Veganismus: Eine Typologie der Pflanzenfresser*innen

Der eine isst nur vegane Fertigpizza, die andere ausschließlich Selbstgekochtes und der Dritte eben doch mal einen Kuhmilch-Joghurt – aus der Tonne gerettet. Wie soll man da noch den Überblick behalten? Diese Typologie hilft.

Puddingveganer*innen lieben Fast Food - ohne Tier. © Lea zeichnet

+++ ACHTUNG: Dieser Artikel kann Spuren von Stereotypen beinhalten +++

Pudding-Veganer*in

Legger schmegger: Ja, Pommes mit Ketchup sind vegan!
Legger schmegger: Ja, Pommes mit Ketchup sind vegan! © Lea zeichnet

„Sich vegan ernähren? Super einfach!“, denkt sich der oder die Puddingveganer*in: Einfach alles weglassen und jeden Tag Pommes frites mit Ketchup und Brot mit Erdnussbutter auftischen. Diese recht faulen Typen unter den Pflanzenfresser*innen ernähren sich zwar rein pflanzlich, aber meist einseitig und überwiegend von einfachen Gerichten und Fertigprodukten. Nudeln mit Tomatensoße sind zwar vegan, aber nicht unbedingt gesund – vor allem nicht in Massen. Achtung: Gefahr von Mangelerscheinungen.

Selbstoptimierungs-Veganer*in

Dieser Typ yogiert gerne. © Lea zeichnet

Der Essensplan für die nächste Woche steht. Darunter zu finden: Chia-Pudding mit Früchten, Süßkartoffel-Linsen-Auflauf und am Abend natürlich immer etwas leichtes: Grünkohl-Ananas-Smoothie. Mehr Zeit als zum Smoothiemixen verbringt dieser Typ nur im Yogastudio. Woher die ganzen Avocados für den Salat kommen oder wie viele Tiere unter der Massentierhaltung leiden, ist nebensächlich. Denn die Hauptsache ist: Alles soll #healthy sein!

Öko-Veganer*in

Hauptsache die Trinkflasche ist dabei. © Lea zeichnet

Avocados aus Südamerika? Soja-Shrimps aus Amerika? So etwas kommt dem oder der Öko-Veganer*in nicht in die Tüte. Eingekauft wird nur auf dem regionalen Markt und im Veganladen-Kollektiv. Diese*r Pflanzenfresser*in hält nichts von Matcha-Lattes, Chia-Bowles und Superfood-Toppings. Morgens gibt es reichhaltigen Haferschleim mit Joghurt aus europäischen Sojabohnen, mittags Ofenkartoffel mit Gemüse und abends ein Vollkorn-Dinkel-Brot mit Linsenaufstrich. Unterwegs ist immer die Tupperdose und die Glaswasserflasche dabei. Bei aller Öko-Bilanz-Konsequenz: Macht das glücklich?

Allover-Veganer*in

Hauptsache vegan. © Lea zeichnet

Diese Veganer*innen gehen nicht nur ausschließlich in vegane Supermärkte, sondern kaufen auch sonst nichts, was nicht mit dem Vegan-Label verziert ist. Schuhe? Kosmetik? Möbel? Das gibt es alles auch in vegan zu kaufen. Das macht es für ihr Umfeld etwas schwierig: Essengehen kann man mit ihnen nur in veganen Restaurants, denn bei den anderen „Weiß man ja nie!“ Woher und woraus das Sojaschnitzel oder der vegane Schuh bestehen, ist ihnen relativ egal: Hauptsache das Vegan-Blümchen ist drauf. Vegan reisen kann man jetzt übrigens auch. Aber sie bleiben konsequent, das muss man ihnen lassen – egal, wie sehr das Portemonnaie leidet.

Freeganer*in

Na, noch was gefunden? © Lea zeichnet

„Bist du jetzt auf einmal Vegetarierin?“ – „Neeee, ich bin doch Freeganerin!“ Freeganer*innen tauchen oft ganz bewusst im Müll anderer Menschen rum, um Lebensmittel zu retten. Und wenn da ein Joghurt aus Kuhmilch dabei ist, dann muss der eben gegessen werden. Diese Haltung ist meist ideologisch motiviert und ein bewusster Akt gegen die Konsumgesellschaft. Gerettetes Fleisch muss allerdings in der Tonne bleiben oder weiter gegeben werden – denn das ist dann doch zu viel des Guten.

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