Verschuldet an der Uni: Was du tun kannst

Der studentische Geldbeutel ist oft nicht prall gefüllt. Wir haben ein paar grundlegende Tipps für Studierende gesammelt, die in finanzielle Notlagen geraten sind.

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Nicht verzweifeln! © kallejipp / photocase.de

834 Euro. So viel hat ein*e Student*in in Deutschland laut Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks (PDF) durchschnittlich monatlich zur Verfügung. Aus der Umfrage geht auch hervor, dass Studierende 794 Euro im Monat ausgeben. Bleiben 40 Euro, zum Sparen oder für zusätzliche Anschaffungen. Soweit der Durchschnitt. Manche*r kommt sowieso nur knapp mit diesem Betrag zurecht – und dann gibt es Monate, in denen die Waschmaschine kaputt geht, eine Nachzahlung ansteht und der teure Handyvertrag so richtig reinknallt. Wer erstmal den Dispo ausgereizt hat, kommt da unter Umständen gar nicht mehr so leicht wieder raus. Was tun also, um Schulden zu vermeiden?

Miete und Krankenversicherung immer bezahlen

Um Geld zu sparen einige Monate aus der gesetzlichen Krankenversicherung austreten? Keine gute Idee. Auch, wenn du kündigst, in Deutschland ist es Pflicht, krankenversichert zu sein. Diese Schulden laufen also auf, weil sie auch rückwirkend erhoben werden können. Es mag in manchen Situationen verlockend erscheinen, in eine private Krankenversicherung zu wechseln, davon ist aber auch abzuraten. Wer da einmal drin ist, kommt so leicht nicht wieder heraus. Die Beträge können außerdem unvorhergesehen deutlich steigen.

Auch Miete – und zwar Warmmiete – muss unbedingt immer pünktlich bezahlt werden. Wenn in zwei aufeinanderfolgenden Monaten die Miete unvollständig gezahlt wurde und mindestens eine Monatsmiete fehlt, kann der Vermieter bereits fristlos kündigen. Verweise auf finanzielle Engpässe gelten da leider nichts.

Mietschulden und Krankenversicherungsbeträge sind existenzielle Schulden, die unbedingt bezahlt werden müssen!

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Bleib mit deinen Gläubigern in Kontakt und kündige Verträge

Es wäre völlig falsch, Mahnungen abzuwarten. Sobald du merkst, dass es Engpässe gibt, solltest du dich melden und mit deinen Gläubigern reden. Das weckt Vertrauen und verhindert unter Umständen Einträge in der Schufa, die jahrelang deine Kreditwürdigkeit in Zweifel ziehen können und es dir so beispielsweise schwerer machen, einen Miet- oder Mobilfunkvertrag abzuschließen. Vielleicht bietet man dir die Möglichkeit, deine Schulden zu stunden oder in geringeren Raten zu bezahlen. Außerdem solltest du alle Verträge, auf die du verzichten kannst, kündigen. Brauchst du Netflix, dein Fitnessstudio und die Fahrradversicherung deines alten Bikes wirklich?

Senke deine Ausgaben

Erstell dir einen Haushaltsplan mit den exakten Werten deiner Ein- und Ausgaben. Das kannst du natürlich schriftlich machen. Es gibt aber auch Apps (der Autor hat gute Erfahrungen mit justSPENT fürs iPhone gemacht, für Android bietet sich zum Beispiel MoneyControl mit guten Bewertungen im Google Play-Store an), in die sich leicht eintragen lassen, wofür du wie viel Geld ausgibst. Wenn du erstmal weißt, wofür du Geld ausgibst, fällt es dir auch leichter, unnötige Ausgaben zu vermeiden. Ratenkäufe tätigst du sowieso schon nicht mehr, vielleicht ist dies auch der perfekte Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören. Außerdem: Plan eine Woche im Voraus, was du Essen willst und kauf erstens satt und zweitens streng nach Einkaufszettel ein.

Erhöhe deine Einnahmen

Such dir einen Job. Studentische Aushilfsjobs sind meist ganz gut bezahlt. Ab dem dritten, vierten Semester hast du als Student*in bereits relativ viel drauf. Verkauf dich nicht unter Wert und angel dir einen guten Nebenjob – gerade in den Semesterferien ist da viel drin.

Bei deinem Studentenwerk kann es finanzielle Unterstützungen für Notlagen geben, etwa das Überbrückungsdarlehen (zinslos), den Sozialzuschuss (muss nicht zurückgezahlt werden) oder Hilfe aus den Studentwerk-eigenen Notfonds (in der Regel keine Rückzahlpflicht). Grundsätzlich Antragsberechtigt für solche Zuschüsse sind alle Studierende mit oder ohne deutscher Staatsbürgerschaft, die an einer (Fach-)Hochschule immatrikuliert sind.

Pfändungsfreigrenze

So schnell steht kein Gerichtsvollzieher vor deiner Tür – erst recht nicht, wenn du studierst und nicht besonders viel Geld zur Verfügung hast. Die Pfändungsfreigrenze bestimmt, welchen Teil deiner Einnahmen du bei einer eventuellen Privatinsolvenz behalten kannst. Wer aktuell bis zu 1079,99 Euro bereinigtes Nettoeinkommen hat und trotzdem verschuldet ist, kann überhaupt nicht gepfändet werden. Genauere Informationen und die Pfändungstabelle gibt es hier.

Such dir Hilfe

Verzweifle nicht an deinen Schulden. Die Sozialstelle deines Studentenwerks bietet verschiedene Beratungen an. Außerdem gibt es kostenlose (und einige gebührenpflichtige) Schuldnerberatungen in jeder Stadt. Für so eine Beratung ist es nie zu spät.