Veteranin zu Trumps Trans-Verbot: „Schau mir ins Gesicht und sag mir, dass ich nichts wert bin“

Nach Trumps Ankündigung Transexuelle aus dem Militär werfen zu wollen, regt sich heftiger Widerstand. Soldaten und Veterane sind wütend und kritisieren den Präsidenten.

Kristin Beck diente 20 Jahre lang in der US-Armee. © NICHOLAS KAMM/AFP/Getty Images

Donald Trump hat am Mittwoch angekündigt, transgeschlechtliche Menschen aus dem US-Militär verbannen zu wollen. Natürlich nicht auf einer offiziellen Pressekonferenz, sondern – wie es sich für einen Präsidenten gehört – via Twitter.

Der Grund? „Unser Militär muss auf entschlossene und überwältigende Siege fokussiert sein. Es kann nicht mit den enormen medizinischen Kosten und Störungen belastet werden, die transgeschlechtliche Menschen für die Armee bedeuten.“

Aus einer Studie, die vom Defense Department in Auftrag gegeben wurde, geht laut der Washington Post hervor, dass etwa 11.000 Trans-Menschen in der US-Armee sowie Reservist*innen von diesem Verbot betroffen wären. Sollte Donald Trump seine Tweets umsetzen, könnten diese Menschen ihre Jobs verlieren.

Kristin Beck ist eine Veteranin der Navy Seals. Sie diente 20 Jahre in der Armee. Kristin Beck wurde als Christopher Beck geboren. Im Business Insider sagte sie zu Trumps geplanten Verbot: „Schau mir ins Gesicht und sag mir, dass ich nichts wert bin.“ Ihr zufolge spiele es keine Rolle, ob jemand transgeschlechtlich sei oder nicht, um guten Dienst zu leisten.

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Auch Shane Ortega diente in der US-Armee. Laut Mic ist er der erste US-Soldat, der bereits während seines Dienstes offen zu seiner Transgeschlechtlichkeit stand. Das Magazin befragte ihn zu Trumps Transgender-Ban: „Trump hat sich um den Krieg herumgedrückt. Er führte ein Leben voller Privilegien, ist mit einem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen, er hat keinen Bezug zur Realität und ich weiß nicht, wie viel die amerikanische Öffentlichkeit davon noch sehen muss.“

Auf Twitter postete Ortega: „Wer transgeschlechtliche Mitglieder des Militärs angreift, greift amerikanische Kämpfer an. Der Präsident zeigt mal wieder seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Militärdienst.“

Protest kommt nicht nur aus den Reihen der Betroffenen, sondern auch von republikanischen Kolleg*innen wie dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten und Kriegsveteran John McCain. Dieser kritisierte laut der Washington Post nicht nur die Art und Weise, wie Trump das Verbot angekündigt hat, sondern auch den Inhalt:

„Das Department of Defense hat bereits beschlossen, dass Trans-Menschen, von denen viele derzeit ihren Dienst leisten, im Militär bleiben dürfen. Jeder Amerikaner, der den medizinischen Standards genügt und Bereitschaft zeigt, sollte seinen Dienst fortführen können. Es gibt keinen Grund, Menschen, die in der Lage sind zu kämpfen, zu trainieren, dazu zu zwingen, das Militär zu verlassen – unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.“

Das US-Militär gibt jährlich 41,6 Millionen Dollar für Viagra aus

Trumps Beschluss würde die von Barack Obama eingeschlagene Richtung gegenüber LGBT-Menschen im Militär rückgängig machen. Obama hatte sich dafür eingesetzt, LGBT-Menschen besser ins Militär zu integrieren. Unter seiner Präsidentschaft wurde die bislang geltende Regel Don’t ask, don’t tell aufgehoben, so die Washington Post. Soldat*innen müssen ihre sexuelle Identität seitdem nicht mehr geheim halten. Außerdem ermöglichte es Obama, dass bereits geoutete Trans-Menschen dem Militär beitreten dürfen.

Eine Studie, die seitdem die Folgen dieses Beschlusses untersucht, schätzt, dass medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit Geschlechtsumwandlungen das Militär jährlich zwischen 2,4 und 8,4 Millionen Dollar kosten. Das klingt erst mal nach viel Geld, es handelt sich jedoch laut der Studie lediglich um einen Anstieg um 0,13 Prozent der Ausgaben für Gesundheit.

Zum Vergleich: Laut einer Analyse der Military Times wurden 2015 allein 84 Millionen zur Behandlung von Errektionsproblemen ausgegeben. 41,6 Millionen Dollar gibt das Militär jährlich für Viagra aus, so die Analyse.

Und in Deutschland?

Laut einer veralteten Dienstvorschrift fällt „Störung der Geschlechtsdifferenzierung (z.B. AGS, Zwitter) oder -identität“ in Deutschland bislang unter die Kategorie dienstunfähig. Die Vorschrift werde so nicht mehr berücksichtigt, versicherte das Verteidigungsministerium in der taz. Man arbeite daran, diese zu ersetzen.

Die Bundeswehr schätze, dass ihr etwa 1.330 Trans-Menschen angehören – weil etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung transgeschlechtlich seien. Anastasia Biefang ist Oberstleutnant im Generalstab und berät Trans-Menschen für den Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr. Biefang erzählte der taz, dass dem Arbeitskreis drei Trans-Menschen angehören. Insgesamt hätte sie bislang von 30 innerhalb der Bundeswehr gehört.

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wirbt für eine neue Offenheit der Bundeswehr. Im Januar organisierte sie einen Workshop unter der Überschrift „Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr“. Dort sagte von der Leyen, dass die Bundeswehr im Wettbewerb um Talente stehe, so die Welt. Und wenn diese Talente schwul, lesbisch, trans- oder heterosexuell seien, „sind sie uns willkommen“.

Inwieweit diese politisch beworbene Offenheit auch in die unteren Ränge durchgesickert ist, wo oftmals Homosexualität noch als Tabu gilt, ist unklar.