Vier Studierende wollen die Trump-Propaganda auf Facebook stoppen

In den Monaten vor der US-Wahl stieg die Zahl an rechten Falschmeldungen auf Facebook rapide an. Vier Studierende haben ein Tool entwickelt, um unsere Timelines von den Fake News zu bereinigen.

Foto: © Jeff J Mitchell/Getty Images

Auf Facebook haben Trump-Anhänger*innen etliche Falschmeldungen abgesetzt. Studierende wollen die Propaganda behindern. Foto: © Jeff J Mitchell/Getty Images

Hillary Clinton hat Waffen an die Terrormiliz „Islamischer Staat“ verkauft. Rund um ihre E-Mail-Affäre war ein FBI-Ermittler tot aufgefunden worden. Die Demokraten bezahlten Leute, um bei Trumps Auftritten zu protestieren. Tom Hanks ist ein glühender Verehrer Trumps. Und der Papst auch.

All diese Meldungen ploppten vor der US-Wahl im Facebook-Newsfeed auf. Sie wurden tausendfach geliket und geteilt. Und alle davon waren frei erfunden. Hoaxes, Fake News – und dennoch im Netz erschreckend erfolgreich.

Laut einer Analyse von Buzzfeed stieg die Zahl der auf Facebook abgesetzten Falschmeldungen vor der US-Wahl rapide an. Insgesamt erzeugten die Beiträge sogar eine höhere Reichweite als die seriöse Berichterstattung der 19 wichtigsten Nachrichtenseiten wie New York Times oder Washington Post. Die Quelle des Unsinns? Vor allem Republikaner*innen, die mit den erfundenen Nachrichten die Trump-Propaganda unterstützen wollten.

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Nach der Wahl entbrannte eine Debatte darüber, ob die Fake News auf Facebook die politische Meinungsbildung der US-Bevölkerung beeinflusst haben könnten. Mark Zuckerberg streitet diesen Vorwurf ab. Er sagt, Fake News seien ein weniger großes Problem, als behauptet würde. 99 Prozent aller Inhalte seines sozialen Netzwerks seien authentisch, beteuert der Facebook-Chef in einem Post.

Bei Facebook habe man die Konservativen nicht verärgern wollen, indem man ihre Propaganda behinderte.

Einige seiner Angestellten empfinden die hohe Zahl der Fake News hingegen als besorgniserregend. Es hat sich eine inoffizielle Taskforce bestehend aus mehreren Dutzend Beteiligten gebildet, schreibt Buzzfeed, die dem Problem mit den Falschmeldungen beikommen will.

Wie durchsetzungsfähig diese Taskforce letztendlich bleibt, ist fraglich. Bereits im Mai habe man bei Facebook darüber nachgedacht, mit einem Newsfeed-Update gegen Fake News vorzugehen, wie das Tech-Magazin Gizmodo schreibt. Die Pläne wurden allerdings nie in die Tat umgesetzt – offenbar aus Angst. Analysen hatten ergeben, dass vor allem rechte Seiten Fake News in die Timelines spülen würden. Und bei Facebook habe man die Konservativen nicht verärgern wollen, indem man ihre Propaganda behinderte.

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Vier US-Studierende wollen das Problem jetzt ohne Facebooks Hilfe angehen. Anant Goel, Nabanita De, Qinglin Chen und Mark Craft entwickelten bei einem Hackathon eine Erweiterung für den Chrome-Browser zur Bekämpfung von Fake News. Mit Javascript, einer Programmiersprache, die sich zwei der Studis extra dafür beibrachten – und mit nur zwei Tagen Aufwand.

Einmal gratis installiert, läuft die Software FiB beim Surfen im Hintergrund mit. Sie scannt Bilder und prüft, ob etwa Screenshots von Tweets wirklich Screenshots von Tweets sind. Sie gleicht die Quellen von Beiträgen ab und checkt gegen, aus welcher Zeit Zitate stammen. In der rechten oberen Ecke eines Facebook-Posts taucht dann eine Bewertung auf, ob der Beitrag authentisch oder ein Fake ist. Der FiB-Code steht bei Github öffentlich zur Verfügung und kann weiterentwickelt werden. In Angesicht der Bundestagswahl 2017 wäre eine deutschsprachige Variante sehr wünschenswert.

Die vier Studierenden sind nicht die einzigen, die über Lösungen für das Fake-News-Problem nachdenken. Eli Pariser, Gründer der US-Seite Upworthy, hat in diesem Dokument bereits eine lange Liste weiterer Ideen gesammelt.