„Volksverräter“: Galgen an Wohnhaus von Grünen-Politiker gesprüht

Das Wohnhaus des Grünen-Politikers Sören Herbst in Magdeburg ist mit einem Galgen und dem Wort „Volksverräter“ beschmiert worden. Der flüchtlingspolitische Sprecher vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund, die Polizei „kann dazu noch nichts sagen“.

Quelle: Screenshot Sören Herbst / Twitter

Die Morddrohung gegen Sören Herbst Quelle: Screenshot Sören Herbst / Twitter

„Diese Dinge haben mit freier Meinungsäußerung nichts mehr zu tun. Wir leben im Jahr 2015 und nicht mehr 1933“, sagte Sören Herbst (35) zu ze.tt. Er nehme diese „Morddrohung“ sehr ernst, die Polizei ebenso. Eine Polizeisprecherin bestätigte auf Anfrage, dass Unbekannte in der Nacht auf Dienstag das Haus in der Magdeburger Innenstadt mit einem Graffito besprüht hätten. Im Erdgeschoss befindet sich ein Café, Herbst lebt in einer Wohnung darüber. „Wir ermitteln wegen Sachbeschädigung und Bedrohung“, sagte die Polizeisprecherin. Ob die Täter der rechten Szene angehören, könne sie noch nicht sagen.

Sören Herbst © Landtagsfraktion Grüne Sachsen-Anhalt
Sören Herbst © Landtagsfraktion Grüne Sachsen-Anhalt

Am Morgen hatte Herbst ein Foto der besprühten Scheibe auf Twitter gepostet und dazu geschrieben: „Drohungen und Gewalt sind die Sprache der Dummen.“ Er wolle sich von den Taten nicht einschüchtern lassen und seine Arbeit unbeirrt fortsetzen, sagte er. Dass er Zielscheibe wurde, liegt vermutlich an seiner Position. Herbst ist migrations- und flüchtlingspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag und Mitglied des Magdeburger Stadtrats. Auch auf Facebook und Twitter setzt er sich für Belange von Asylbewerbern ein.

Nur wenige Tage zuvor war Herbst bereits auf Facebook gedroht worden: „Wir schreiben nicht öffentlich irgendwas schwules mein Kleener, ich handle! Wenn dann hast du ne Dauerkarte im Krankenhaus mein Schatzi, und auch da komme ich dich oft besuchen.“ Herbst sagt, dass er auch diesen Post angezeigt hätte. Die Polizei bestätigte ze.tt, die Person aufgesucht und ihr ins Gewissen geredet zu haben. Ob weiter ermittelt werde, müsse sich noch zeigen.

Tweet des Journalisten Andreas Stein. ©Screenshot Twitter

Herbst beobachtet eine „Verschärfung der Rhetorik“. Auch die Polizeisprecherin sagt, dass der Ton in Netz zunehmend aggressiver werde. Man habe Posts entdeckt, in denen dazu aufgerufen werde „Bürgerwehren“ zu gründen. Die Volksstimme aus Magdeburg hat Posts gefunden, die vorschlagen, Asylbewerber „an Ort und Stelle totzuschlagen“. „Diese Gewaltaufrufe werden nun offline umgesetzt,“ sagt Herbst. Erst am Wochenende hatten rund 30 Vermummte ein Gruppe Syrer mit Baseballschlägern angegriffen.