natur sind. Doch würde die Regierung all die toten Aliens und abgestürzten Ufos verheimlichen. Ist das möglich?

Weil ich selbst für die Regierung gearbeitet habe, wurde ich sogar beschuldigt, „dazu zugehören“ und bei Vertuschungen zu helfen. Aber keine dieser Geschichten ist wahr – zumindest soweit ich weiß. Falls die britische Regierung Beweise hat, hat mir keiner davon erzählt. Doch da ich das Ufo-Projekt geführt habe, hätte ich es erfahren sollen. Mich überzeugt auch keine dieser Theorien. Sie alle klingen, als hätte sie jemand erfunden. Das einzige, was wirklich geheim gehalten wird, ist, wie wenig wir doch über Ufos wissen. Die peinliche Wahrheit ist wohl, dass die Regierungen der Welt ebenso weniger über die wahre Natur des Ufo-Phänomen wissen, wie die Öffentlichkeit.

Lass uns davon ausgehen, Aliens besuchen uns wirklich. Was sollte ich tun, wenn ich ein Ufo am Himmel sehe? 

Auch wenn ich sage, dass Fotos oder Videos alleine keine echte Beweiskraft haben, sollte man versuchen, die Sichtung visuell festzuhalten. Danach schreibst du am besten einen detaillierten Bericht mit allem, woran du dich erinnern kannst. Dazu das exakte Datum, die Uhrzeit und den Ort. Sende diesen Bericht dann an eine Ufo-Forscherorganisation wie das Mutual Ufo Network (MUFON). Die sind überall auf der Welt vertreten und können deinem Erlebnis nachgehen. Dazu würde ich die Medien kontaktieren. Wenn so eine Sichtung in der Zeitung auftaucht, finden sich oft auch andere, die das gleiche beobachtet haben.

Falls es der erste Kontakt zweier Spezies sein sollte, bist du quasi der Botschafter der Erde. Also solltest du’s nicht verkacken.

Und wenn eine Untertasse direkt vor mir landet und ein kleiner grauer Kerl mit großen Augen aussteigt – sollte ich rennen oder ihn begrüßen?

Mach Fotos und ein Video! Regeln gibt’s für so einen Fall sonst nicht. Aber zunächst sollte man, denke ich, freundlich sein. Wie immer, wenn man es mit einem oder etwas Fremden zu tun hat. Ich würde dem Alien in Freundschaft die Hand reichen. Man bedenke: falls es der erste Kontakt zweier Spezies sein sollte, bist du quasi der Botschafter der Erde. Also solltest du’s nicht für die restlichen sieben Milliarden von uns verkacken oder etwas Peinliches verzapfen. Daher: Viel Glück!

Man hört aber auch immer wieder diese gespenstischen Von-Aliens-Entführt-Geschichten. Was nun, wenn sie mich mitnehmen oder entführen wollen?

Wenn sie das schon tun, versuch ihnen was zu klauen. Wenn sie dich dann hoffentlich unverletzt zurück bringen und du hast eine Kaffeetasse auf der “Made in Alpha Centauri” steht, wirst du beweisen können, dass du das wirklich erlebt hast und Aliens existieren. Das erste unwiderlegbare Alien-Artfakt wäre eine ganze Menge Geld wert. Damit könnte sich die Entführung sogar als ganz profitabel herausstellen. Ganz zu schweigen von Einladungen ins Fernsehen und deiner Berühmtheit.

Nick, du bist jetzt nicht mehr im Dienst. Gibt’s aus deiner Zeit als offizieller Ufo-Forscher der Regierung nicht doch ein Geheimnis, das du noch loswerden willst?

Okay. Es gab mal eine Serie von interessanten Ufo-Sichtungen in Schottland. Wir hatten uns gefragt, ob die von einem neuen amerikanischen Spionageflugzeug verursacht würden, das angeblich unter dem Namen „Aurora“ entwickelt wurde. Wir fragten die Amerikaner, aber sie verneinten dessen Existenz. Einige Kollegen des Defence Intelligence Staff [Anm. d. Red: der britische Militärgeheimdienst] sagten dennoch, sie wären nicht verwundert, wenn das Flugzeug existieren würde. Wir fragten daraufhin erneut nach. Die Spekulation unsererseits wurde vom US Secretary der Air Force als Vorwurf einer Lüge und Irreführung des Kongress aufgefasst. Er war furchtbar sauer. Damit hätten wir beinahe einen Streit mit unseren nächsten politischen und militärischen Verbündeten vom Zaun gebrochen. Und das alles wegen eines Ufos.